Bayreuth
Mein Wagner-Jahr

Katharinas Ex-Faktotum klopft auf den Busch

"Mein Wagner" von Alexander Busche gehört schon jetzt zu den kuriosesten Buchveröffentlichungen des noch jungen Wagnerjahrs.
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Ausschnitt des Buchcovers "Mein Wagner" von Alexander Busche Vorlage: Grebennikov Verlag
Ausschnitt des Buchcovers "Mein Wagner" von Alexander Busche Vorlage: Grebennikov Verlag
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Rosenmontag ist ein passender Tag, um auf eine Neuerscheinung zum Wagnerjahr einzugehen, die vermutlich auch am Jahresende als eine der kuriosesten eingestuft werden wird - in etwa so wie die 1906 erschienene Broschüre "Mutter Brünnhilde" von Dr. Moritz Wirth, der ernstlich den Versuch unternimmt, aus der Partitur der "Götterdämmerung" nachzuweisen, dass Brünnhilde schwanger und somit unter anderem eine bestimmte Notenfigur als "Milchdrüsen- oder Lusttriole" zu definieren sei.

Ganz soviel Spaß hat man bei der Lektüre von "Mein Wagner. Auf Richards Spuren" von Alexander Busche nicht (Grebennikov Verlag, 166 S., 16,90 €). Was einfach damit zu tun hat, dass der Autor den peinlichen Ansatz verfolgt, die bisherigen Stationen seines gerade mal 34-jährigen Lebens mit der Biographie Richard Wagners zu verbinden. Schon das Cover seiner Ergüsse ist, wie der Musikjournalist Dieter David Scholz in seinem Verriss im Deutschlandradio befand, ein "grotesker Fall von Selbstinszenierung".

Was wiederum zu tun hat mit der Profession Alexander Busches. Er ist Katharina Wagners Ex-Assistent und PR-Mann, war vorher unter anderem Pressesprecher an der Deutschen Oper Berlin und ist aktuell in dieser Funktion bei den Tiroler Festspielen beschäftigt, wo es zwar nicht nur Wagner gibt, aber inzwischen ein nagelneues Festspielhaus, dessen Entstehungsgeschichte durchaus an Bayreuth erinnert.

"Der Mythos Bayreuth und somit irgendwie auch Richard Wagners Werke leben heute zum großen Teil von Skandalen", stellt Busche in seinem Prolog fest und bekennt, kein Wagnerianer zu sein, aber: "Wie die Flut sich das Wattenmeer zurückerobert, so schlich Wagner sich in mein Leben und drang unaufhaltsam in Form der sich zunächst sanft gebenden, dann umso härter zuschlagenden Wagner-Gene in mein Leben." Womit sich die sprachliche Qualität des Buches irgendwie selbst erklärt.

Ansonsten plaudert der Autor, den Katharina Wagner "Buschi" nennt, gerne aus dem Nähkästchen. Nah genug dran war er jahrelang, wohnte zeitweise sogar im Gartenhaus der Wolfgang-Wagner-Villa beim Festspielhaus. Buschi hat seine Chefin unter anderem zum "allerhöchsten Heiligtum ihrer eigenen Konsumfreude", zur Louis Vuitton-Zentrale in Paris, begleitet, war PR-Manager für ihr "Meistersinger"-Debüt in Bayreuth, konzipierte und betextete die erste Kinderoper der Festspiele, schrieb einige von Katharinas Regiebüchern und war ihr szenischer Mitarbeiter, etablierte das Public Viewing und die Festspielvermarktung in der BF Medien GmbH. Bis seine Chefin ihn plötzlich fallen ließ wie ein heiße Kartoffel.

Was den Inhalt betrifft, so fasse ich das Wesentliche in Frageform zusammen. Für Antworten sind alle Verantwortlichen der Bayreuther Festspiele GmbH, ihrer Tochterfirma BF Medien GmbH und der Richard-Wagner-Stiftung zuständig:

1.) Warum wurde 2009 ein Tarifvertrag mit dem Technikpersonal vereinbart, der offenbar den Gegebenheiten des Festspielbetriebs zuwiderläuft und sich zwangsläufig negativ auf das künstlerische Niveau auswirkt?

2.) Welche Notwendigkeit hat jetzt noch die BF Medien GmbH, wenn sie laut Busche offenbar nur als "unbezahlbares Druckmittel im Kampf um die Festspielnachfolge angelegt" war und als solches mit Erfolg benutzt wurde?

3.) Wieso ist das Gemälde Max Brückners von Klingsors Zaubergarten nach "Parsifal"-Entwürfen von Paul von Joukowsky, das laut Busche im Büro der BF Medien GmbH hängt, nicht im Besitz der Richard-Wagner-Stiftung? Ist je erfasst worden, was noch ins Museum gehören sollte?

Was Alexander Busche in seinem Buch nicht beschreibt, sind seine zwei letzten Coups als netzwerkender PR-Profi: Erstens hat er Katharina Wagner als Mediendarling etabliert, unter anderem per Model-Fotoshootings. Und indem er arrangierte, dass sie einen Journalistenpreis bekam. Bei der dazugehörigen Gala wurde sie chic gestylt den versammelten, überwiegend männlichen Entscheidern in den TV-, Funk- und Printredaktionen so präsentiert, dass Katharina Wagner fortan überall ein Thema war. Es klappt bis heute.

Busches jüngsten Coup hat Robert Braunmüller in seiner Buchkritik zu "Mein Wagner" in der Münchner Abendzeitung treffend wie folgt beschrieben: "Ein Jammer bleibt, dass Busches Comeback auf dem Grünen Hügel nur in einem Nebensatz vorkommt: Vergangenen Sommer war er der Pressearbeiter des tätowierten Russen Evgenij Nikitin. Nach der Quadratmeterzahl bedruckten Papiers war diese Kampagne gewiss ein Erfolg."

Helau, Alaaf! In Faschingslaune sei noch auf die Uraufführungen von Gaetano Donizettis "Regimentstochter" 1840 in Paris und Giuseppe Verdis "I Lombardi" 1843 in Mailand am 11. Februar verwiesen, auf die Geburtstage von Gotthilf Fischer (*1928) und Mary Quant (*1934), welch letztere sich sicher über das am 11. Februar 1963 aufgenommene erste Album der Beatles "Please Please Me" gefreut haben dürfte.

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