Nürnberg
Mein Wagner-Jahr

Hans Sachs, Wagner und der Nürnberger Meistersang

In Nürnberg wurde gestern im Stadtmuseum Fembohaus die Ausstellung "Wagner - MeisterSinger - Sachs" eröffnet.
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Radierung von Jost Amman: Bildnis des Hans Sachs nach Andreas Herrneisen, 1576. Vorlage: © Museen der Stadt Nürnberg, Graphische Sammlung
Radierung von Jost Amman: Bildnis des Hans Sachs nach Andreas Herrneisen, 1576. Vorlage: © Museen der Stadt Nürnberg, Graphische Sammlung
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Einer der Stammgäste", beschreibt Richard Wagner in seiner Autobiographie das Ende einer nächtlichen Wirtshausschlägerei, die er Ende Juli 1835 erlebte, "mit einer alten Nürnberger Kampfart wohlvertraut, hatte nämlich, um der unabsehbaren Verwirrung ein Ende zu machen und um sich den Heimweg zu öffnen, einen der heftigsten Schreier durch einen gewissen Stoß mit der Faust zwischen die Augen besinnungslos, wenn auch unschädlich verwundet, zu Boden gestreckt; und die Wirkung hiervon war es, welche so plötzlich alles auseinanderjagte. Kaum in einer Minute nach dem heftigsten Toben von mehreren Hunderten von Menschen konnte ich mit meinem Schwager Arm in Arm, ruhig scherzend und lachend, durch die monderleuchteten einsamen Straßen nach Hause wandern und erfuhr von ihm unterwegs staunend zu meiner Beruhigung, dass er dies eigentlich an allen Abenden so gewohnt sei."

Muss schwer was losgewesen sein, seinerzeit in Nürnberg, sonst wäre Wagner nicht so nachhaltig beeindruckt gewesen. Bekanntlich hat er die spukhaft schnell endende Prügelszene in "Die Meistersinger von Nürnberg", eine Oper "leichteren Genres", eingebaut, die er zehn Jahr später in Marienbad konzipierte und die seit ihrer höchst erfolgreichen Uraufführung am 21. Juni 1868 in München stets und auf höchstem Niveau unter anderem eine kostenlose Fremdenverkehrswerbung für die Stadt Nürnberg darstellt.

Natürlich wird auch in der "Meistersinger"-Stadt das Wagner-Jahr gefeiert: mit Uraufführungen, Ausstellungen, Vorträgen, Wagnerinterpretationen im Opernhaus und Vorträgen, mit Konzerten, provokanten Possen und romantischen Parkbespielungen. Die konfliktträchtigen, dunklen und braunen Seiten der Geschichte fallen dabei nicht unter den Tisch. Die gestern im Stadtmuseum Fembohaus eröffnete Ausstellung "Wagner - MeisterSinger - Sachs" setzt sich chronologisch nicht nur mit der besonderen Tradition des Nürnberger Meistersangs und dessen berühmter Leitfigur Hans Sachs auseinander. Sondern sie spiegelt die lokal- und nationalpatriotische Verklärung Nürnbergs im 19. und 20. Jahrhundert.

Die unrühmliche Erhebung Nürnbergs zur "Stadt der Reichsparteitage" während der NS-Zeit samt Wagner als Staatskomponist und den "Meistersingern" als Nationaloper wird dokumentiert. Nach der daraus resultierenden Kriegszerstörung der mittelalterlichen Altstadt Nürnbergs hat man Hans Sachs, den Meistersingern und Richard Wagner keineswegs den Rücken gekehrt - auch dank der Nürnbergerin Martha Mödl, die eine der größten Wagner-Interpretinnen der Nachkriegszeit war und letztes Jahr 100 Jahr alt geworden wäre.

Die Ausstellung aus den Beständen der Graphischen Sammlung sowie der Gemälde- und Skulpturensammlung der Museen der Stadt Nürnberg entstand - bereichert um einige ausgewählte Leihgaben - in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Nürnberg und der Staatsoper Nürnberg. Es gibt einen reich bebilderten Katalog aus dem Imhof-Verlag und ein Begleitprogramm, an dessen Schlusspunkt am 16. Mai ein Podiumsgespräch über die Opernlegende Mödl steht. "Wagner - MeisterSinger - Sachs" ist bis 23. Juni Stadtmuseum Fembohaus zu sehen.

Aus naheliegenden Gründen kommen heute nur Geburts-, Gedenk- und Jahrestage in Frage, die im weitesten Sinne mit dem Meistersang zu tun haben. Wie zum Beispiel der aus Bad Windsheim stammende Bariton Rudolf Gniffke (*1937), der unter dem Künstlernamen Rudolf A. Hartmann unter anderem auch am Opernhaus Nürnberg auftrat. In Zürich, wo er 30 Jahre lang Ensemblemitglied war, sang er unter anderem den Beckmesser, mit dem er auch an anderen großen Häusern gefragt war. In Bayreuth war er in den Jahren 1971-73 in kleineren Partien, darunter als Spenglermeister Konrad Nachtigall zu erleben.

Bleiben noch Sir Simon Rattle (*1955), der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, der bei den "Meistersingern" leider noch nicht über das Vorspiel hinausgekommen ist. Aber was nicht ist, kann ja noch werden - zumal wenn er zur Einstimmung "In the Midnight Hour" von Wilson Pickett auflegt, der heute vor sieben Jahren gestorben ist. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass heute vor 175 der Mainzer Carneval-Verein (MCV) gegründet wurde, nachdem Mainzer Bürger beschlossen hatten, die Fastnacht "in besserer Ordnung und edlerem Geschmack" zu feiern. Angeblich soll federführend ein sangesfreudiger, aus Nürnberg stammender Tischlermeister Lauermann mit von der Partie gewesen sein...

Eine Übersicht zu allen Veranstaltungen des Kulturreferats der Stadt Nürnberg zum Wagner-Jubiläum finden Sie unter Nürnberg spielt Wagner.
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