Berlin
Interview

Fränkische Politiker beginnen ihren Wahlkampf

Wie bereiten sich eigentlich Politiker aus der Region auf die bevorstehende Bundestagswahl vor? Die Abgeordneten Sebastian Körber (FDP) aus Forchheim, Hartmut Koschyk (CSU) aus Bayreuth und Anette Kramme (SPD) aus Bayreuth erzählen, worauf sie Wert legen und worauf sie verzichten können. Und sie verraten, welche lokalen Themen sie durchsetzen wollen.
Sebastian Körber (links) und Hartmut Koschyk (rechts) treten im Herbst erneut zur Bundestagswahl an. Fotos: Archiv
Sebastian Körber (links) und Hartmut Koschyk (rechts) treten im Herbst erneut zur Bundestagswahl an. Fotos: Archiv
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Wann beginnt für Sie die heiße Phase des Wahlkampfs?
Sebastian Körber: Der Wahlkampf läuft eigentlich schon seit meiner Wiedernominierung, die heiße Phase beginnt aber jetzt.
Hartmut Koschyk: Die heiße Wahlkampfphase beginnt für mich im Juli.
Anette Kramme: Nach den Sitzungswochen, das heißt ab Anfang Juli werde ich mit dem Wahlkampf beginnen.

Wie viele Termine haben Sie während des Wahlkampfs pro Tag?
Sebastian Körber: Das wechselt natürlich ständig, aber im Durchschnitt sind es vier bis fünf Termine - Tendenz steigend.
Hartmut Koschyk: In dieser Zeit bin ich jeden Tag von morgens bis abends unterwegs. In der Schlussphase im Zwei-Stunden-Rhythmus von 8 Uhr morgens bis 23 Uhr abends.
Anette Kramme: Das ist unterschiedlich - aber bestimmt vier bis fünf im Durchschnitt, manchmal mehr, manchmal auch weniger.

Wie viele Hände schütteln Sie durchschnittlich?
Sebastian Körber: Sehr viele - und gerne! Die Begegnungen und Gespräche mit den Menschen gehören mit zum spannendsten in der Politik.
Hartmut Koschyk: Das kann und will ich nicht zählen.
Anette Kramme: Oje, sehr, sehr viele! Aber es macht ja auch Spaß, immer wieder neue Menschen kennen zu lernen oder aber bekannte wieder zu treffen.

Und wie viele verschiedene Reden halten Sie pro Tag?
Sebastian Körber: Das können schon mal drei bis vier sein.
Anette Kramme: Das ist abhängig von meinen Terminen. Nicht jeder erfordert ja eine Rede.

Wie bereiten Sie ihre Reden vor?
Sebastian Körber: Konzentriert - und wenn möglich mit Stichworten.
Hartmut Koschyk: Der Schwerpunkt meines Wahlkampfes liegt im persönlichen Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern. Da werde ich keine Reden halten, sondern persönliche Gespräche führen und vor allem zuhören.
Anette Kramme: Meist notiere ich mir nur ein paar Stichpunkte und halte meine Reden dann frei.

Wann beginnt Ihr Tag, wann kommen Sie abends heim?
Sebastian Körber: Am frühen Morgen mit Kaffee und Tageszeitungen, abends kann es schon mal Mitternacht werden.
Hartmut Koschyk: Der Tag beginnt für mich morgens um 6 Uhr und endet spät abends.
Anette Kramme: Früh um sechs Uhr - dann will mein Hund Gassi gehen. Abends wird es oft schon mal 23 Uhr und später.

Worauf legen Sie beim eigenen Wahlkampf wert?
Sebastian Körber: Glaubwürdigkeit. Ich ziehe gute Argumente einer übertriebenen Materialschlacht mit den Mitbewerbern vor.
Hartmut Koschyk: Zum einen lege ich großen Wert auf den persönlichen Kontakt und persönliche Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern. Zum Weiteren nutze ich sehr intensiv das Internet insbesondere die sozialen Netzwerke, um mit den Menschen zu kommunizieren und über meine tägliche Arbeit zu berichten.
Anette Kramme: Auf Ehrlichkeit, Authentizität und Fairness.

Was sollte ein Politiker bei seinem Wahlkampf auf keinen Fall tun?
Sebastian Körber: Die politischen Mitbewerber "unter der Gürtellinie" attackieren.
Hartmut Koschyk: Wahlkampfveranstaltungen amerikanischer Art mit Show und Klamauk.
Anette Kramme: Den politischen Gegner schlecht machen. Das gehört sich nicht! Und das Blaue vom Himmel versprechen. Die Leute merken das!

Wie erreicht man die Wähler heutzutage?
Sebastian Körber: Mit guten Argumenten und Ideen. Traditionell am Info-Stand, bei Terminen vor Ort, aber natürlich auch über das Internet, soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter. Bei aller Begeisterung für die "neuen Medien" bleiben aber insbesondere die lokalen Printmedien für mich eine feste Größe.
Hartmut Koschyk: Die Wähler erreicht man durch persönliche Begegnungen und Gespräche sowie durch aktive Teilnahme in den sozialen Netzwerken wie z.B. Facebook.
Anette Kramme: Am besten im persönlichen Gespräch.

