Bayreuth
Mein Wagner-Jahr

Familie Wagner lässt sich fotografieren (III)

Dritter und letzter Teil der Erläuterungen zum Who-is-Who? auf der Postkarte von Matthias Ose, die Mitglieder der Wagnerfamilie aus vier Generationen zeigt.
Foto der Familie Wagner von Adolf von Groß im Sommer 1881. Vorlage aus: Martin Geck "Die Bildnisse Richard Wagners", Prestel Verlag.
Foto der Familie Wagner von Adolf von Groß im Sommer 1881. Vorlage aus: Martin Geck "Die Bildnisse Richard Wagners", Prestel Verlag.
Auf geht's in die dritte und letzte Runde unseres Wagnerfamilienfotos, diesmal mit einem auffallenden Schwerpunkt bei einem direkten Nachfahren jenes Jünglings, der in obigem Foto etwas traurig rechts an der Treppe der Villa Wahnfried zum Garten steht:

28. Wolfgang Wagner (*1919 †2010), Enkel RWs, Sohn von Winifred und Siegfried W., verh. in erster Ehe mit Ellen Drexel und Vater von zwei Kindern (→), in zweiter Ehe mit Gudrun Mack, geb. Armann, und Vater eines weiteren Kinds (→); als Regisseur und Bühnenbildner fast ausschließlich in Bayreuth tätig, ab 1951 gemeinsam mit Bruder Wieland W. Festspielleiter, ab 1967 bis 2008 alleiniger Chef am Grünen Hügel und Wegbereiter der Richard-Wagner-Stiftung

29. Eva Wagner-Pasquier (*1945), Urenkelin RWs, Tochter von Ellen und Wolfgang W., verh. mit Yves Pasquier, Mutter von Sohn Antoine (*1982); Kulturmanagerin und seit 2008 mit Halbschwester Katharina Festspielleiterin

30. Ellen Wagner, geb. Drexel (*1919 †2002), verh. mit Wolfgang W., gesch. 1976, Mutter von zwei Kindern (→)

31. Wieland Lafferentz (*1949), Urenkel RWs, Sohn von Verena und Bodo L.; Dirigent, verh. mit Isabella Weiß, Vater von Verena Maja (*1981); Kulturmanager und zeitweiliger Mitbewerber um die Festspielintendanz

32. Gudrun Wagner, geb. Armann (*1944 †2007), verh. in erster Ehe mit Dietrich Mack, in zweiter Ehe mit Wolfgang W., Mutter einer Tochter (→); Fremdsprachensekretärin, rechte und später auch linke Hand des Festspielchefs, zeitweilige Mitbewerberin um die Festspielintendanz

33. Bodo Lafferentz (1897 †1974), verh. mit Verena W., Vater von fünf Kindern (→); als Leiter der NS-Organisation "Kraft durch Freude" Beschaffer des Publikums für die Kriegsfestspiele

34. Gottfried Wagner (*1947), Urenkel RWs, Sohn von Ellen und Wolfgang W., verh. in erster Ehe mit Beatrix Kraus, in zweiter Ehe mit Teresina Rosetti und Vater des Adoptivsohnes Eugenio (*1987); Kulturhistoriker, Regisseur und Autor, vor seiner Abkehr von seinen Ahnen wegen deren Antisemitismus und NS-Vergangenheit auch ein Kandidat für die Festspielintendanz

Auf der Postkarte links sind außerdem Wotans Raben zu sehen, wilde Hügel-Gerüchte raunend, rechts Fafner, giftigen Geifer ausgießend, dahinter das 1876 eröffnete Festspielhaus zu Bayreuth. Von den Bierbänken und -tischen gefallen bzw. heruntergeschubst worden, also leider nicht zu sehen, stehen stellvertretend für alle weiteren, nicht näher bekannt gewordenen, verstoßenen und/oder nicht anerkannten Sprösslinge der Wagnerfamilie:

Franz Wilhelm Beidler (*1901 †1981), juristisch nicht anerkannter Enkel RWs, Sohn von RWs Tochter Isolde und Franz B., verh. mit Ellen Gottschalk und Vater von Dagny Ricarda B. (*1942); schweizerischer Publizist, 1946 vom Bayreuther Oberbürgermeister für die Reorganisation der Festpiele vorgesehen, aber schnell vom Siegfried-Stamm der Familie verdrängt

Walter Aign (*1901 †1977), wahrscheinlich illegitimer Enkel RWs, außerehelicher Sohn der Pfarrersfrau Marie Aign und Siegfried W.; bei den Festspielen Solorepetitor und musikalischer Assistent 1924-1931 sowie "Ring"-Korrepetitor 1952-1957

Neill Thornborrow (*1957), als Erbe des Nachlasses von Friedelind W. Mitglied im Stiftungsrat der RW-Stiftung, der aufgrund seines Profils gut und gern als Urenkel RWs, Enkel Siegfrieds und Sohn Friedelinds durchgehen kann; Pianist, Dirigent und Chef einer Künstleragentur, die auch Bayreuthsolisten vertritt.

Familienfotos mit Stammvater Richard sind rar. Eine der meist gedruckten Aufnahmen stammt von Adolf von Groß, der die Wagners samt Freunden und Hunden am 23. August 1881 ablichtete. In der oberen Reihe von links Blandine, Siegfrieds Hauslehrer Heinrich von Stein, Cosima und Richard Wagner sowie sitzend Paul von Joukowsky, in der vorderen Reihe Isolde, Daniela, Eva und Siegfried. Vom Maler und "Parsifal"-Bühnenbildner Joukowsky, der gestern vor 168 Jahren geboren wurde, ist es dann nur noch ein klinzekleinster Schritt zu den Jahres-, Geburts- und Gedenktagen am 14. Januar.

Heute vor 313 Jahren wurde Ludwig Alois Friedrich Ritter von Köchel in Wien geboren, der etwas geschafft hat, was bei Wagner undenkbar scheint: Sein chronologisch-thematisches Verzeichnis der Werke Mozarts wurde nach ihm benannt, ähnliches war bzw. ist den Wagnerforschern John Deathridge, Martin Geck und Egon Voss nicht vergönnt, die im Schott Verlag das WWV, das musikalische Wagner Werk-Verzeichnis vorgelegt haben.

Heute vor 113 Jahren fand in Rom die Uraufführung von Giacomo Puccinis Opernthriller "Tosca" statt, für die ich folgende geburts- bzw. sterbetagesaktuelle Besetzung unter Dirigent Mariss Jansons (*1943) zusammengestellt habe: Siegmund Nimsgern (*1940) als Scarpia, Corona Schröter (*1751) als Tosca, Howard Carpendale (*1946) als Cavaradossi, Karl Schmitt-Walter (†1985) ausnahmsweise in den kleineren Bassrollen - und als Scarpia-Statist ehrenhalber für den Schluss des 2. Akts der Hundeliebhaber und Hügelpremieren-Habitué Rudolph Mooshammer (†2005).