Reckendorf
Beauty and the Nerd

Bamberger Nerd in Runde zwei ausgeschieden

Gehirnmasse trifft Traummaße: Unter diesem Motto treten Nerds und Schönheiten im Kampf um 100.000 Euro paarweise gegeneinander an. Für Frank Müller aus Reckendorf ist dieser Kampf allerdings verloren. Er und Kimberly sind ausgeschieden.
Das war wohl nix: Frank Müller aus Reckendorf und seine Beauty Kimberly sind bei Beauty & The Nerd in der zweiten Runde ausgeschieden. Foto: ProSieben/Charlie Sperring
Das war wohl nix: Frank Müller aus Reckendorf und seine Beauty Kimberly sind bei Beauty & The Nerd in der zweiten Runde ausgeschieden. Foto: ProSieben/Charlie Sperring
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Frank Müller ist einNerd, wie er im Buche steht. Und zwar im Drehbuch von ProSieben. Er trägt sein Haar lang und strähnig, den Bart ungepflegt, dazu lila Trainingsanzüge. Seinem Steckbrief auf der ProSieben-Homepage ist zu entnehmen, er sei Hydraulik-Spezialist, habe früher Hasen im Verein gezüchtet und war sogar dort Vereinsmeister. Außerdem hatte Frank früher Freunde - und sogar eine Freundin. Als die ihn jedoch betrogen hat, habe sich der heute 25-Jährige vom Rest der Welt abgekapselt - bis heute.

Kimberly dagegen, Franks Partnerin im Kampf um die 100.000 Euro Preisgeld, ist fast zu blond, um wahr zu sein. Ihr Kandidaten-Profilbescheinigt ihr eine "Allergie gegen dunkle Haare" und einen Tick, Bonbons ausschließlich paarweise zu essen. Bleibe ein einzelnes in der Tüte übrig, müsse sie es wegwerfen. In der Sendung zeichnet sich die gelernte Arzthelferin neben ihrer kindlichen Naivität vor allem durch ihre hohe, piepsige Stimme und dermaßen doofe Kommentare aus, dass man fast geneigt ist, an seinem eigenen Verstand zu zweifeln.

Jede Woche müssen jeweils die Beauties und die Nerds in verschiedenen Wettkämpfen gegeneinander antreten. Deren Gewinner und ihre Partner sind sicher eine Runde weiter und können je ein anderes Paar für ein finales Entscheidungsquiz nominieren. Dort bekommen die Beauties und Nerds je zwei Fragen aus dem Lebensbereich der anderen gestellt. Welches Team dann weniger richtige Antworten gibt, muss gehen.

Mit Bikinis in die Buchstabensuppe

Diesmal durften die Mädels ihre (Un-)Kenntnis auf dem Gebiet der deutschen Sprache unter Beweis stellen. Aus einem Planschbecken voller Versalien - fragende Blicke von allen Seiten, Moderator Daniel Boschmann: "Nein, Kamilla, keine Fressalien, das sind Großbuchstaben" - mussten die Beauties Buchstaben herausfischen und daraus Wörter richtig schreiben. Das erste Wort - Beauty - bekamen noch fünf von sieben Mädels hin. Bei "Jalousie" wurde es schon schwieriger. Kimberly warf "SCH" erst nach einem schnellen Blick auf die Tafeln der Konkurrenz wieder zurück ins Becken. Ihre Erklärung: "Ich hab' dieses Wort noch nie gesehen, ich guck' doch keine Wohnkatalogs (sic!) an." Und Grammatiken anscheinend auch nicht. Frank kommentierte Kims Ausscheiden im Buchstabensuppen-Wettstreit nur resigniert mit einem "da ist sie wieder ins typische Fettnäpfchen gefallen."

Der nächste Wettstreit, dem sich die Paare stellen mussten, war eine Stunde Dauer-Umarmen bei schwitzigen 30 Grad (Kimberly: "Zehnfach-Iiiiiih"). Das Sieger-Paar, das am Ende auch noch ohne die Finger aus ihrer Verschränkung zu lösen eine Banane schälen, ein Spiegelei braten und eine Scheibe Toast mit Schokolade bestreichen musste, erhielt einen Joker für das Entscheidungsquiz. Müssen sie in die Endrunde, erfahren die Kandidaten damit vorab die Themengebiete. Die lachenden Sieger waren Geografie-Student Marius und Pia, die von ProSieben als "Starlet" bezeichnet wird.

