Ein bewaffneter 24 Jahre alter Mann hat im Ingolstädter Rathaus drei Menschen als Geiseln genommen. Bei dem Täter soll es sich um einen Stalker handeln. Er habe einer Mitarbeiterin des Rathauses nachgestellt und Hausverbot in der Stadtverwaltung, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag vor Ort. In den vergangenen Wochen sei der Konflikt eskaliert. Unter den Geiseln ist auch Ingolstadts Dritter Bürgermeister Sepp Mißlbeck (Freie Wähler) und vermutlich auch die von dem Mann verfolgte Frau. Fünf Stunden nach Beginn der Geiselnahme im Rathaus von Ingolstadt wurde allerdings der dritter Bürgermeister Sepp Mißlbeck (Freie Wähler) frei gelassen. Dies bestätigte jetzt die Polizei.

Der Täter hat nach Polizeiinformationen eine Faustfeuerwaffe. Ob die Waffe scharf oder nur eine Schreckschusspistole ist, sei bisher unklar, erklärte ein Sprecher. Der Geiselnehmer hatte zunächst keine Forderungen gestellt. Es gebe regelmäßigen Kontakt des Krisenstabes zu dem Mann.

Ein Wahlkampfauftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) direkt vor dem Rathaus wurde wegen der Geiselnahme abgesagt. Die CDU-Chefin sollte um 17 Uhr zusammen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) direkt auf dem seit dem Morgen weiträumig abgesperrten Rathausplatz auftreten. Einen Zusammenhang zwischen dem geplanten Merkel-Besuch und der Geiselnahme sieht die Polizei nicht. "Ich denke, dass das nicht das Motiv sein dürfte", sagte ein Sprecher.

Der 24-Jährige war am Montagvormittag kurz vor 9 Uhr in das Alte Rathaus der oberbayerischen Stadt gegangen und hatte die Geiseln genommen. Auch Stunden nach Beginn des Einsatz fuhren am Rathausplatz immer mehr Mannschaftswagen der Polizei vor. Ein Spezialeinsatzkommando bereitete sich vor Ort auf einen möglichen Einsatz vor.

Unterdessen versammelten sich auch Schaulustige rund um den abgesperrten Rathausplatz. "Die stehen da und warten, dass was passiert", sagte eine Verkäuferin, die in der Nähe des Platzes arbeitet. Ein Café direkt am Rathausplatz war zunächst ist noch geöffnet. "Wir verköstigen jetzt die Einsatzkräfte", sagte ein Mitarbeiter. Andere Geschäfte im Bereich des Einsatzortes mussten schließen. dpa