Bamberg
Telefonaktion

Frauenthemen Hormone und Inkontinenz: Zwei Ärzte beantworteten die Fragen unserer Leserinnen

An unserem Expertentelefon standen Mediziner Rede und Antwort zu weiblichen Tabuthemen. Leser Sie hier die wichtigsten Aspekte.
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Das kennen viele Frauen: Kaum auf der Toilette gewesen, "muss" sie schon wieder. Falsche Scham hilft da nicht weiter.  Foto: Franziska Gabbert/dpa
Das kennen viele Frauen: Kaum auf der Toilette gewesen, "muss" sie schon wieder. Falsche Scham hilft da nicht weiter. Foto: Franziska Gabbert/dpa
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Insgeheim beschäftigen diese Themen viele Frauen: Hormone und Beckenbodenschwäche. Viele Leserinnen nutzten am Dienstag die Telefonaktion dieser Zeitung, um all ihre Fragen in einer geschützten Atmosphäre stellen zu können. Zwei Mediziner standen Rede und Antwort: Stefan Weingärtler und Christian Vulpescu.

Weingärtler leitet die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Forchheim. Er ist zertifizierter Beckenbodenchirurg und hat sich an seiner Klinik eine beckenbodenorientierte Geburtshilfe zur Aufgabe gestellt. "Unter Berücksichtigung bestimmter Faktoren vor, während und nach der Geburt lassen sich spätere Probleme mit Senkung und Inkontinenz positiv beeinflussen, ohne gleich einen Kaiserschnitt durchzuführen", sagt der Chefarzt.

Christian Vulpescu ist Gynäkologe und hat eine Praxis in Ebermannstadt (Landkreis Forchheim). Er hat sich auf die Behandlung von hormonellen Themen aller Altersgruppen spezialisiert. "Bei jüngeren Frauen könnten Hormonpräparate zusätzlich zur Verhütung bei bestimmten Störungen wie unreine Haut, dünne Haare oder Regelschmerzen Abhilfe schaffen", erklärt Vulpescu. Bei Frauen in den Wechseljahren lindere regelmäßige körperliche Aktivität die typischen Symptome wie Hitzewallungen. Sind Leistungsfähigkeit und Lebensqualität deutlich beeinträchtigt, könnte man über eine Hormonersatztherapie nachdenken.

