Bamberg
Notizen aus der Provinz

Brüderle und Schwesterle: Es reicht

Die "Sexismus"-Debatte zeigt wieder einmal: Sie müssen verrückt sein. Diese Deutschen sind in Sachen Hysterie wahrhaft unübertroffen.
An das Hinterteil einer Figur von Bundeskanzlerin Merkel fassen in Köln zwei Karnevalisten. Die Jecken sehen keinen Grund, ihre Wagen zu entschärfen. Foto: Oliver Berg/dpa
An das Hinterteil einer Figur von Bundeskanzlerin Merkel fassen in Köln zwei Karnevalisten. Die Jecken sehen keinen Grund, ihre Wagen zu entschärfen. Foto: Oliver Berg/dpa
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Was die dumme Bemerkung einer Rotweinnase zu später Stunde alles auslösen kann, ist in keinem andern Land denkbar. Ausgerechnet der "Stern", der als Blatt für uramerikanisch gesagt Tits and Ass berühmt und deswegen feministischerseits angegriffen worden ist (weiß das noch einer? 1978 Klage vor dem Bundesverfassungsgericht wegen Nacktheit auf Titelbildern usw.?), spielt sich als Anwalt (Anwältin?) "der Frauen" auf, ausgerechnet ein Jahr nach dem Vorfall, als es opportun schien, dem Brüderle eins auszuwischen, und auf allen Kanälen hallt das Gegacker und Gekrähe.

Ich will hier nicht diese sog. "Sexismus"-Debatte wiederkäuen, das ist mir alles zu "langweilig" (Baron Taittinger in Joseph Roths "Geschichte der 1002. Nacht"), ja, widerwärtig. Am widerwärtigsten wieder einmal, dass immer dieselben Figuren in Talkshows herumsitzen. Der präsenile Hellmuth Karasek und die Allerunvermeidlichste, Alice Schwarzer. Die gilt immer noch als Leitfigur des deutschen Feminismus; dabei hat diese Dame und Langzeit-"Randaleuse" (E. Henscheid) sich längst selbst desavouiert, durch ihre Anwanzerei an noch jede Schreckensgestalt wie die alte Nazisse Leni Riefenstahl und jedes Grauenmedium wie ausgerechnet die Bildzeitung, wo sie zum Fall Kachelmann Gerichts-"Reportagen" in dem als feministischen Kampfblatt bekannten Organ verfasste (auf Seite 1 übergibt der Chefredakteur eine "Volksbibel" an den Papst, auf Seite 5 wirbt eine Prostituierte), für die jede Volontärin gefeuert worden wäre. Sie müssen verrückt sein.

Nebenbei: Zum Fall Schwarzer hat Kay Sokolowsky bereits vor 13 Jahren das Nötige gesagt ("Who the fuck is Alice? Was man wissen muss, um Alice Schwarzer vergessen zu können", Edition Tiamat), gelesen hat's keiner, am allerwenigsten Fernsehredakteure, denen schon alles egal ist, Hauptsache, es rumpelt und pumpelt und schreit, sehr vergleichbar dem Fall Marcel Reich-Ranicki − − −

Sie müssen verrückt sein. Die Symptome häufen sich. Da ist eine Thomas Bernhard'sche Kardinalgemeinheit und Infamie wie "Dschungelcamp" für den Grimme-Preis nominiert und eine eigentlich geschätzte Tageszeitung entsetzt einen mit der Nachricht, dass der Krampf doch eigentlich gut und jetzt irgendwie Bildungsfernsehen sei, da sollen gerade junge Frauen den in jeder Hinsicht inkommensurablen Scheiß "Bachelor" weggucken wie nix, da ist sadomasochistische Pornographie für Frauen, so ziemlich das Dümmste und Reaktionärste, was der in dieser Hinsicht redundante Buchmarkt in den letzten Jahren hervorgebracht hat, in jedem Supermarkt zu haben, und keinen interessiert's, da hüpfen in jedem zweiten Teenagergedudel-Clip halbnackte Gestalten auf der Bühne rum und das ist dann irgendwie normal und selbstbestimmt - sie müssen verrückt sein.

Da freut einen der Medienkonsum nicht mehr. Ranziges Altherrengerede da, aufgeregtes Schnattern dort; uns muss es sehr gut gehen in diesem Land. Die Fastenzeit ist nicht mehr weit. Sollte man, Karl Kraus‘ Diktum eingedenk, dass man die Presse meiden sollte, wenn einem seine geistige Gesundheit lieb ist, Abstinenz üben? Vielleicht besser so.