Zwei Jahre nach dem Germanwings-Absturz will der Vater des Copiloten am Freitag um 10.30 Uhr erläutern, warum er nicht an eine Selbsttötung seines Sohnes als Absturzursache glaubt. Genau am Jahrestag tritt Günter Lubitz in Berlin vor die Presse.

Am 24. März 2015 saß sein Sohn Andreas Lubitz allein im Cockpit einer Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings, die an einem Berg in den südfranzösischen Alpen zerschellte. Alle 150 Menschen an Bord des Airbus starben. Die Ermittler gehen von einer absichtlichen Tat und einem Alleinverschulden des 27-Jährigen aus.



Gleichzeitiger Gottesdienst

Die Pressekonferenz beginnt um 10.30 Uhr. Währenddessen wollen Angehörige in einem Gottesdienst in Südfrankreich zur Absturzzeit um 10.41 Uhr der Opfer in einer Schweigeminute gedenken. Die Lufthansa hat wie im Vorjahr ein Treffen von Angehörigen in der Nähe der Absturzstelle organisiert. Auch die Enthüllung einer Gedenkskulptur ist geplant. Sie soll im Sommer an der eigentlichen Absturzstelle aufgestellt werden. Rund 500 Angehörige nehmen an dem Treffen teil.
Auch im westfälischen Haltern wird am Freitag der Opfer gedacht. Unter den Toten waren 16 Schüler und zwei Lehrerinnen eines dortigen Gymnasiums. Zur Absturzzeit sind fünf Schweigeminuten geplant. Zugleich sollen die Trauerglocken aller Kirchen in Haltern läuten.


Vater bezweifelt Suizid

Bereits in der Einladung zu der Veranstaltung hatte Lubitz' Vater die "Annahme des dauerdepressiven Copiloten, der vorsätzlich und geplant in suizidaler Absicht das Flugzeug in den Berg gesteuert haben soll", bezweifelt. In einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte er: "Unser Sohn war ein sehr verantwortungsvoller Mensch. Er hatte keinen Anlass, einen Selbstmord zu planen und umzusetzen, und erst recht nicht, dabei noch 149 andere unschuldige Menschen mitzunehmen."

Es seien viele Fragen unbeantwortet geblieben, heißt es. Auch seien bei der Aufklärung der Ursachen Aspekte vernachlässigt worden. Die Familie hat nach eigenen Angaben den Luftverkehrs-Journalisten Tim van Beveren mit einem Gutachten beauftragt, das am zweiten Jahrestag des Absturzes in Berlin vorgestellt und erläutert werden soll. Neben van Beveren will sich auch Günter Lubitz den Fragen der Journalisten stellen.



Chronologie: Was nach dem Absturz geschah

Am 24. März 2015 zerschellte ein Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen. Was danach geschah:

Im Jahr 2015:

26. März: Die Auswertung des Stimmenrekorders nährt den Verdacht, dass der Copilot Andreas Lubitz den Airbus mit Absicht in die Katastrophe steuerte.

30. März: Es wird offiziell mitgeteilt, dass der Copilot vor Jahren als suizidgefährdet eingestuft wurde und sich in Psychotherapie befand.

17. April: Bei einer Trauerfeier mit rund 1400 Gästen im Kölner Dom gedenken Angehörige und Staatsspitze der Opfer.

6. Mai: Laut Zwischenbericht der französischen Flugsicherheitsbehörde hatte der Copilot ein erkennbares Ziel: "das Flugzeug auf den Boden stürzen zu lassen".

11. Juni: Der Copilot war nach Angaben der französischen Staatsanwaltschaft fluguntauglich. Zu diesem Urteil seien mehrere Ärzte gekommen.

18. Juni: Die Staatsanwaltschaft in Marseille leitet ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ein. Es soll auch eine mögliche Verantwortung von Germanwings und der Konzernmutter Lufthansa geklärt werden

24. Juli: Hunderte Hinterbliebene der Katastrophe trauern im Bergdorf Le Vernet nahe der Absturzstelle.

Im Jahr 2016:


17. Februar: Nach eigenen Angaben haben Lufthansa und Germanwings bisher 11,2 Millionen Euro an Vorschusszahlungen und Schmerzensgeld an die Angehörigen der Absturzopfer gezahlt.

13. März:
Als Konsequenz aus der Katastrophe fordert die französische Untersuchungsbehörde BEA in ihrem Abschlussbericht routinemäßige Überprüfungen bei Ausfällen von Piloten. Außerdem verlangt die Behörde klare internationale Regeln zur Schweigepflicht von Ärzten.

13. April: Hinterbliebene reichen in den USA Klage gegen eine Flugschule ein, an der der Copilot ausgebildet wurde.

14. April: Der Bundestag beschließt strengere Kontrollen. Airlines sollen künftig untersuchen, ob ein Pilot bei Dienstantritt unter dem Einfluss von Alkohol oder Medikamenten steht.

Im Jahr 2017:


9. Januar:
Laut Staatsanwaltschaft wurden die Ermittlungen deutscher Behörden eingestellt. Der Copilot trägt demnach die Alleinschuld.