Hamburg
Fasching 2019

Kita verbietet Indianer-Kostüme an Fasching: Federschmuck und Gesichtsbemalung "respektlos"

Ob Fasching oder Karneval - in Deutschland wird derzeit gefeiert, was das Zeug hält. Auch in Kitas und Kindergärten finden Feiern statt. In einer Kindertagesstätte in Hamburg hat sich die Leitung mit einem Brief an die Eltern gewendet. Im Fokus: Die Verkleidungen der Kinder.
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Eine Hamburger Kita hat sich im Vorfeld des diesjährigen Faschings an die Eltern der Kinder gewendet. Symbolbild:  Rolf Vennebrand/dpa
Eine Hamburger Kita hat sich im Vorfeld des diesjährigen Faschings an die Eltern der Kinder gewendet. Symbolbild: Rolf Vennebrand/dpa

Kita möchte keine Indianer-Verkleidungen zu Fasching:

Eine Hamburger Kita hat sich im Vorfeld der hausinternen Faschingsfeier mit einem Schreiben an die Eltern gewendet und darin dazu aufgefordert, auf bestimmte Kostüme zu verzichten. Die Hamburger Morgenpost machte den Fall öffentlich. Im Schreiben der Kita heißt es beispielsweise:

"Ich möchte Sie bitten, gemeinsam mit Ihren Kindern bei der Auswahl des Kostüms darauf zu achten, dass durch selbiges keine Stereotype bedient werden."

Konkret meint die Kita damit Kostüme, deren Grundlage Vorurteile darstellen. Insbesondere Merkmale wie Geschlecht, Kultur und Hautfarbe sind damit gemeint: "Wir achten im Kitaalltag sehr auf eine kultursensible, diskriminierungsfreie und vorurteilsbewusste Erziehung", heißt es im Brief weiter. Deshalb bat sie um Verkleidungen, die keine Stereotype wie Geschlecht, Hautfarbe und Kultur bedienen. Neben den moralischen Grundsätzen der Kindertagesstätte begründet die Einrichtung ihre Maßnahme mit einem Fachartikel, der vom Bundesfamilienministerium veröffentlicht wurde.

Kita gegen Vorurteile? Einrichtung ist gegen Indianer-Kostüme

Dem Artikel nach, sei es falsch sich als Indianer zu verkleiden, da es "Indianer" nie gegeben habe: "Der Begriff wurde im Zuge der Kolonialisierung Nord- und Südamerikas, der damaligen Bevölkerung aufgezwungen und steht somit in Zusammenhang mit der brutalen Vernichtung großer Teile dieser Personengruppe", so ein Auszug des Artikels.

Verschiedene Gruppen mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Bräuchen, Sprachen und vielem mehr, mit einem Überbegriff zu kennzeichnen, mache so viel Sinn, wie sich als "Europäer" zu verkleiden. Federschmuck sowie Bemalung im Gesicht seien schlichtweg "respektlos". Nicht nur Indianer-Kostüme sind demnach diskriminierend, sondern auch Piraten-Kostüme für Jungs und Prinzessinen-Kostüme für Mädchen - Piratinnen beziehungsweise Mehrjungmänner seien hingegen akzeptabel, weil sie nicht dem "Geschlechtsstereotyp" entsprechend seien.

Deshalb ist die Empfehlung der Autoren: Fabelwesen oder Tiere als Verkleidung.

Beschwerden über den Wunsch der Kita-Leitung, Fasching ohne Indianer und Scheichs feiern zu wollen, habe es übrigens nicht gegeben, sagte Larrá. Im Gegenteil: "Es haben sich bei der Leitung nur Eltern gemeldet, die das total gut fanden. Die haben sich gefreut, dass dafür eine Sensibilität geschaffen wurde." Ob am Ende doch Scheichs oder Indianer auf der Faschingsfeier in Ottensen waren, konnte die pädagogische Geschäftsführerin Franziska Larrá nicht sagen: "Wenn ein Indianer gekommen ist, ist er sicherlich willkommen gewesen."

Auch unser Autor findet: Deshalb gehen manche Verkleidungen an Fasching gar nicht - "Kulturen sind kein Kostüm" - ein Kommentar.

tu/mit dpa