Washington
Zerstörung

Sturm "Florence" in den USA: 17 Todesopfer und massive Zerstörung durch Fluten

Der Hurrikan ist vorbei, doch die Wassermassen bleiben: Der Südosten der Vereinigten Staaten kämpft nach dem Sturm "Florence" mit enormen Fluten, die noch schlimmer werden sollen. Am Sonntag waren bereits 17 Menschen durch das Unwetter ums Leben gekommen.
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Eine Wohnsiedlung steht unter Waser. Ex-Hurrikan «Florence» hat an der Südostküste der USA für enorme Überschwemmungen und Schäden gesorgt. Foto: Gerald Herbert/AP/dpa
Eine Wohnsiedlung steht unter Waser. Ex-Hurrikan «Florence» hat an der Südostküste der USA für enorme Überschwemmungen und Schäden gesorgt. Foto: Gerald Herbert/AP/dpa

Der Regen ist schlimmer als der Sturm. Langsam zeigt sich, welch unbändige Kraft die Wassermassen entfalten. Während erste Regionen aufatmen, heißt es anderswo: "Das Schlimmste steht uns noch bevor."

Update 17. September, 11:49 Uhr: Sturm "Florence" kostet 17 Menschen das Leben

Der Hurrikan ist vorbei, doch die Wassermassen bleiben: Der Südosten der Vereinigten Staaten kämpft nach dem Sturm "Florence" mit enormen Fluten, die noch schlimmer werden sollen. Nach einer Zählung der "Washington Post" waren am Sonntag bereits 17 Menschen durch Folgen des Unwetters ums Leben gekommen, darunter zwei kleine Kinder. Entwurzelte Bäume waren auf Häuser gestürzt, in denen sie gelebt hatten.

Große Teile der Bundesstaaten North Carolina, South Carolina und inzwischen auch Gebiete im Süden Virginias sind überschwemmt. Sturmfluten im Atlantik haben die Pegel der Flüsse auf Rekordstände gebracht. Ihr Wasser drückt immer weiter ins Inland: Überflutungen wurden am Sonntag selbst aus der Stadt Fayetteville gemeldet, die rund 150 Kilometer landeinwärts liegt.

Der Bürgermeister der Stadt, Mitch Colvin, sagte: "Das Schlimmste steht uns noch bevor." In einigen kleinen Gemeinden herrschte Sorge, dass die Orte ganz ausradiert und nie wieder aufgebaut werden könnten - wie es bereits 2016 nach Hurrikan "Matthew" an einigen Orten geschehen war.

Zahlreiche Straßen waren unpassierbar, Rettungskräfte holten Menschen mit Booten aus ihren überfluteten Häusern. Autofahrer mussten teils Umleitungen von hunderten Kilometern in Kauf nehmen. Die Behörden befürchteten, dass die Wassermassen über die Flüsse bis in die Mittelgebirge gedrückt werden und dort Erdrutsche auslösen könnten. Andernorts gab es aber erste Anzeichen von Entwarnung. Das Nationale Hurrikan Zentrum nahm seine Sturmwarnungen für weite Teile der Küste zurück. Am Flughafen des Urlauberortes Myrtle Beach wurde am Sonntag der Flugbetrieb wieder aufgenommen.

Wassermengen bereiten Probleme

"Florence" war am Freitagmorgen (Ortszeit) als Hurrikan der niedrigsten Kategorie 1 in North Carolina auf Land getroffen. Die Windgeschwindigkeiten schwächten sich dann weiter deutlich ab. Die Tücke an dem Sturm ist allerdings nicht die Windstärke, sondern die große Menge an Wasser, die er an die Küste getragen hat. Ein Problem ist auch, dass der Sturm sehr lange über dem Küstengebiet verweilt. Er bewegte sich am Sonntag nur mit minimalem Tempo von zuletzt acht Kilometern pro Stunde vorwärts, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum mitteilte. Die Region ist dadurch über lange Zeit starkem Regen ausgesetzt.

