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Partei in Franken

Frauenquote: Andersrum wird ein Schuh draus

Wie Häkeldeckchen in den Bundestag kommen, warum die Kanzlerin keine Freundin der Quote ist und was Margaret Thatcher mit alldem zu tun hat.
Mit dem Bundesrat - hier ein Motiv aus der Sitzung - hat sich im vergangenen Jahr erstmals ein Verfassungsorgan für eine gesetzliche Frauenquote ausgesprochen. Foto: Stephanie Pilick/dpa
Mit dem Bundesrat - hier ein Motiv aus der Sitzung - hat sich im vergangenen Jahr erstmals ein Verfassungsorgan für eine gesetzliche Frauenquote ausgesprochen. Foto: Stephanie Pilick/dpa
Wer glaubt, die Frauenquote sei ein einfaches Themenfeld, der irrt. Verhaltenspsychologie, Gruppendynamik und andere Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Ein Beispiel: Es gibt eine "kritische Masse" von Frauen in einer Gruppe, die erreicht werden muss, damit die Frauen nicht nur den typischen weiblichen Standpunkt vertreten (müssen), sondern auch untereinander unterschiedlicher Meinung sind. Klar soweit? Es ist nachvollziehbar, das etwas so schrecklich Kompliziertes nicht von heute auf morgen entschieden werden kann. Doch während in der Wirtschaft Frauenquoten noch diskutiert werden, sind sie in der Politik bereits üblich.

So haben die Grünen etwa eine festgelegte Quote von 50 Prozent, bei der SPD sind es 40. Auch bei der CSU gibt es längst (seit 2010) eine Quote. Deren Einführung wurde innerhalb der Partei kontrovers diskutiert. Gerade die Basis und die Junge Union leisteten Widerstand. Der Grund: Nur 18 Prozent der CSU-Mitglieder waren damals Frauen, die Frauenquote für bestimmte Ämter liegt nun bei 40 Prozent.

Doch warum geben sich die Frauen überhaupt mit gerade einmal weniger als der Hälfte zufrieden? Würden wir nicht in einer besseren Welt leben, wenn wir die absolute Frauenquote einführen würden, also 100 Prozent? Stellen Sie sich das vor. Im Bundestag gäbe es keine hitzigen Streitereien mehr, sondern alle würden gemütlich beim Kaffeekränzchen sitzen und über die nächsten Entscheidungen plaudern. Auch was die Dekoration der Regierungsgebäude betrifft, wären wir anderen Ländern weit voraus.

Sie wissen, dass das Quatsch ist. Doch gerade in der großen Politik wäre doch die weltweite 100-Prozent-Frauenquote eine wahre Errungenschaft. Kriege würden der Vergangenheit angehören, Unterdrückung und Überwachung wären passé und wir könnten auf gerechtere Sozialsysteme bauen. Denn Frauen haben nicht den gleichen Machthunger wie Männer, sind weitaus friedlicher und ihre soziale Ader ist ausgeprägter als bei ihren männlichen Artgenossen. Margaret Thatcher vielleicht ausgenommen.

Worauf warten wir also? Wer steht dem Ganzen im Weg? Über Jahrhunderte in der Gesellschaft gewachsene Geschlechterbilder. Und die Männer natürlich. Denn viele von ihnen vertreten immer noch die antiquierte Meinung, sie seien besser als Frauen, hätten mehr drauf und würden deshalb auch zu Recht mehr Geld verdienen. Gerade in Führungspositionen bekommen Frauen rund 22 Prozent weniger Lohn als Männer - trotz gleicher Qualifikation. Und das nicht im Jahr 1873, sondern 2013.

Deshalb, liebe Frauen, stehen Sie auf, setzen Sie sich durch. Auch wenn die Kanzlerin keine Freundin der Quote ist. Das liegt aber nur daran, dass sie weder die Wirtschaft noch ihren Koalitionspartner verärgern will. Da sieht man doch wieder, wie rücksichtsvoll Frauen sind.

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