Coburg
Kurztest

Dying Light oder Die Furcht vor dem Feuerwehrmann

Die Welt nach der Zombie-Apokalypse ist schon bei Tag gruselig - doch nachts wird alles noch schlimmer. Willkommen bei "Dying Light".
Wenn die Nacht über Harran hereinbricht, kommen ungemein stärkere Zombies zum Vorschein.  Screenshot: Yager
Wenn die Nacht über Harran hereinbricht, kommen ungemein stärkere Zombies zum Vorschein. Screenshot: Yager
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Der Feuerwehrmann ist der schlimmste Gegner. Er hält viel aus und lässt sich nicht einmal anzünden, weil er eben ein Feuerwehrmann ist und seine Schutzkleidung nicht abgelegt hat, als er zum Zombie wurde. Aber er ist nur eine der vielen Herausforderungen, die auf den Spieler warten, der sich auf "Dying Light" eingelassen hat. Sicher nicht das erste Zombie-Spiel. Aber wohl das bisher ungeschlagen beste. Kaum erschienen, ist es der Kassenrenner in den USA. In Europa kam es vor einigen Tagen in den Versand - nur so bekommen es deutsche Spieler. Der Zensur, die eigentlich laut Grundgesetz nicht stattfinden soll, gefiel wohl nicht, dass die Untoten hier vor allem im Nahkampf zu ganz Toten gemacht werden müssen. Das Spiel darf also bis jetzt in Deutschland nicht verkauft werden.

Schusswaffen sind selten. Munition auch. Es stimmt, die Zombies, die sich tagsüber in den Straßen von Harran (die Stadt gibt es wirklich) tummeln, lassen sich übel zurichten. Aber was den Spaß an diesem Spiel so irre groß macht, sind ein paar andere Dinge. Da ist die Grafik. Das polnische Entwicklerteam von Techland (die stecken auch hinter Dead Island) hat hier die Möglichkeiten genutzt, die ihnen die neue Konsolengeneration bietet. Zweitens: Open-world heißt absolut open-world in einer mit enormer Liebe zum Detail geschaffenen und toll gestalteten Map.

Vor allem wurde eine Steuerung auf den Controller gelegt, die den Spieler wie einen Parcours-Läufer der Spitzenklasse durch die Gegend fegen lässt. Auf Dächer, über Mauern und Autos - mitten zwischen die Zombies zum Angriff und wieder heraus - alles klappt so wie man es sich vorstellt. Da können sich viele Entwickler eine dicke Scheibe abschneiden. Eine super Idee war die Trennung von Tag und Nacht. Sind die Gegner am Tag eher Opfer, kommen in der Dunkelheit ganz andere Kaliber auf den Zocker zu. Der Jäger wird zum Gejagten, der sich besser in einem sicheren Bereich verschanzt. Das sind beinahe zwei Spiele in einem.

So manche Elemente sind schon von anderen Spielen bekannt. Schlösser knacken wie bei Fallout III oder Skyrim, Waffen sammeln, die, wie bei Borderlands, in Farbkategorien unterteilt sind oder Funktürme erklimmen wie bei Far Cry III. Aber das ist keinesfalls negativ anzukreiden, eher im Gegenteil. Dying Light setzt in vielen Bereichen so neue Akzente, dass garantiert kein Vorwurf des Abkupferns aufkommt.

Story? Klar gibt es eine Story. Der Spieler wird als Agent in die abgeriegelte Stadt geschickt, um einen verlorenen, hochbrisanten Datensatz zu holen. Dabei muss er sich mit den Überlebenden gemein machen, die nicht alle dem Gutmenschentum zuzurechnen sind. Seine Auftraggeber zwingen ihn, dabei unschöne Dinge zu tun, die ihm selbst widerstreben ... aber da soll jeder Spieler mal schön seine eigenen Erfahrungen machen.

Dying Light ist sicher eines der Top-Spiele des Jahres. Es ist brutal, weil es kein Zombiespiel gibt, das nicht brutal ist. Wie Indizierungen in Deutschland zustande kommen, erschließt sich wohl eh kaum einem Beobachter. Wer es nicht will, soll es lassen. Wer es will, bekommt es wie immer einfach im Versand aus dem Ausland. Die einzigen, die nicht über die deutschen Moralwächter lachen, dürften wohl die Einzelhändler sein, denen Millionenumsätze durch die Lappen gehen. Wer auf Zombi-Splatter steht, wird Dying Light lieben.
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