Nach Behördenangaben sind derzeit fast eine Million Menschen ohne Elektrizität. Der regionale Stromversorger Duke Energy hatte zeitweise mehr als 10.000 Fachkräfte im Einsatz, um die Stromversorgung wieder herzustellen. Die Experten können jedoch an vielen Orten erst aktiv werden, wenn die Fluten zurückgehen.

Die Behörden hatten Hunderttausende Menschen entlang der Südostküste aufgerufen, sich vorsorglich vor dem Wirbelsturm in Sicherheit zu bringen und landeinwärts Schutz zu suchen - bei Freunden, Verwandten, in Hotels oder Notunterkünften. Nicht alle waren dem Aufruf gefolgt. US-Präsident Donald Trump will in der kommenden Woche in das Gebiet an der Südostküste reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Update, 15. September 2018, 06:51 Uhr: Fünf Tote - Land unter im Südosten der USA

Er kam, um zu bleiben: Der Wirbelsturm "Florence" gießt begleitet von heftigem Wind historische Wassermengen über die Bundesstaaten North Carolina und South Carolina. Wegen nachlassender Windgeschwindigkeiten vom Hurrikan zum Tropensturm zurückgestuft, bewegt er sich nach Darstellung des Nationalen Hurrikanzentrums in Miami nur sehr langsam voran und lässt den Küstenabschnitt am Atlantik nicht aus seinem Würgegriff.

"Wir wissen, dass es noch Tage weitergehen wird", sagte der Gouverneur von North Carolina, Roy Cooper. Per Erlass ordnete er an, dass etwa Betroffene leichter als bisher an Übergangswohnungen kommen. "Tatsache ist: Dieser Sturm ist tödlich." Bis zum späten Freitagabend (Ortszeit) starben mindestens fünf Menschen durch "Florence" oder seine Folgen.

Eine Mutter und ihr Kleinkind kamen in der Küstenstadt Wilmington (North Carolina) um, nachdem ein umstürzender Baum auf ihr Haus krachte, wie die Polizei mitteilte. Eine Frau starb an einem Herzinfarkt. Ein Mann erlitt einen Stromschlag, als er mit einem Notstromaggregat hantierte. Ein 77-Jähriger in Kinston wurde vom Sturm schlicht umgeblasen - er starb durch den Sturz.

Das Zentrum des Sturms war am Freitagmorgen (Ortszeit) in Wrightsville Beach in North Carolina auf Land gestoßen. "Florence" brachte schwere Fluten, heftige Böen und extreme Regenfälle. Katastrophenschützer mussten ausrücken, um Menschen aus überfluteten Häusern zu retten. Nach Angaben des Stromversorgers Duke Energy waren Hunderttausende Menschen in North und South Carolina ohne Strom, laut Gouverneur Cooper allein in North Carolina 650 000.

Es liefen bereits viele Notfalleinsätze in der betroffenen Küstenregion, sagte der Chef der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Brock Long. Als eine der ersten Gegenden wurden die Outer Banks getroffen, eine dem Festland vorgelagerte Inselkette in North Carolina. Auch den Ort New Bern an der Küste North Carolinas traf die Sturmflut. Rund 150 Menschen warteten hier zwischenzeitlich darauf, von Rettungskräften aus den Wassermassen gerettet zu werden, wie der National Weather Service auf Twitter meldete.

Die Auswirkungen von "Florence" zeigten sich dennoch an vielen Orten. Die Tücke an "Florence" ist nicht die Windstärke, sondern die große Menge an Niederschlägen. Flüsse traten über die Ufer und erreichten Rekord-Pegelstände. Straßen wurden überspült. Mehr als 1300 Flüge wurde laut CNN an der US-Ostküste gestrichen. In der Nähe von Wilmington in North Carolina - unweit des Ortes, an dem "Florence" auf die Küste traf - hatte der Stromversorger Duke Energy ein Atomkraftwerk vorsichtshalber vom Netz genommen.

