Smartwatches

Einer weniger: Fitbit kauft Pebble

Vor sechs Wochen schrieb ich an dieser Stelle über sinkende Verkaufszahlen bei Smartwatches. Nun endet eine Ära, Smartwatch-Pionier Pebble wurde aufgekauft, die Marke verschwindet.
Pebble
Mit einem Eintrag im Firmenblog und Erinnerungsfotos wie diesem verabschiedet sich Pebble von den Kunden. Bild: Pebble
„Pebble hat sein Tagesgeschäft beendet und produziert und verkauft keine Smartwatches mehr.“ Ganz oben auf der Webseite des Unternehmens informiert ein kleines Banner über das Ende eines Start-Up-Unternehmens, das eine Geschichte hat, wie sie besser nicht hätte geschrieben werden können.

Vor einigen Jahren wurden die so genannten Wearables, also am Körper tragbare Technik, populär. Über eine Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter sammelte das Start-Up Pebble Geld ein, um eine Smartwatch produzieren zu können. Das funktionierte hervorragend, das Produkt kam richtig gut an. Und so wurde Pebble zum Pionier unter den Smartwatch-Bauern. Weitere Uhren wurden über Kampagnen finanziert, andere Modelle konnten direkt über die Webseite gekauft werden – und auch in den großen Onlineshops und in Elektronikmärkten. Der Pebble-Bonus: Dank E-Ink-Display, wie es auch in E-Book-Readern zum Einsatz kommt, waren die Akkulaufzeiten mit bis zu einer Woche deutlich länger als bei allen anderen Smartwatches, die teilweise täglich an die Steckdose müssen. Der zwischenzeitliche Erfolg konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Markt hart umkämpft war, nicht zuletzt durch den Einstieg von Apple mit der Apple Watch vor etwas mehr als einem Jahr. Aufgrund sinkender Verkaufszahlen (siehe auch Blogartikel von Ende Oktober 2016) wurde Pebble zum Übernahmekandidaten, und genau das ist nun auch passiert.

Fitbit, bekannt für Fitnesstracker, also Armbänder, die beim Joggen oder bei anderen Sportarten die Körperaktivitäten aufzeichnen, übernimmt Pebble mit sofortiger Wirkung. An den Pebble-Smartwatches allerdings ist Fitbit nicht interessiert, und stellt damit den Verkauf und die Weiterentwicklung ein. Übernommen werden lediglich Pebble-Mitarbeiter und das Herzstück, das Betriebssystem.

Für alle, die eine Pebble besitzen, bedeutet das: Neue Uhren oder auch Software-Updates wird es nicht mehr geben. Somit dürfte, betrachtet man den Zyklus in der Technikwelt, in spätestens zwei Jahren Schluss mit den Uhren sein, denn kommen neue Apple- oder Android-Betriebssysteme, wird die App nicht weiter angepasst werden. Zwar gibt es mit dem Projekt „Gadgetbridge“ eine von freien Entwicklern programmierte App-Alternative, dennoch wird Pebble nun nach und nach vom Markt verschwinden. Ob Fitbit mit dem Pebble-System eigene smarte Uhren bringen wird oder weiterhin eher auf Fitnessarmbänder setzt, ist bisher nicht bekannt.

Der Technik-Michel meint:
Vor sechs Wochen schrieb ich im Blog: „Smartwatches sind tolle Produkte. Bei den Kunden allerdings sind sie größtenteils noch nicht angekommen.“ Und genau das war der Todesstoß für Pebble. Von einer treuen, aber eher kleinen Fangemeinde kann ein Unternehmen auf Dauer nicht leben. Zumal die Bereitschaft, sich alle zwei Jahre eine neue Uhr zu kaufen, nicht vorhanden ist. Andere Smartwatch-Hersteller wie Lenovo (Motorola) setzen daher, nach viel Euophorie zu Beginn, nun weniger auf die Uhren, lediglich Apple und Samsung promoten sie aktuell intensiv. Es bleibt also spannend, ob die beiden Marktführer bei den Smartphones sich auch den Smartwatch-Markt nun komplett untereinander aufteilen – oder ob vielleicht noch jemand anderes mit einem revolutionären Produkt um die Ecke kommt.