Beim Wettkampf der Jungs mussten die Nerds ihr Können als Feuerwehrmänner unter Beweis stellen - sofern man da eine Wettfahrt in einem Einkaufswagen mit einem Feuerlöscher als Antrieb als Qualifikation bezeichnen kann. Frank ließ sich dabei allerdings abhängen. Dafür erfuhren die Zuschauer, was die ebenfalls sehr blonde Martina und die Lippenfotos sammelnde Kamilla in einem Feuerlöscher vermuten: Nämlich Mehl oder Zitronenstaub - was auch immer Letzterer sein soll.

Ein neues Ich als Belohnung

Beim letzten Wettkampf der Woche schließlich sollten die Nerds ein möglichst vorteilhaftes Foto ihrer Partnerin machen. Dass die Jungs mit dem professionellen Equipment im Fotostudio (fast) alle völlig überfordert waren, während (fast) alle Mädels bereits Model-Erfahrung hatten, versteht sich von selbst. Dass allerdings letztendlich fast alle Nerds einzelne Körperteile ihrer Models abgeschnitten haben sollten, erschien dann aber doch recht unglaubwürdig. Auf Franks Foto fehlte neben Kimberlys Beinen sogar noch ihr Kopf.

Das beste Bild wurde mit einem kompletten Umstyling des Nerds belohnt. Gewonnen hat Helge, ein Programmierer, der fast nur aus Haaren zu bestehen schien und diese unter den erfahrenen Händen von Modedesigner Thomas Rath (bekannt als Juror bei Germany's next Topmodel) auch gleich haufenweise und teilweise sehr schmerzhaft lassen musste. Heraus kam ein runderneuerter Helge (seine Beauty Siw: "Guckt mal, es hat ein Gesicht!"), der neben dem Ganzkörperfell auch gleich noch seine 70er-Jahre-Klamotten los wurde. Obwohl ihm sein eigener Anblick völlig fremd sein müsste, fühlte sich der 25-Jährige trotzdem sichtlich wohl in seiner Haut. Und zeigte eine erstaunliche Bräune für jemanden, dessen Haut bislang komplett zugewuchert war. Ein Zufall?

Frank und Kim gegen den Joker

Am Ende der Woche stehen die Nominierungen an. Marius und Pia werden ins Entscheidungsquiz gewählt, weil (!) sie ja durch den erkuschelten Joker einen Vorteil haben. Gegen die beiden müssen Frank und Kimberly antreten. Beide gehen von vorn herein nicht gerade optimistisch in diese Entscheidungsrunde, und auch Kevin, ein Informatikkaufmann mit furchtbar schief stehenden Zähnen, der seinen Mitkandidaten erst noch seine Jungfräulichkeit gestanden hat, ist am Boden zerstört. Er hat sich nämlich in Kimberly verliebt und ihr sogar einen Liebesbrief geschrieben. Beim Schreiben half ihm Mathematiker Cedric. Dessen (leider dann doch nicht umgesetzte) Textempfehlung: "Du wirst jeden Tag schöner, du siehst heute schon aus wie nächste Woche."

Es kam, wie es kommen musste: Da Marius und Pia die Themengebiete - Frauenhelden und deutsche Sprache - kannten, waren sie im Vorteil. Was ist der Imperativ? Kim hat keine Ahnung. Pia kennt den Duden als Standardwerk der Rechtschreibung, scheitert aber dann an der Alliteration. Dann soll Kim buchstabieren. Dummerweise schreibt sich Satellit aber nicht mit Doppel-T. Als Frank bei der Frage nach einem Frauenschwarm in der Parfümwerbung (Brad Pitt - das hätte ich auch nicht gewusst) scheitert und Marius weiß, dass David Beckham ein Spice-Girl geheiratet hat, ist die Entscheidung gefallen. Frank und Kim müssen ihre Sachen packen und nach einem tränenreichen Abschied die Villa verlassen.

Gerade weil dieses Format kein einziges Klischee über computerspielende Jungs und hübsche Mädchen auslässt, stellt sich jedoch die Frage, wie viel von dem Gezeigten tatsächlich echt ist. Wenn man ein bisschen im Internet herumsucht, stößt man etwa auf Franks eigene Fan-Facebookseite zur Sendung. Dort erfährt man, dass der gelernte Mechatroniker in Ebern (Kreis Haßberge) zur Schule gegangen ist und heute in Reckendorf (Kreis Bamberg) lebt. Und dass er durchaus Freunde zu haben scheint, mit denen er ausgeht und Spaß hat. Und Kimberlywird sogar bescheinigt, dass sie froh sein soll, sich jetzt nicht mehr so doof stellen zu müssen. Ist also alles nur schöner Schein? Sieht ganz so aus. Wäre aber auch bei all den (Pseudo-)Reality-Formaten nichts neues.