Nürnberg
Mensch, Fußball

Bernhard Drummer: Der Arzt, dem die Club-Profis vertrauen

Die Fußballprofis vom 1. FC Nürnberg nannte er seine "Buben". Der Chefarzt im Klinikum Forchheim Dr. Bernhard Drummer war Teamarzt beim Club und kennt sie alle. Ihre Stärken, ihre Schwächen, ihre Laster.
Von 2001 bis 2004 war Drummer Mannschaftsarzt beim 1. FC Nürnberg (rechts).
Von 2001 bis 2004 war Drummer Mannschaftsarzt beim 1. FC Nürnberg (rechts).
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Bernhard Drummer macht so schnell keiner was vor - der Mann kennt den Fußball und seine Protagonisten, im Amateur- und im Profibereich. Der 51-Jährige kuriert die Wehwehchen der Hobby-Kicker und behandelt die Stars im Profi-Zirkus. Als Stürmer tankte sich der Mediziner in Leutenbach, Weingarts, Egloffstein, Weilersbach und bei Jahn Forchheim durch. Drei Jahre war er Mannschaftsarzt beim 1. FC Nürnberg. Bernhard Drummer hat viel zu erzählen - und ich habe gerne zugehört.

"Ist das nicht herrlich hier?" Breit grinsend steht Bernhard Drummer auf der langen, steinernen Treppe und weist ausladend auf die Landschaft ringsum. Bodenständig ist er und ein waschechter Franke. Deshalb hat der heutige Chefarzt des Klinikums Forchheim auch seine Zelte in seinem Heimatdorf aufgeschlagen. Ein modernes, großzügiges Haus am Fuße des Walberla nennt er sein Eigen. Lebensqualität ist ihm wichtig. Und die heißt in seinem Fall: "Ruhe und Entspannung" - vom Job als Chefarzt, aber auch vom Fußball.

Ein talentierter Stürmer
Ich treffe Doktor Drummer dort, wo er sich am wohlsten fühlt. Obwohl er als Fußballer und (Mannschafts-)Arzt viel herumgekommen ist in Deutschland und Europa, blieb der fröhliche Franke stets heimatverbunden. Den Heimatverein FC Leutenbach verließ der junge Bernhard dennoch bereits im Alter von 15 Jahren. Im benachbarten Weingarts kickte die Jugend in der Bezirksliga. Da war der Stürmer besser aufgehoben. "Mit 16 Jahren wurde ich freigemacht für die Erste Mannschaft", blickt Drummer auf die eigene fußballerische Vergangenheit zurück.

Zu Bundeswehrzeiten in Bayreuth stationiert, hatte der offensichtlich talentierte Walberla-Kicker dann die Möglichkeit zur SpVgg Bayreuth zu wechseln, in die 2. Bundesliga. "Der Aufwand war mir aber zu groß", meint der Doc trocken. Als gut trainierter Fußballer trieb Drummer beim Bund aber weiter viel Sport und wechselte mit 19 in die Landesliga zum Forchheimer Jahn. Dort trainierte Nandl Wenauer, ein ehemaliger Nationalspieler und Deutscher Meister des FCN (1961 und 1968).

Ich selbst kann mich noch gut erinnern an den Stürmer der Zweiten Mannschaft der SpVgg Jahn Forchheim. Ich spielte mit der DJK Pinzberg in der B-Klasse gegen Drummer. Das war kein Spaß gegen ihn zu spielen! Er war sehr ehrgeizig, hatte mächtig Zug zum Tor und ließ sich von nichts und niemandem aufhalten.

Nationalspieler im Ärzteteam
Bernhard Drummer war sogar mal Nationalspieler! Allerdings "nur" für die Deutsche Fußball Ärztemannschaft. Im Team des damaligen Städtischen Krankenhauses Forchheim brachte es der Mediziner Mitte der 90iger bei der Deutschen Meisterschaft der Krankenhaus-Mannschaften zu einem respektablen dritten Platz. Damit scheiterten die Oberfranken nur knapp an der Teilnahme an der Ärzte-Europameisterschaft in Florenz.

