Der MDR Thüringen lüftete nun in einer einstündigen Fernseh-Dokumentation das Geheimnis, über das die Einwohner der Gegend und Historiker seit mehr als 150 Jahren gerätselt hatten. Ein interdisziplinäres Wissenschaftlerteam hatte seit der Graböffnung umfangreiche Untersuchungen der sterblichen Überreste und vergleichende DNA-Analysen vorgenommen.

Um die geheimnisvolle Frau, die auf dem Schulersberg begraben liegt, ranken sich mehrere Theorien. Um nicht erkannt zu werden, soll sie stets verschleiert gewesen sein. Ihr Beschützer schirmte sie all die Jahre vor der Dorfbevölkerung ab. Die Menschen um Hildburghausen nannten sie deshalb "Dunkelgräfin". Nicht einmal einen Arzt oder Pfarrer zog der "Dunkelgraf" vor ihrem Tod 1837 hinzu.

Zahlreiche Legenden

Offiziell wurde der Name der Unbekannten als "Sofia Botta" angegeben - doch das glaubte in der Gegend niemand.
Einen Tag vor seinem Tod verbrannte der Mann damals alle Dokumente.

Hartnäckig hielt sich das Gerücht, dass die Tochter von Marie Antoinette und Ludwig XVI. von 1807 an im Schloss Eishausen Zuflucht gesucht hatte. Marie Thérèse war die einzige Überlebende der während der französischen Revolution umgebrachten Königsfamilie.

Eine andere Legende besagt, dass eine Halbschwester den Platz der wahren Marie Thérèse eingenommen habe, da diese nach der jahrelangen Gefangenschaft und dem Tod der Eltern und des jüngeren Bruders, des Thronfolgers, psychisch angeschlagen war. Nachdem der Stadtrat zugestimmt hatte, verglichen die Wissenschaftler die DNA-Proben der weiblichen Toten aus Hildburghausen mit denen der weiblichen Linie Maria Theresias, der Mutter von Marie Antoinette. Sie ergaben keine Übereinstimmung. Ebenfalls keinen Treffer landeten die Wissenschaftler bei der Analyse von Proben aus dem Herzen von Ludwig XVII., dem Bruder von Marie Thérèse, das in einer Basilika in Paris aufbewahrt wird.

Im Jahr 2000 hatten Wissenschaftler bereits dessen DNA analysiert und mit lebenden Nachfahren verglichen. Der MDR ließ zudem eine Speichelprobe von Alexander Prinz von Sachsen untersuchen. Sie stimmte mit dem DNA-Ergebnis des Kronprinzen überein, aber nicht mit der DNA aus dem Grab der "Dunkelgräfin".

Es bleibt spannend

"Damit können wir eindeutig sagen: Die Dunkelgräfin kann nicht die Prinzessin sein", sagte Walter Parson, Molekularbiologe am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck. Ein Vergleich des Totenschädels der Dunkelgräfin mit Kinderbildern führte zu keinem eindeutigen Ergebnis.

"Es bleibt aber sehr spannend, wer die Dunkelgräfin wirklich war, denn wir haben eine nicht alltägliche DNA-Sequenz", ergänzte Sabine Lutz-Bonengel vom Institut für Gerichtsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. Damit bestehe die Chance, die mütterliche Linie der "Dunkelgräfin" durch weitere Forschungen doch noch zu finden.