Die IG Metall startete am Dienstag ihre zweite Warnstreikwelle in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Daran beteiligen sich 35 Betriebe. Der Schwerpunkt liegt im Unterfranken mit zwei großen Kundgebungen in Schweinfurt und Aschaffenburg.

In Schweinfurt ziehen bei der größten Aktion die Beschäftigten aus 19 Betrieben in mehreren Demozügen zu einer gemeinsamen Kundgebung. Daran beteiligen sich unter anderen bereits zum zweiten Mal in dieser Tarifauseinandersetzung die Großbetriebe Schaeffler, Bosch Rexroth, ZF, SKF.



Trotz massiver Warnstreiks in den vergangen Tagen bleiben die Fronten im Tarifkonflikt der bayerischen Metall- und Elektroindustrie verhärtet. Die dritte Tarifverhandlung in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie ist am Montag nach mehrstündigen Verhandlungen in Nürnberg ohne Ergebnis vertagt worden. Als nächster Verhandlungstermin ist der 25. Januar angesetzt worden.

Vor allem in der Frage eines sogenannten Entgeltzuschusses für Arbeitnehmer, die etwa zur Pflege von Angehörigen vorübergehend ihre Arbeitszeit verkürzen, zeichnete sich nach Angaben beider Tarifparteien keine Einigung für die 835 000 Mitarbeiter der Branche ab. Die IG Metall kündigte daraufhin für die nächsten Tage eine zweite Warnstreikwelle an.

Die Verhandlungsführerin der Arbeitgeber, Angelique Renkhoff-Mücke, zeigte sich über das nach ihrer Ansicht unnachgiebige Festhalten der Gewerkschaften an ihrem dreiteiligen Forderungspaket enttäuscht. Lediglich in der Frage der Flexibilisierung der Arbeitszeit habe es eine leichte Annäherung gegeben, sagte die Arbeitgebervertreterin nach der Verhandlung. "Wir haben deutlich signalisiert, dass wir bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit bereit sind, Lösungsmodelle zu entwickeln", sagte Renkhoff-Mücke.

Der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler sagte, die Arbeitgeber hätten in der Frage der Arbeitszeitverkürzung einen kleinen Schritt gemacht: "Das reicht aber nicht. Jetzt muss noch ein großer Schritt folgen." Die Arbeitgeber hätten deutlich gemacht, dass sie bereit seien, über eine Verkürzung der Arbeitszeit zu reden, nicht nur über eine Verlängerung. Überhaupt keine Bewegung gebe es dagegen in der Frage des von der IG-Metall geforderten Entgeltzuschuss für Arbeitnehmer, die sich vorübergehend für ein kürzere Wochenarbeitszeit entscheiden.

Die IG Metall fordert für die 835 000 Beschäftigte in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie sechs Prozent mehr Lohn sowie das individuelle Recht, die Wochenarbeitszeit befristet auf 28 Stunden reduzieren zu können. Bestimmte Personengruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Familienangehörige und Eltern junger Kinder sollen einen Teillohnausgleich erhalten. Die Arbeitgeber haben eine Einmalzahlung für drei Monate und danach zwei Prozent mehr Lohn angeboten. Von den 835 000 bayerischen Beschäftigten der Branche arbeitet rund die Hälfte in tarifgebundenen Betrieben.