Berchtesgaden

Hitlers Hotel "Zum Türken" zum Verkauf: Makler wirbt mit Skandal-Slogan und verheimlicht einiges

Hier fällte Hitler Entscheidungen über Leben und Tod: Das Hotel "Zum Türken" steht zum Verkauf. Bei Sotheby's wird die Immobilie für 3,65 Millionen Euro angeboten - mit einem geschmacklosen Slogan.
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"Zum Türken": Hitlers Hotel steht bei Sotherby's zum Verkauf. Der Makler wirbt mit einer "Zeitreise mit einem unglaublichen Ausblick". Foto: Peter Kneffel/dpa
"Zum Türken": Hitlers Hotel steht bei Sotherby's zum Verkauf. Der Makler wirbt mit einer "Zeitreise mit einem unglaublichen Ausblick". Foto: Peter Kneffel/dpa

Am Obersalzberg in Berchtesgaden, wo Adolf Hitler ehemals seinen Feriensitz hatte, steht eine spektakuläre Immobilie zum Verkauf: Sotheby's als Makler für Spitzenimmobilien bietet für 3,65 Millionen Euro das Hotel "Zum Türken" an. Es liegt neben dem Berghof, Hitlers Alpendomizil. Mit Blick auf Alpengipfel hatte Hitler dort nicht nur Gäste empfangen, sondern an seinem zweiten Regierungssitz neben Berlin auch Entscheidungen über Leben und Tod getroffen.

Hitlers Hotel zum Verkauf: "Besondere Faszination"

Damals waren im Hotel "Zum Türken" unter anderem der für Hitlers Personenschutz zuständige Reichssicherheitsdienst untergebracht, zeitweise auch Angehörige von SS und der Gestapo. Die "Passauer Neue Presse" berichtete zuerst über das Verkaufsangebot.

Der fachliche Leiter des benachbarten NS-Dokumentationszentrums am Institut für Zeitgeschichte, Sven Keller, sieht allein durch den Ort eine "gewisse historische Belastung". "Was für uns wichtig ist: Dass es sich nicht zu einem Anziehungspunkt für Ewiggestrige entwickelt." Dies würde der Arbeit des Dokumentationszentrums entgegenlaufen. Dort informieren sich jährlich bis zu 170 000 Besucher über die NS-Gewaltherrschaft und ihre Folgen. "Wir haben die Hoffnung, dass das Gebäude in verantwortungsvolle Hände kommt", sagt Keller. "Wenn die öffentliche Hand es erwerben könnte, würden wir das begrüßen."

Bloß kein Ort für Wallfahrten

Ähnlich äußerte sich in der "PNP" der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller. "Ich sehe das Risiko, dass es in falsche Hände gerät. Deshalb halte ich es für geboten, dass der Freistaat sich das Anwesen sichert", sagt Freller. "Es darf keine Wallfahrtsstätte auf dem Obersalzberg entstehen."

Der Freistaat befinde sich in der Angelegenheit in intensivem Kontakt mit der Gemeinde und dem Landkreis, teilte das hierfür zuständige Finanzministerium am Donnerstag mit. "Ein Verkauf der historisch belasteten Liegenschaft sollte nur an verantwortliche Hände erfolgen", heißt es auch hier. Das weitere Vorgehen werde zwischen den betroffenen öffentlichen Stellen geprüft. "Überlegungen für einen Ankauf durch Gemeinde oder Freistaat wurden schon nach dem Bekanntwerden erster Verkaufsabsichten 2013 angestellt. Die Eigentümerin war und ist bislang aber nicht bereit, an die öffentliche Hand zu veräußern."

"Faible für Exotisches"

Der Besitzer hatte das Hotel zwangsweise an die Nazis abgeben müssen. Nach dem Krieg bekam die Familie es zurück. Es ist eines von wenigen Häusern am Obersalzberg in Privatbesitz. Den Namen "Zum Türken" trug es dem Vernehmen nach von Anfang an - seinerzeit hatte man ein Faible für Exotisches.

Anziehung für Interessenten rechter Gesinnung könnte nicht nur die Lage neben Hitlers Berghof ausüben. Vom Hotel aus gibt es zudem einen Zugang zu Bunkeranlagen und Haftzellen, zuletzt konnten Besucher dort hinabsteigen. "Dadurch bekommt das Gebäude eine besondere Faszination", sagte Keller. Der Bunker durchzieht den Obersalzberg und ist auch vom Dokuzentrum aus zugänglich - dort allerdings kommentiert mit den geschichtlichen Hintergründen.

Auktionshaus schweigt zu NS-Vergangenheit

Bei Sotheby's ist über die NS-Historie und den Bunker nichts zu lesen. Das denkmalgeschützte, 1911 erbaute Gebäude auf 6728 Quadratmetern Grund befinde sich auf einem "außergewöhnlich schönen Grundstück in traumhafter und ruhiger Lage am Obersalzberg". Es biete einen einzigartigen Blick auf eine atemberaubende alpine Landschaft und sei ein magischer Ort für Naturliebhaber.

Mit Blick auf die Vergangenheit dieser Immobilie und den vermutlich "vernichtenden" Entscheidungen, die dort getroffen wurden, gleicht diese Beschreibung einem Skandal. Das Auktionshaus verweist auf "eigene Recherchen der Interessenten." Ein bisschen Fingerspitzengefühl bei diesem Thema wäre trotzdem wünschenswert gewesen.

Bayerische Könige hätten in der Gegend ihre Sommerferien verbracht, später Gelehrte, Wissenschaftler, Industrielle und Künstler, wirbt Sotheby's und verspricht eine "Zeitreise mit traumhafter Landschaft". Direkten Bezug zur Nazizeit, die den Obersalzberg am nachhaltigsten prägte, nimmt das Angebot nicht. "Die Kunden, die interessiert sind und recherchieren, wissen um die Lage des Objekts", sagte der Geschäftsführer für Sotheby's in Bayern, Michael Reiss, auf Anfrage. Sotheby's sei mit der Vermarktung national und international beauftragt. Ob es schon Interessenten gibt, blieb offen - man gebe keine Auskunft zu laufenden Aufträgen.