Bamberg

Mit der Telekom zurück in die Internet-Steinzeit

Die Telekom will das Datenvolumen ihrer Kunden begrenzen. Ganz nach dem Motto "wer viel surft, soll mehr zahlen" schafft der Konzern so Flatrates ab - und schickt Vielnutzer zurück in die Internet-Steinzeit.
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Düstere Aussichten kündigen sich für Kunden der Telekom an. Der Konzern will die Datennutzung begrenzen. Foto: Oliver Berg/dpa
Düstere Aussichten kündigen sich für Kunden der Telekom an. Der Konzern will die Datennutzung begrenzen. Foto: Oliver Berg/dpa
Manch einer wird sich mit Wehmut an das Düdeldüdüüü des Modems erinnern. Dieses sorgte in den Anfängen des Internets dafür, dass eine Verbindung mit den geheimnisvollen Weiten aufgebaut wurde. Wie lange es dauerte, um Seiten aufzurufen, war fast egal, denn allein die Tatsache, dass sie sich aufbauten, war schon spannend genug. Und selbstverständlich schrieb man E-Mails offline und wählte sich erst dann ein, wenn man das Geschriebene auch tatsächlich verschicken wollte. Zeit war schließlich Geld. Erst Flatrates und die entsprechend schnellere Geschwindigkeit brachten eine höhere Nutzung mit sich.


Gute alte Modem-Zeiten
Genau das steht mit den angekündigten Plänen der Telekom, eine Datendrosselung einzuführen, auf der Kippe. Nicht nur, dass man als Verbraucher davon ausgehen kann, dass die Preise steigen (und andere Anbieter auch auf den Geschmack kommen). Man wird wie in den guten alten Modem-Zeiten auch darauf achten müssen, wie viel Daten vom gekauften Volumen schon verbraucht wurden. Dann wäre es vorbei mit dem ständigen Online-Sein, dem Eben-mal-E-Mails-checken oder Das-esse-ich-heute-zu-Mittag-Posten. Doch wer weiß schon spontan, wie viele Gigabyte dabei verbraucht werden? Eine gute Übersicht bietet heute.de. Demnach reichen 75 Gigabyte (soviel setzt die Telekom als Obergrenze an) für zehn Filme in herkömmlicher Auflösung, drei HD-Filme, 60 Stunden Internetradio, 400 Fotos und 16 Stunden Online-Spielen - das reiche, so zitiert das ZDF die Telekom, auch noch für das Surfen im Netz und das Bearbeiten von E-Mails.

Telekom-Drossel mit 384 kbit/s from yetzt on Vimeo.



Mag sein, dass heute der normale Nutzer auf 15 bis 20 Gigabyte im Monat kommt. Doch angesichts von immer mehr internetfähigen Geräten muss man kein Hellseher sein, um sich auszurechnen, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird. Ganz sicher bis zum Jahr 2016. In diesem Jahr will die Telekom ihre Datendrosselung dann tatsächlich einführen. Nutzer, die sich das Entertainment-Paket der Telekom leisten, sind davon nicht betroffen, weil die dabei verbrauchten Daten nicht auf das Volumen angerechnet werden. Wer seine Filme aber lieber bei anderen Anbietern streamt oder herunterlädt, muss dann mit längeren Wartezeiten und Ruckelbildern rechnen.


Ausnahmen für Telekom-Angebote
Weil die eigenen Angebote demnach eindeutig bevorzugt würden, ist das ein Verstoß gegen die Netzneutralität. Denn die besagt, dass Internetanbieter die Inhalte von allen gleich behandeln müssen, egal von wem sie kommen, egal was da transportiert wird. Das Internet ist längst Teil unseres Lebens. Nicht nur, weil wir Unwichtiges in den sozialen Netzwerken posten, weil wir Filme schauen oder E-Mails schreiben. Das Internet ermöglicht den Zugang zu Wissen und Informationen über Ländergrenzen hinweg, es ist ein Grundbedürfnis geworden. Der Zugang zum Internet darf nicht reguliert werden. Netzneutralität sollte, wie beispielsweise in den USA, rechtlich einklagbar sein - damit Konzerne wie die Telekom gar nicht erst darauf kommen, eigene Inhalte zu bevorzugen.


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