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Kommentar

Microsoft: Der Dinosaurier lebt

Microsoft versucht mit seinem Betriebssystem Windows 8 Boden gut zu machen. Und zu Apple und Google aufzuschließen. Ob das gelingt, ist fraglich.
Microsofts Steve Ballmer stellt das neue Betriebssystem Windows 8 vor. Foto: Justin Lane/dpa/Archiv
Microsofts Steve Ballmer stellt das neue Betriebssystem Windows 8 vor. Foto: Justin Lane/dpa/Archiv
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Der Hoffnungsträger hat bunte Kacheln und reagiert auf Fingerdruck. Mit dem neuen Betriebssystem Windows 8 will Microsoft in der Welt der mobilen Geräte nicht nur mitmischen. Der Konzern will eine echte Alternative zu Apple und Googles Android werden - und beide am besten überholen. Deswegen hat Microsoft sich mit Nokia zusammengetan, um wie es auf der Unternehmensseite heißt "revolutionäre Unternehmenslösungen für die mobile Produktivität zu entwickeln". Microsoft versucht sich jenseits des stationären PCs, der mit Maus und Tastatur bedient wird, zu positionieren.

Jetzt zeigen die Geschäftszahlen, dass der Konzern mit Windows 8 zwar einen leichten Schub verzeichnen kann. Doch weil sich das Office-Paket weniger gut verkauft, drückt das auf den Gewinn. Der fiel um vier Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar (umgerechnet 4,8 Milliarden Euro).

Der Dinosaurier des Computerzeitalters verdankt seine dominierende Position der klugen Strategie seines Gründers. Bill Gates handelte eine Kooperation mit dem Gerätehersteller IBM aus, der fortan seine Computer mit dem Betriebssystem Windows koppelte. Die Wahrnehmung vieler Nutzer machte daraus eine Einheit, die dazu führte, dass Microsoft das dominierende Betriebssystem wurde und kaum ein Rechner ohne es verkauft wurde. (Wer einmal versucht hat, einen Rechner ohne Betriebssystem zu bekommen, weiß, dass das nicht einfach ist.)

Dieser Glücksfall für Microsoft, das damit eine sichere Einnahmequelle hatte, führte aber auch dazu, dass der Konzern sich lange Zeit ausschließlich auf diesen Bereich konzentrierte. Während Apple und Google längst erkannt haben, dass Nutzer ihren Computer in Form von Handys und Tablets immer dabei haben wollen, wirkt Microsoft immer noch seltsam statisch und erstarrt.

Daran können bunte Kacheln und ebensolche bunten Notebooks nur dann etwas ändern, wenn die Geräte nicht nur erhältlich sind, sondern auch gut funktionieren. Ob die Verkaufszahlen gut sind, verrät Microsoft nicht explizit. Allerdings fehlen euphorische Einschätzungen über die Nutzererfahrung, was man durchaus als Minuspunkt für Microsoft verbuchen kann.

Denn anders als zu Beginn der Computerära ist Microsoft kein Pionier mehr. Google und Apple haben die Messlatte ziemlich hoch gelegt. Microsoft muss beweisen, dass es mithalten kann und mehr noch: es muss Nutzer von seinen Produkten überzeugen. Das dürfte nicht einfach sein.