Wie hat sich der Wahlkampf angesichts der modernen Medien nach verändert?
Sebastian Körber: Nach meiner Beobachtung grundsätzlich eher wenig. Es geht immer darum, seriös zu informieren, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen und Wort zu halten.
Hartmut Koschyk: Die zunehmende Politikverdrossenheit ist eine große Herausforderung. Auch wenn die Bundesregierung eine hervorragende Bilanz vorzuweisen hat, ist das für die Wählerinnen und Wähler nicht mehr entscheidend. Daher müssen wir es erreichen, dass auch Nichtwähler zur Wahl gehen. Allein mit klassischen Wahlkampfveranstaltungen kann man einen Wahlkampf nicht mehr erfolgreich gestalten. Es sind neue Veranstaltungsformen notwendig. Daneben haben das Internet und die sozialen Netzwerke den Wahlkampf grundlegend verändert. Zum einen steht den Bürgerinnen und Bürgern im Internet eine Vielzahl an Informationsquellen zur Verfügung. Und des Weiteren sind die sozialen Netzwerke eine gute Plattform, um sich mit den Menschen zu den verschiedensten Themen auszutauschen und zu diskutieren.
Anette Kramme: Er ist wesentlich kürzer als früher. Das macht ihn natürlich auch schneller, terminreicher und anstrengender, was mir nichts ausmacht. Ich mag solche Situationen.

Welche lokalen/regionalen Themen möchten Sie in der Bundespolitik durchsetzen? Was möchten Sie verbessern?
Sebastian Körber: Natürlich wenn möglich die Anliegen, die Bürger, Vereine und Unternehmen aus meinem Wahlkreis Bamberg/Forchheim an mich herantragen. Die Verbesserung der regionalen Infrastruktur bei Straße und Schiene liegt mir sehr am Herzen, damit verbunden aber auch Projekte des Lärmschutzes (z.B. A 73, ICE-Trasse Bamberg) und der Barrierefreiheit (z.B. Bahnhof Forchheim, Kersbach). Die Umwidmung und kluge Verwendung bisher militärisch genutzter Flächen in die zivile Nutzung ist ein lohnender Kraftakt in der Domstadt. Die Herausforderungen unseres ländlichen Raums und der Metropolregion in Zeiten des demografischen Wandels werden uns in den kommenden Jahren immer intensiver beschäftigen.
Hartmut Koschyk: Eine Verbesserung der Bahnanbindung Bayreuths (Franken-Sachsen-Magistrale), der Erhalt und Ausbau der Arbeitsplätze in der Region, die Bewahrung unserer Kulturlandschaft und die entschiedene Bekämpfung der Droge Crystal.
Anette Kramme: Die Themen Arbeit und Soziales liegen mir von jeher besonders am Herzen - also zum Beispiel die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, Verbesserungen in der Leiharbeit, Kampf gegen Altersarmut, Gute Ausbildungschancen für unsere Kinder, usw. Regionale Themen, die mich beschäftigen sind unter anderem der Ausbau der Schieneninfrastruktur in Oberfranken (z.B. Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale), schnelles Internet in allen Gemeinden, Erhalt der Schulen vor Ort, Ausbau der Kinderbetreuung, Sicherstellung der ärztlichen Versorgung gerade in unseren ländlichen Regionen oder eine bessere Finanzausstattung unserer zum Teil recht klammen Kommunen.

Wie oft/selten sehen Sie Ihre Familie während des Wahlkampfs?
Sebastian Körber: Selten, aber (das ist mir wichtig) regelmäßig.
Hartmut Koschyk: Trotz der vielen Termine während des Wahlkampfes nehme ich mir auch Zeit für meine Familie.

Was ist Ihr Ausgleich zu den vielen Terminen?
Sebastian Körber: Wichtig: Zeit nur für mich nehmen! Auch mal das Smartphone weglegen, Zeit mit guten Freunden verbringen.
Hartmut Koschyk: Ein Ausgleich zu den vielen Termine sind die Spaziergänge mit meiner Hündin Nora.
Anette Kramme: Zur Entspannung: Gassi gehen mit meinem Hund und den einen oder anderen Termin mit dem Motorrad ansteuern.

Der wievielte Wahlkampf ist das für Sie?
Sebastian Körber: Nach einem Kommunal- und Landtagswahlkampf jetzt der zweite Bundestagswahlkampf.
Hartmut Koschyk: Als Kandidat für den Deutschen Bundestag ist das für mich seit 1990 der siebte Wahlkampf.
Anette Kramme: Der Fünfte.

Auf was freuen Sie sich dabei am meisten?
Sebastian Körber: Auf den 22. September, 18.01 Uhr.
Hartmut Koschyk: Auf den intensiven Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern.
Anette Kramme: Auf die vielen Gespräche mit Bürgern aus meinem Wahlkreis - im Wahlkampf hat man dafür mehr Zeit. Wahlkampf macht überhaupt Spaß. Man kann ganz viel Kreativität walten lassen.

Und worauf am wenigsten?
Sebastian Körber: Auf die vielen guten Ausreden, keinen Sport zu machen.
Hartmut Koschyk: Wenn es zu persönlichen Anfeindungen kommt. Die haben in Wahlkämpfen nichts zu suchen.
Anette Kramme: Auf die vielen Stunden, die ich im Auto verbringen werde, um zu den einzelnen Terminen zu gelangen.
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