Berlin
Soziale Netzwerke

Fake News: Regulieren oder aufklären?

Gestern ging es hier im Blog um Fake-Accounts. Die sind für Facebook, Twitter & Co. erst einmal nicht schlimm, steigern sie doch die Nutzerzahl. Für Fake News gilt das gleiche, wie ein Konferenz in Berlin analysierte.
Facebook Fake News
Wer Facebook auf Englisch umstellt, findet dort neuerdings eine Möglichkeit, Fake News zu melden. In Deutschland ist diese Funktion noch nicht freigeschaltet.
Was lässt sich gegen die Verbreitung falscher Nachrichten in den sozialen Medien tun? Darüber sprachen Experten bei einem Fachgespräch im Rahmen des Ausschusses Digitale Agenda des Deutschen Bundestages. Wichtiges Fazit: Fake News und Bots, also keine echten Menschen, die Informationen verbreiten, sondern Computer, stießen deshalb auf Interesse, da in großen Teilen der Bevölkerung das Vertrauen in die traditionellen Medien deutlich gesunken sei. Schwierig sei es aber, so Prof. Dr. Christian Stöcker von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg, ausschließlich regulatorisch eingreifen zu wollen.

Es zeigte sich in der Runde auch, dass das Thema Fake News noch gar nicht ausreichend erforscht wurde. Haben die falschen Nachrichten wirklich eine Auswirkung auf die politische Willens- und Meinungsbildung? Das müsse nachgeholt werden, meinte Markus Reuter, der als Redakteur bei der Plattform Netzpolitik.org arbeitet. Es müsse zudem beachtet werden, dass manche möglichen Maßnahmen eine weitreichende Auswirkung auf die Grundrechte der Presse- und Meinungsfreiheit haben könnten.

Auch die Medienbildung wurde thematisiert. Es gelte zu erkennen, was Fakten von Gerüchten unterscheide. Menschen, so Christina Dinar von der Amadeu-Antonio-Stiftung, müssten stärker hinterfragen, was sie liken, posten und betrachten.

Mehr Informationen zum Fachgespräch finden Sie auch auf der Webseite des Deutschen Bundestages.

Der Technik-Michel meint:
Klar: Der erste Impuls, wenn scheinbar etwas schief zu laufen scheint, ist das Rufen nach neuen Gesetzen. Die mögen auch sinnvoll sein – zum Beispiel sollten die sozialen Netzwerke gezwungen werden, schärfer gegen Fake News und auch die gestern hier im Blog näher betrachteten Fake-Accounts vorzugehen. Nur: Im Endeffekt entscheidet in einem noch immer sehr freien Internet jeder Nutzer, was er lesen möchte, was ihm gefällt und welche Seiten er besucht. Und hier muss eine Gesellschaft ansetzen – durch Aufklärung und Schulungen in Sachen Medienkompetenz.