2001 und 2003 waren für den Fußballer Drummer die erfolgreichsten Jahre: Zu Buche stehen zwei Teilnahmen mit dem deutschen Ärzte-Nationalteam bei der Weltmeisterschaft in Spanien. Ein dritter und ein fünfter Platz sprangen am Ende dabei heraus. Mit im Team war auch Dr. Ralf Weidhaus (unter anderem 1. FC Nürnberg, FC Bayern München II), heute Allgemeinarzt in Herzogenaurach. Gespielt und trainiert wurde beim großen FC Barcelona. Allerdings nicht im Camp Nou sondern im 15.000-Zuschauer fassenden Stadion der zweiten Mannschaft, Mini Estadi.

Mannschaftsarzt beim Club
Mit am spannendsten war für Drummer allerdings seine Zeit als Mannschaftsarzt beim 1. FC Nürnberg von 2001 bis 2004. Wie kam Drummer eigentlich zum Club? Im Jahr 2001 ist Dr. Bernhard Drummer leitender Arzt der EuroMed-Klinik in Fürth, besser bekannt als die blaue Pyramide. Der FCN sucht per Ausschreibung einen Mannschaftsarzt. "Ein Kollege bewarb sich und fragte mich, ob wir das nicht zusammen übernehmen wollen", erzählt der Arzt.

Drummer, als langjähriger aktiver Spieler mit besten Kontakten in die Fußballwelt ausgestattet - unter anderem über Dr. Harald "Harry" Hauer (einst Mannschaftsarzt beim TSV Vestenbergsgreuth, später bei der SpVgg Greuther Fürth) - sagte zu. Aus dem Mannschaftsärzte-Trio Michael Jockheck, Michael Schubert und Bernhard Drummer wurde aber schnell eine Solonummer: "Klaus Augenthaler hatte mich gefragt, ob ich das alleine übernehmen würde", erinnert sich Drummer.

Und so kam es, dass ein Spezialist für minimal-invasive (Knopfloch-) und Viszeral-(Bauch)-Chirurgie Mannschaftsarzt für Profifußballer wurde: "Ich war der einzige Bundesliga-Arzt, der kein Orthopäde oder Unfallchirurg war." Aber das war kein Thema: Drummer lernte schnell die typischen Fußballer-Verletzungen kennen und behandelte sie meist selbst: Kreuzbandriss, Innenbandriss, Mittelgesichtsfraktur, Rippenserienfraktur, alles schon gesehen.


Der Bomber und seine Buben
Drei ereignisreiche Jahre und zwei Trainer (Klaus Augenthaler und Wolfgang Wolf) erlebte Bernhard Drummer beim "Ruhmreichen". In jedem Trainingslager, bei jedem Spiel war Drummer dabei, selbst das Aufwärmen vor der Partie übernahm damals der Mannschaftsarzt. Drummer war beliebt mit seiner geselligen und ehrlichen Art. "Bomber" nannten sie ihn beim Club, den ehemaligen Stürmer mit den dicken Oberschenkeln und strammen Waden.

Wie eng der Kontakt von Mannschaft zu Arzt war, beweist mir der Mann mit den wenigen Haaren mit einer kleinen Episode aus dem Club-Leben: 2003 stand das neue Domizil der Drummers und der Umzug an. "Meine Buben haben mir geholfen." "Welche Buben?", frage ich. "Na die Club-Profis", sagt Drummer grinsend. Im Ernst? Die Profikicker aus der Bundesliga sind tatsächlich in die fränkische Provinz gefahren, um Drummer beim Umzug zu helfen? "No freilich, und dann hat's schö Brotzeit gegeben", sagt Drummer.

Drummer erinnert sich an das Club-Team 2002/03


Der Arbeitsaufwand als Mannschaftsarzt war allerdings enorm und so gab Drummer nach drei Jahren beim Club wieder auf. Doch "der Bernhard" hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Noch heute hält er engen Kontakt zu den Profis von damals, die ihn auch hin und wieder zu Hause besuchen. Als Privatleute - oft auch mit Verwandtschaft - lassen sich ehemalige wie aktive Spieler heute noch bei ihm in Forchheim behandeln.

Dem Fußball ist der Chefarzt natürlich immer noch eng verbunden. Täglich räumt er eine bis eineinhalb Stunden für die Fußballer im Forchheimer Klinikum ein, egal ob Amateur oder Profi. Am Wochenende trifft man Bernhard Drummer, den passionierten Jäger und Wanderer, nach wie vor regelmäßig auf den Sportplätzen in der Region. Vorwiegend bei den Spielen des SV Memmelsdorf. Zum Bayernligisten ist Sohnemann Ferdinand gewechselt - als Stürmer. Natürlich. Wie der Papa.