Wirbelstürme entwickeln zwar Winde mit enormen Geschwindigkeiten, bewegen sich selbst aber nur gemächlich vorwärts. "Florence" rückte am Freitag besonders langsam voran - zuletzt mit nur etwa sechs Kilometern pro Stunde.

Die Behörden hatten vorsorglich mehr als eine Million Menschen entlang der Küste aufgerufen, sich vor dem Hurrikan in Sicherheit zu bringen und landeinwärts Schutz zu suchen - bei Freunden, Verwandten, in Hotels oder Notunterkünften. Nicht alle folgten aber den Aufrufen. Allein 20 000 fanden Unterschlupf in den 150 Notunterkünften North Carolinas.

Die Behörden rechnen damit, dass insgesamt fünf Millionen Menschen in einem riesigen Einzugsgebiet im Südosten der USA von Überschwemmungen betroffen sein könnten. Sturmfluten, die vom Ozean in die Flüsse und damit ins Hinterland drängen sowie ergiebiger Regen könnten gemeinsam große zerstörerische Kraft entfalten.

Update 14.09.2018, 10:04 Uhr: Hurrikan "Florence" schwächt sich weiter ab

Hurrikan "Florence" hat vor seinem Auftreffen an der US-Ostküste weiter an Windgeschwindigkeit eingebüßt. Das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami meldete in der Nacht zum Freitag Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde. Das entspricht laut Behördendefinition einem Hurrikan der Kategorie eins und damit der niedrigsten Hurrikan-Stufe.

Mit peitschendem Regen und Überschwemmungen wurde die Küstenregion inzwischen bereits von den ersten Vorboten des Hurrikans heimgesucht. Als eine der ersten Gegenden wurde der Nationalpark Outer Banks getroffen, eine dem Festland vorgelagerte Insel im Bundesstaat North Carolina. Auch New Bern wurde von einer Sturmflut getroffen. Erste Flüsse traten über die Ufer, Uferstraßen wurden überspült. In etlichen Haushalten fiel der Strom aus.

Die Situation werde sich in den nächsten Stunden und Tagen drastisch verschlechtern, sagten die Meteorologen voraus. Der Wirbelsturm nähert sich sehr langsam mit nicht einmal zehn Kilometern pro Stunde der Küstenregion.

13.04.2018, 17:34 Uhr: Hurrikan "Florence" trifft bald auf die US-Ostküste: Eine Million Menschen evakuiert

An der Südostküste der USA haben die Menschen am Donnerstag die letzten Vorbereitungen getroffen, um sich für eine möglicherweise tagelang anhaltende Unwetterkatastrophe zu wappnen. Der Hurrikan "Florence" soll nach Angaben der US-Behörden zwischen Freitag- und Samstagmorgen Ortszeit - vermutlich in den Bundesstaaten North Carolina oder South Carolina auf Land treffen. Auch auf den Philippinen droht ein großes Unwetter. Die Bewohner nördlicher Küstengebiete sind aufgerufen, sich vor Taifun "Mangkhut" in Sicherheit zu bringen. "Mangkhut" soll voraussichtlich am Samstag auf Land treffen, wie die philippinische Wetterbehörde mitteilte.

An der US-Südostküste hatten Hunderttausende am Donnerstag ihre Wohnungen verlassen und Unterschlupf bei Freunden, Verwandten, Hotels oder in Notunterkünften gefunden. In der Hauptstadt Washington wurden wichtige politische Entscheidungen im Senat und im Abgeordnetenhaus verschoben.

Hurricane Florence: Extreme Sturmfluten erwartet

"Wir sprechen über ein ausgedehntes Windfeld", sagte der Leiter der US-Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, am Donnerstag. Es werde extreme Sturmfluten geben. "Sturmfluten werden ein großes Problem flussaufwärts sein", beschrieb er. Regenbänder würden tagelang ihre über dem Atlantik aufgesogene Wasserlast über den Küstenabschnitten bis weit ins Landesinnere abladen.