Aufgrund der großen Resonanz kamen einige Anruferinnen leider nicht mehr bei den Experten durch. Wir bitten dafür um Verständnis. Die wichtigsten Fragen und Antworten werden aber hier noch einmal zusammengefasst. Ich bin 52 Jahre alt und bereits in den Wechseljahren. Da darf ich ja die Pille wegen der steigenden Thrombosegefahr nicht mehr nehmen. Was kann ich jetzt gegen mein dünnes Haar tun? Gibt es andere Hormonpräparate? Wenn Sie in diesem Alter zu Haarausfall und Akne neigen, sollten Sie ein Gelbkörperhormonpräparat mit testosteronsenkender Wirkung nehmen. Das erhöht, im Gegensatz zu einer Kombinationspille, nicht das Thromboserisiko. Es heißt, dass Gelbkörperhormone das Thromboserisiko erhöhen. Stimmt das?Die Pille besteht aus künstlichem Östrogen und künstlichem Gelbkörperhormon. Das Thromboserisiko steigt signifikant durch das künstliche Östrogen. Das viel gescholtene Gelbkörperhormon hat einen prozentual wesentlich kleineren Anteil. Das Thromboserisiko einer Pille sinkt mit der Menge des enthaltenen künstlichen Östrogens viel stärker als durch die Wahl des Gelbkörperhormons darin. Ich bin 45 Jahre alt und habe immer wieder Blutungsstörungen. Woher kann das kommen und was kann ich dagegen tun?Grund dafür sind oftmals nicht gesprungene Eisprünge. Zur Therapie gibt es zwei große Bereiche. Einmal durch einen operativen Eingriff: die Verödung der Gebärmutterschleimhaut. Zum anderen kann man Gelbkörperhormone einnehmen oder die Hormonspirale einsetzen lassen. Wenn Letztere therapeutisch begründet ist und nicht zur Verhütung eingesetzt wird, übernehmen manche Kassen die Kosten. Seit ich im Klimakterium bin habe ich immer wieder Harnwegsinfektionen. Da muss es doch eine Behandlung geben?In vielen Fällen kann es helfen, dauerhaft und lokal eine Östrogensalbe anzuwenden. Das verhindert in sehr vielen Fällen die chronischen Harnwegsinfekte. Sie werden seltener. Die Salben kann man gut zur Prophylaxe verwenden. Ich bin 55 Jahre alt und mitten in den Wechseljahren. Ich leide stark unter Hitzewallungen. Mein Arzt hat mir eine Hormonersatztherapie empfohlen. Was sagen Sie dazu?Hier gibt es nicht mehr die beiden Lager der Befürworter und Gegner. Inzwischen ist gesichert, unter anderem durch eine Studie der Women Health Initiative (WHI), dass weniger Frauen an den Folgen der Wechseljahren sterben, wenn sie Hormone nehmen. Die Gesamtsterblichkeit im Bereich zwischen 55 und 60 Jahren nimmt ab. Bei 60 Jahren ist laut Leitlinien aber Schluss mit der Hormonersatztherapie. Wenn man ein Gelbkörperhormon ohne künstliches Östrogen gibt, wird bei 99 Prozent aller künstlichen Gelbkörperhormone das Thromboserisiko nicht gesteigert, wenn man es alleine gibt. Wenn ich den Beipackzettel des Hormonersatzmedikaments lese, möchte ich es aber lieber nicht nehmen. Dazu muss man wissen, dass Beipackzettel juristisch korrekt sein müssen. Die Hersteller können sonst verklagt werden. Aber zwischenzeitlich liegen oft neue Studien für die Nebenwirkungen vor, was aber nicht im Beipackzettel aufgenommen wird. Aus rechtlichen Gründen bleiben dann die schlechteren Ergebnisse auf dem Zettel. Ich bin mit meinem fünften Kind schwanger. Ich hatte schon nach der letzten Geburt deutliche Beschwerden im Beckenboden und fürchte, dass es nach der nächsten Entbindung noch einmal schlimmer wird. Was kann ich tun?Die Organe im kleinen Becken, Blase, Gebärmutter und Darm, werden durch den Beckenboden in ihrer Position gehalten. Als Folge von Schwangerschaften und Geburten, aber auch durch Übergewicht und schweres Heben verursacht, kann es zu einer Senkung der Scheide und damit verbunden zu einer Senkung der Organe im kleinen Becken kommen. Mit Beckenbodengymnastik schon während der Schwangerschaft können Sie Beckenbodenprobleme positiv beeinflussen. Auch durch eine Damm-Massage lassen sich Verletzungen bei der Geburt vermindern. Manche Hebammen und Kliniken bieten dafür schon Kurse an. Außerdem sind spezielle Gebärpositionen positiv. Nach der Geburt sollten Sie Rückbildungsgymnastik machen. Bei Zeichen einer Senkung oder Inkontinenz können Pessare und eine lokale Östrogenisierung angewandt werden. Ich habe eine Senkung mit Fremdkörpergefühl. Meine Frauenärztin hat gesagt, dass die Gebärmutter entfernt werden muss. Gibt es auch Alternativen?Bei Senkungsoperationen ist eine Entfernung der Gebärmutter nicht zwingend notwendig. In bestimmten Situationen kann es jedoch durchaus Sinn machen. Man muss genau differenzieren, ob sich Darm, Blase oder Scheide senken und kann dieses unter Erhalt der Gebärmutter operieren. Als Alternativen zur Operation gibt es verschiedenste Formen von Pessaren. Als gut geeignet haben sich Würfel-Pessare erwiesen. Die Patientin kann diese selbst und wie einen Tampon ein- und ausführen. Ich bin erst 40 Jahre alt und leide schon an Inkontinenz. Was empfehlen Sie mir?Die Erstmaßnahmen bei einer Inkontinenz sind Beckenbodengymnastik und lokale Östrogenisierung. Es kann schon ab dem 40. Lebensjahr ein natürlicher Hormonmangel im Genitalbereich vorherrschen. Dagegen können lokal angewendete Östrogensalben helfen. Bei zunehmenden Beschwerden können bei Dranginkontinenz Medikamente hinzugezogen werden. Bei einer Belastungsinkontinenz helfen Pessare oder letztendlich eine Operation. Ich muss ständig zur Toilette, weil ich ein permanentes Dranggefühl habe. Haben Sie einen Tipp für mich?Bei leichten Drangproblemen können Sie zum Beispiel ein Blasentraining durchführen. Der Harndrang ist ähnlich wie eine Wehe. Wenn man versucht, beim stärksten Dranggefühl sich erst einmal hinzusetzen und kurz zu warten, passiert es seltener, dass auf dem Weg zur Toilette Urin abgeht. Es ist übrigens keine Lösung, weniger zu trinken, um den Toilettengang zu vermeiden. Bei stärkeren Beschwerden könnte eine medikamentöse Therapie erfolgen. Gibt es Medikamente gegen den Harndrang?Es gibt Medikamente gegen den Harndrang, die in Form von Tabletten oder als Pflaster angeboten werden. Leider helfen diese Medikamente nicht bei allen Patienten. In diesen Fällen gäbe es noch die Möglichkeit einer Botox-Injektion in die Blase oder die Implantation eines Blasen-Schrittmachers. Wenn der Harndrang durch eine Senkung bedingt ist kann auch eine Operation helfen. Welche Operationen gibt es gegen den ständigen Harndrang? In vielen Fällen kann der ständige Harndrang durch eine Senkung hervorgerufen werden. In diesen Fällen gibt es eine neuere OP-Methode, die sowohl die Senkung als auch das Dranggefühl beheben kann.