Bamberg
Partei in Franken

Mein Plakat, mein Wort - mein Friedhof

Jetzt grinsen sie uns wieder vom Straßenrand entgegen. Sie hängen auf Pappe am Laternenmast oder haben sich auf riesigen Transparenten auf der Wiese breit gemacht: Unsere Politiker. Gut sichtbar sollen sie sein und Aufmerksamkeit erregen. Das funktioniert zwar irgendwie, allerdings manchmal nicht unbedingt im Sinne der Parteien.
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Wahlwerbung am Bamberger Schönleinsplatz Foto: Anna Lienhardt
Wahlwerbung am Bamberger Schönleinsplatz Foto: Anna Lienhardt

SPD-Mann Christian Ude hatte es schon, sein Wahlplakat-Skandälchen. Der Münchner Oberbürgermeister verspricht auf seinem Plakat zur Landtagswahl im September: "Ein Ministerpräsident, der Wort hält." Das setzt er denn auch gleich in die Tat um und hält einen fetten roten Schriftzug namens "Wort". Kollegin Carmen Schmitt hat sich in ihremArtikelausführlich mit dieser etwas - sagen wir etwa unkonventionelleren Wahlwerbung - beschäftigt - und nicht nur sie.

Auf Facebook kursieren aktuell diverse Posts mit Fotos der Ude-Plakate und Transparente. "Jetzt ernsthaft?", "So schlecht, dass es schon wieder gut ist" oder einfach nur "Ha ha" schreiben die Kommentatoren. Die haben mittlerweile ein neues Lieblingsspielzeug entdeckt, mit dem ihnen der politische Gegner der SPD vor der Nase herum gewedelt hat.

Die CDU in Castrop-Rauxel, eine Stadt im Ruhrgebiet etwa so groß wie Bamberg, titelt: "Wir sind auf dem richtigen Weg." Allerdings: Die drei Plakate mit dieser Aufschrift umschließen die Stange eines Schildes, das den Weg weist - zum Friedhof.

Eine Komik-Gruppe bei Facebook hat das Foto am 29. Juli gepostet, seitdem wurde es 835 mal geteilt und hat 2404 Likes erhalten (Stand: 12.08.2013). In den Kommentaren liest man: "Dort kommen wohl auch all die unerklärlichen CDU-Wähler her...", "Wenn sie denn nur einmal zu ihrem Wort stehen würden ;-)" oder aber "immer noch besser als die SPD". Während die einen schimpfen, verteidigen die anderen ihre Partei: "Mann, kann man im Internet viel Stuss daher quatschen... Ich glaube, dass diese Partei diesem Land mehr gibt als alles, was hier in unfassbarer Blödheit darauf schimpft."

 
 

 


Ob sich aus den Kommentaren tatsächlich eine Diskussion entwickelt, die zur politischen Meinungsbildung beiträgt, ist schwer vorstellbar. Die User werden wohl weiterhin, wie so oft im Netz üblich, schnell einen Kommentar abgeben und sich im Internet weitertreiben lassen - bis zum nächsten Post, der ihre Aufmerksamkeit für ein paar Augenblicke auf sich zieht.

Vielleicht landen sie ja wieder bei Christian Ude, der sein "Wort" hält - oder "Händchen"? Oder "an der Ampel"? Was auch immer ihm gerade zwischen die Finger kommt, die Redaktion von jetzt.de sammelt die "Wahlplakate" auf der Blogging-Plattform "Ude holding things" (übersetzt: "Ude hält Dinge").

Die Aktion erinnert an "Loddar holding things." Fußballspieler Lothar Matthäus begrüßte bei seinem Facebook-Beitritt seine Fans, und zwar mit einem Foto, auf dem er ihnen mit einem Strauß Tulpen in der Hand entgegen lächelte. Flugs tauchten etliche Fotos von "Loddar" auf, auf denen ihm per Computerprogramm andere Dinge in die Hände gegeben wurden.

Mal sehen, was aus dem CDU-Wahlplakat wird, das den Friedhofs-Wegweiser umschließt. Vielleicht weist das Schild nach einer Bearbeitung am Computer bald noch woanders hin. Oder es findet sich ein anderes Wahlplakat zur Landtags- oder Bundestagswahl, das vielleicht nicht ganz glücklich platziert ist. Habt ihr schon eines gesehen? Dann schickt uns ein Foto an Leserreporter@infranken.de, Betreff Wahlplakat.
Wir sind gespannt!

 

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