Bamberg
Frankenblog

Die Worte der Woche

Diese Woche habe ich Worte gehört, die so schön sind, dass ich Sie Ihnen nicht vorenthalten möchte und die Sie später gerne auch mal laut vor sich hin sprechen dürfen. Wenn Sie können. Wenn nicht, ist es aber auch nicht so schlimm. Es gibt Menschen, die Ihnen helfen wollen!
Gerät aufs Ei setzen, Kugel heben, wieder fallenlassen - und schon hat man in der Eierschale eine Sollbruchstelle verursacht.
Gerät aufs Ei setzen, Kugel heben, wieder fallenlassen - und schon hat man in der Eierschale eine Sollbruchstelle verursacht.
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Auf Platz drei meiner neuen schöne-Worte-Hitliste steht Adventure-Golf. Zugegebenermaßen nicht, weil es besonders schön wäre. Sondern weil es ein unfassbarer Euphemismus ist. Denn Adventure-Golf bedeutet nicht, dass man an Lianen schwingend Bälle in Schlangennester puttet, oder sich gar in Indiana-Jones-Manier durch gefährliche Labyrinthe kämpfen muss, um das Reich des gläsernen Flaggenstocks zu erreichen.

Nein, Adventure-Golf hat nichts mit Abenteuern zu tun - und auch nicht mit Golf. Es ist eine Minigolf-Variante, die man auf ungenormten Kunstrasen-Bahnen spielt. Ungenormte Kunstrasen-Bahnen, verstehen Sie?! Dazu "Adventure-Golf" zu sagen ist ungefähr so, wie Lohnangleichung und Bürokratieabbau bei Minuswachstum als friedenserhaltende Maßnahmen zu bezeichnen. Oder Badewanne zu spielen und dann einen Vorstoß in den rückwärtigen Sektor zu wagen. Aber es reicht für Platz drei.

Platz zwei: Kläranlagen-Mafia


Auf Platz zwei kommt ein Wort, das von Brigitta Stöber, Zweite Bürgermeisterin von Hersbruck und gestern unsere Dozentin beim Volo-Tag, stammt: Kläranlagen-Mafia. Die Kläranlagen-Mafia kommt, sagt: "Ich mache dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst" - und verkauft Kommunen dann völlig überteuerte Kläranlagen. Überall. Auch hier in Franken. Weil kommunale Großprojekte mittlerweile europaweit ausgeschrieben werden und der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommen muss. Und das ist eben immer einer von der Kläranlagen-Mafia - weil alle anderen Anbieter schon bei den Fischen schlafen. Oder beim Belebtschlamm. Geschickt gelöst - und trotzdem eine Frechheit!

Platz eins: Eierschalensollbruchstellenverursacher


Platz eins schließlich geht an das Wort Eierschalensollbruchstellenverursacher, das laut dpa das Lieblingswort von Maria Höfl-Riesch ist und das ich am Montag zum ersten Mal gehört habe, als ich nichtsahnend "Bauer sucht Frau" guckte. Die Folge beinhaltet einen Einkaufsbummel durch Bamberg, bei dem "der heitere Hühnerwirt Jürgen aus Oberfranken" und sein unerträglich schwäbisches Hochdeutsch sprechender Anhang Anja gemeinsam ebendiesen Eierschalensollbruchstellenverursacher kaufen. Weil Anja ihre Eier nicht mit dem Messer aufschneiden kann und deshalb findet, dass jeder einen haben sollte.

Wahrscheinlich erwarten Sie, dass ich jetzt sage: Super, dass Jürgen jetzt endlich einen Eierschalensollbruchstellenverursacher hat - wir Schwaben haben sowas ja schon lange. Aber mal ehrlich: So einen unglaublichen Schrott braucht kein Mensch! Man haut einfach oben aufs Ei und dann kann man die Schale genauso gut abmachen, wie wenn man dieses Ding aufsetzt und dessen Kugel fallen lässt. Das einzige, was Jürgen dann auch zu sagen hatte, war: "Oh schau mal, da is a Hase drauf." Sehr sympathisch.

Platz eins auf der (Minuswachstum-ähnlichen) Minushitliste: Schwaben-R


Allerdings glaube ich, dass ihm das zum Verhängnis werden wird, auch wenn er es im Moment noch nicht zugibt (siehe das Interview auf infranken.de). Anja steht meiner Meinung nach nämlich nicht auf Männer, die "Eierschalensollbruchstellenverursacher" nicht aussprechen können. Dabei kann sie viel mehr nicht aussprechen: All jene Worte, in denen ein r vorkommt. Aber sie versucht's. Und es gibt einfach nichts Schlimmeres als Schwaben, die versuchen, Hochdeutsch zu sprechen und am r scheitern!

Da nehme ich doch lieber einen sympathischen, r-rollenden Franken. Auch wenn er nur "Eierbruchsoll... .Eierverursacher... universal..." stammeln kann. Denn zur Not gibt es ja die Bamberger Eierschalensollbruchstellenverursacher-Verkäuferin mit ihrem freundlichen Hinweis: "Auf der Packung ist es draufgeschrieben, da können Sie noch ein bisschen üben!"

P.S.: Gerade sagte eine Kollegin zu mir: "Hey, mein Ex-Freund hatte auch einen Eierschalensollbruchstellenverursacher. Und er war auch Schwabe." Manchmal wäre ich wirklich gerne wo anders geboren.