Breitengüßbach
Experiment

Die späten Folgen von "Platz 11"

Als Fan hat Marian Hamacher an Nebenplätze keine guten Erinnerungen. Als Spieler lief es bei seinem ersten Training auf dem Fußballplatz dagegen deutlich besser - bis auf einige Ausnahmen.
Grafik: Franziska Schäfer
Grafik: Franziska Schäfer
An Nebenplätze sind meine Erinnerungen wahrscheinlich ähnlich schlecht, wie die des 1. FC Nürnberg an Spielzeiten nach einem Titelgewinn. Sowohl nur ein Jahr nach der deutschen Meisterschaft 1968 als auch nach dem DFB-Pokalsieg 2007 folgte für den Club der Abstieg in die 2. Liga.

So starke Auswirkungen hatten meine Erfahrungen mit schlecht bespielbaren Plätzen zwar nicht, dennoch verbinde ich diese vor allem mit einem Wort: Niederlage. Schuld daran ist der SV Werder Bremen, genauer gesagt, dessen zweite Mannschaft - und um es auf den Punkt zu bringen: "Platz 11". Die rund 300 Meter östlich des Bremer Weserstadions stehende Sportstätte verhagelte mir als Anhänger der damals noch in der 3. Liga spielenden Düsseldorfer Fortuna in schlechter Regelmäßigkeit die Laune. Jahr für Jahr wurden im Norden die letzten Aufstiegshoffnungen verspielt.


Schlechter Untergrund

Nun stehe auch ich als Spieler auf einem Nebenplatz - in Unteroberndorf. Jedoch ebenfalls mit dem sicheren Gefühl, gleich eine Niederlage zu erleiden. Keine sportliche. Eine persönliche! Nach Wochen des Hallen- und Lauftrainings geht es für mich erstmals auf den Platz. Der Rasen der Heimstätte soll geschont werden, weshalb nun erst einmal der Nebenplatz von 20 Stollenschuhen malträtiert wird. "Unser Problem ist, dass der Platz entweder total weich oder, wenn es wärmer wird, bretthart ist", sagt mein Mitspieler Martin Dietz.

Doch dem schlechten Untergrund und meiner mangelnden Kondition zum Trotz: Das erste Training läuft besser als erwartet. Klar, noch immer bestimmt der Ball, wo ich hinlaufe, und meine Lunge sagt auch weiterhin gerne Bescheid, wenn sie gerade eine Auszeit benötigt. Doch immerhin Kopfbälle landen nach zwei Versuchen schon dort, wo sie hin sollen. Ich mache Fortschritte. Vielleicht sogar meinen Frieden mit Nebenplätzen - womöglich sogar mit "Platz 11".