Bamberg
Weltjugendtag in Rio

Brasilien-Blogger auf abenteuerlicher Busfahrt

Die Brasilien-Blogger mussten sich nun von ihren Gastfamilien verabschieden - da ist ihnen nicht leicht gefallen. Doch dann begann die Fahrt nach Coroatá: 30 Sitzplätze, 60 Menschen, haufenweise Gepäck und lautstarker Gesang.
Fotos: Ann-Kathrin Thönnes
Fotos: Ann-Kathrin Thönnes
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Sonne, Strand und Meer - seit drei Stunden sind wir in der schönen Stadt Sao Luis, wo wir geradeeine ganz andere Seite von Brasilien kennenlernen als bisher und von der ich gleich noch ein bisschen schreiben werde. Aber alles der Reihe nach.

Am Morgen hieß es erst einmal Abschied nehmen von unseren Gastfamilien, von den Jugendlichen und den vielen Menschen aus der Gemeinde in Vargem Grande. Obwohl wir nur zwei Tage und drei Nächte dort waren, ist dieser wirklich schwer gefallen. Trotz Sprachbarriere (mit einer Mischung aus Englisch, Spanisch und ganz viel Händen und Füßen konnten wir uns irgendwie schon immer verständlich machen) waren die Kontakte zu den Menschen dort sehr intensiv. Schon am letzten Abend sind ganz viele Freunde der Familie gekommen, um sich zu verabschieden.

Fast jeder hatte ein kleines Geschenk für uns dabei - Bonbons, Ketten, Rosenkränze, Freundschaftsbänder oder andere Andenken. Im Gegenzug wurden noch gefühlte 1000 Fotos von jedem von uns geschossen und natürlich Facebook-Namen ausgetauscht. Ein kurzer Einschub zu Facebook: Wer glaubt, Jugendliche in Deutschland würden zu viel Zeit in Sozialen Netzwerken verbringen, war noch nicht in Brasilien! Facebook ist dort Gesprächsthema Nummer 1 und sobald Internet verfügbar ist, wird gefacebookt, was das Zeug hält.

Bei der endgültigen Verabschiedung am nächsten Morgen sind dann bei vielen sogar ein paar Tränen geflossen und wir waren wieder einmal von der großen Herzlichkeit der Menschen überwältigt. Die Zeit in Vargem Grande und in den anderen Gastgemeinden wird wohl keiner von uns so schnell vergessen. Muito obrigada!


Die Trommeln zurück gelassen

Abenteuerlich ging es weiter. Der Plan war, dass wir gemeinsam mit einigen Jugendlichen aus Vargem Grande nach Coroatá fahren, um uns dort mit dem Rest unserer Gruppe und anderen Weltjugendtagsteilnehmern aus Deutschland und Italien zu einem Festival zu treffen. Eigentlich ein guter Plan. Nur nicht, wenn man einen Bus mit 30 Sitzplätzen, 60 Personen und haufenweise Gepäck hat. Zumindest nicht in Deutschland. In Brasilien ist auch das ein guter Plan. Irgendwie haben wirklich alle und alles in den Bus gepasst.

Nur die Trommeln wurden ausnahmsweise zuhause gelassen und so haben sich unsere Mitfahrer darauf beschränkt, während der dreistündigen Fahrt lauthals zu singen, zu klatschen und zu tanzen. Wie hat gestern einer aus unserer Gruppe so schön gesagt? "Nach tagelanger Dauerbeschallung freut man sich ja echt, wenn man mal Ruhe hat. Aber daraus wird einfach nichts. Sobald zwei einschlafen, wachen zwei andere wieder auf und machen weiter." Es ist wirklich unglaublich, welche Energie die Menschen hier haben und wie sie einen innerhalb kürzester Zeit mit ihrer Lebensfreude anstecken! Selbst als vor uns drei Autos im Schlamm stecken geblieben waren und wir eine Stunde warten mussten, bis es weiterging, konnte das der guten Laune nichts anhaben. Singen kann man ja schließlich auch, während man versucht, steckengebliebene Autos zu befreien!

In Coroatá angekommen konnten wir erst einmal (Wieder-)sehen mit unserer ganzen Gruppe und mit anderen Weltjugendtagsteilnehmern aus Deutschland und Italien feiern. Weiter ging es - wie sollte es anders sein - mit viel Singen und Tanzen. Zwar war das Programm nicht wirklich spektakulär (alle anwesenden Gruppen haben sich und ihre Diözesen vorgestellt, was wir dank Power Point Präsentation und Film natürlich sensationell gemeistert haben) - aber da so viele unterschiedliche Gruppen aus verschiedenen Ländern da waren, kam schon ein kleines bisschen Weltjugendtagsfeeling auf. Beeindruckend war auch der Umzug zur Kirche. Etwa eine Stunde lang sind rund 300 Menschen singend und tanzend - wie sollte es anders sein - zur Kirche ins Stadtzentrum, um dort gemeinsam mit dem Bischof von Coroatá Gottesdienst zu feiern.


Weiter im klimatisierten Bus

Eine lange Verschnaufpause hatten wir auch danach nicht. Zwar ging es nach dem Abendessen gleich zurück in unsere Unterkunft (wo meine inzwischen schon recht beachtliche Sammlung an diversen roten Pünktchen nochmals um weitere schöne Mückenstiche und Flohbisse erweitert wurde), aber heute hieß es schon um sieben Uhr wieder aufstehen und ab in den Bus - diesmal allerdings in einen klimatisierten. Ab und zu kann ein bisschen Luxus wirklich sehr angenehm sein! Nach sechs Stunden Fahrt sind wir am Nachmittag in Sao Luis angekommen. Zuerst gab es dort ein sehr leckeres Mittagessen mit vielen verschiedenen brasilianischen Spezialitäten wie Bohnensalat oder frittierter Maniok-Wurzel. Danach ging es ins historische Stadtzentrum.

Sao Luis ist eine alte Kolonialstadt, gegründet von den Franzosen, und Unesco-Weltkulturerbe. Die Stadt ist vor allem für die gefliesten Außenfassaden der Häuser bekannt und wird außerdem als "Hauptstadt des Reggae" bezeichnet. Leider hab ich davon bisher noch gar nichts mitbekommen - die Stadt war ziemlich ausgestorben (Sonntagabend) und von Reggae weit und breit keine Spur. Dafür gab es an jeder Straßen- und Häuserecke super schöne Postkarten-Fotomotive. Die Stadt hat wirklich sehr viel Charme und erinnert ein bisschen an karibische Städte.

Morgen haben wir dann vormittags noch Zeit, um an den Strand zu gehen, bevor es dann endgültig heißt: Rio, wir kommen! Ich bin momentan schon ziemlich aufgeregt und sehr gespannt, was uns dort erwarten wird. Das Abenteuer kann weitergehen!

Muitos cumprimentos!
Ann-Kathrin

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