"Der Strom wird weg sein, vielleicht für Tage, vielleicht aber auch für Wochen", sagte Long. Stromversorger haben Hunderte Spezialkräfte in die Region entsandt, um nach Einsturz von Strommasten die Versorgung wiederherzustellen. Der Gouverneur des Bundesstaates North Carolina, Roy Cooper, sprach von "katastrophalen Fluten". Meteorologen erwarten Regenfälle im Volumen von 38 Billionen Litern allein in North Carolina.

USA vor dem Hurricane: Fünf Staaten haben den Notstand ausgerufen

Mit Georgia, South Carolina, North Carolina, Virginia und Maryland haben fünf US-Bundesstaaten sowie der District of Columbia um die Hauptstadt Washington den Notstand ausgerufen. Das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami (Florida) warnte vor lebensgefährlichen Sturmfluten, extremen Regenfällen und massiven Überschwemmungen. Die Flutwellen könnten mehrere Meter hoch ausfallen und sich über die Flüsse weit ins Hinterland ausbreiten.

Seit Tagen wappnen sich die Menschen für die Ankunft des mächtigen Sturms. US-Medien sprachen von deutlich mehr als einer Million Menschen, die die Küstenregion verlassen sollten, und von insgesamt mehreren Millionen Betroffenen.

Tausende, teilweise auch in exponierten Lagen etwa auf vorgelagerten Düneninseln, weigerten sich, den Empfehlungen der Behörden zu folgen. Sie verbarrikadierten sich und wollen mit Notstromaggregaten und Vorratshaltung über die Runden kommen.

Die Behörden und auch Organisationen wie das Rote Kreuz rieten eindringlich von diesem Verhalten ab. Helfer könnten im Notfall nicht zur Stelle sein, weil auch sie sich in Sicherheit bringen müssten. "Spielt keine Spielchen mit ihm. Er ist groß", hatte Präsident Donald Trump in einer Video-Botschaft geraten.

"Florence" hat bereits nachgelassen

Hurrikans werden je nach Windgeschwindigkeit, die sie entwickeln, in fünf Kategorien eingeteilt. "Florence" war in den vergangenen Tagen zunächst zu einem Hurrikan der Stärke 4 angewachsen, der zwischenzeitlich Windgeschwindigkeiten von bis zu 220 Kilometern pro Stunde mit sich brachte. Am Mittwoch hatte er bereits an Stärke nachgelassen und war in die Kategorie 3 gerutscht und danach weiter auf die Stärke 2 - mit Windgeschwindigkeiten von derzeit rund 175 Kilometern pro Stunde. Dies ist aber nur eine Beschreibung der Spitzen und macht keine Aussage über die grundsätzliche Stärke.

"Mangkhut" trifft auf die Philippinen

Taifun "Mangkhut" wirbelte am Donnerstag mit Spitzenwindgeschwindigkeiten von bis zu 255 Kilometer pro Stunde im Pazifik. In Küstengebieten forderten die Behörden etwa 800 000 Menschen auf, ihre Häuser zu verlassen. Notunterkünfte wurden eingerichtet. 4,3 Millionen Menschen leben direkt in jener Schneise, in der der Sturm voraussichtlich über die Philippinen ziehen wird. Etwa zehn Millionen Menschen leben nach Angaben des philippinischen Roten Kreuzes in der Gefahrenzone.

In gefährdeten Gebieten könnte der Sturm Häuser umreißen und Sturzfluten sowie Überschwemmungen durch starke Regenfälle auslösen, sagte der Chef des Katastrophenschutzrates, Ricardo Jalad. Jedes Jahr treffen etwa 20 Wirbelstürme auf den südostasiatischen Inselstaat. "Mangkhut" ist der bislang stärkste in diesem Jahr.



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