Frankfurt am Main
Tötungsdelikt

Frankfurt: Junge (8) vor ICE gestoßen - Familie nimmt Abschied bei Trauerfeier - Videoauswertung läuft

Großalarm am Frankfurter Hauptbahnhof: Ein Kind wurde von einem Zug überrollt und starb, ein Mann hatte es in voller Absicht auf die Gleise gestoßen. Der Verdächtiger wurde festgenommen, gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Hier finden Sie neueste Entwicklungen zum Fall.
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Im Frankfurter Hauptbahnhof hat ein Mann einen achtjährigen Jungen und seine Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen: Am Montagvormittag, 29. Juli 2019, fand im Hauptbahnhof Frankfurt/Main ein Großeinsatz statt. Wie die Polizei Frankfurt wenig später auf Twitter mitteilte, ist das Kind kurz nach der schrecklichen Tat verstorben. inFranken.de hält sie mit einem News-Ticker zum Fall auf dem Laufenden.

Update vom Sonntag, 25. August 2019, 06.00 Uhr: Videoauswertung der Polizei läuft

Knapp vier Wochen nach dem Verbrechen am Frankfurter Hauptbahnhof, bei dem ein Junge vor einen einfahrenden ICE gestoßen und getötet worden war, dauern die Ermittlungen an. "Es werden noch immer Videos ausgewertet und Zeugen vernommen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Am morgigen Montag (26. August 2019) vor vier Wochen hatte ein Mann einen Achtjährigen und dessen Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Der Junge starb im Gleisbett, seine Mutter konnte sich in letzter Sekunde retten. Der Tatverdächtige, ein Eritreer, der seit 2006 in der Schweiz lebte, musste wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

Frankfurt: Familie nimmt Abschied von Achtjährigem

Derzeit ist ein Sachverständiger beauftragt, die psychische Verfassung des Mannes zu überprüfen. Wann das Gutachten vorliege, sei noch unklar, sagte der Sprecher. Der Mann schweigt bislang zu den  Vorwürfen. Der Fall hatte bundesweit für großes Aufsehen gesorgt.

Am vergangenen Wochenende hatten Angehörige, Freunde und Nachbarn bei einem ökumenischen Gottesdienst Abschied von dem achtjährigen Jungen genommen. Das Ereignis bleibe "für immer schrecklich und unfassbar", hieß es bei der Trauerfeier.

 

 

Update vom Mittwoch, 31. Juli 2019, 17.15 Uhr: Diese Strafe droht dem mutmaßlichen Täter

Die Tat von Frankfurt schockiert und macht fassungslos. Tatverdächtig ist ein 40-jähriger Eritreer, der seit Jahren in der Schweiz lebte - und sich dort kaum etwas zuschulden kommen ließ.

Vieles spricht dafür, dass das Leben des Mannes vor einigen Monaten eine folgenreiche Wendung erfahren haben muss. Nach Angaben der Schweizer Polizei war der Eritreer dieses Jahr in psychiatrischer Behandlung, seit Januar wegen psychischer Probleme auch krankgeschrieben. Hinweise auf eine Radikalisierung oder ideologische Motive des Täters fanden die Ermittler nicht.

Welches Motiv auch immer ihn genau angetrieben hat: In Deutschland droht eine lebenslange Haftstrafe - die psychischen Probleme werden die Frage aufwerfen, ob er zur Tatzeit schuldfähig war. Auch seiner Familie stehen schwere Tage und Monate bevor. Dabei hatte der Eritreer vor zwei Jahren im einem Interview der für das Schweizer Arbeiterhilfswerk noch von einer schönen Zukunft geträumt: "Privat wünsche ich mir, dass meine drei Kinder ein besseres und leichteres Leben haben als ich."

Im Jahresbericht von 2017 wurde der Geflüchtete als positives Beispiel für die Arbeit des Hilfswerks präsentiert. "Er hat mir von Anfang an einen sehr guten Eindruck gemacht", wird dort sein Chef bei den Verkehrsbetrieben Zürich zitiert. "Er ist wirklich engagiert und zuverlässig. Seine Freude war groß, als wir ihm eine Festanstellung angeboten haben." Der mutmaßliche Täter von Frankfurt, dem nun Mord und zweifacher Mordversuch vorgeworfen werden, galt als zuverlässig und fleißig. "Er zeichnete sich durch einen starken Durchhaltewillen und eine super Arbeitsmoral aus", sagte Laetitia Hardegger vom Schweizer Arbeiterhilfswerks dem "Tages-Anzeiger".

Der 40-Jährige selbst machte in dieser Broschüre deutlich, dass er gern in der Schweiz lebt. "Mir gefällt, dass hier jeder Hilfe bekommt, egal ob er arm oder reich ist. Und jeder kann essen, und die Existenz ist gesichert. Und die Schulbildung finde ich auch sehr gut. Hier ist die erste Welt."

Was wir über den Täter wissen: Die Fakten in der Zusammenfassung

 

  • Tatverdächtig ist ein 40-jähriger Mann aus Eritrea, der selbst Vater von drei Kindern ist.
  • In die Schweiz kam er als junger Mann im Jahr 2006.
  • Im Jahr 2008 wurde sein Asylantrag bewilligt, 2011 erhielt er eine sogenannte Niederlassungsbewilligung.
  • Zuletzt lebte er mit seiner Ehefrau und den drei gemeinsamen Kindern im Alter von ein, drei und vier Jahren in Wädenswil am Zürichsee – bis zum vergangenen Donnerstag ohne besondere Auffälligkeiten.
  • Am Donnerstag, 25. Juli 2019, schließt der 40-Jährige seine Ehefrau und die drei Kinder in der Wohnung ein, die Nachbarin bedroht er mit einem Messer, dann macht er sich davon.
  • Diesen Gewaltausbruch bezeichneten seine Frau und auch die Nachbarin als überraschend. „Sie sagten übereinstimmend aus, dass sie ihn noch nie so erlebt hätten“, sagte ein Polizeisprecher.

 

Update vom Mittwoch, 31. Juli 2019, 11.59 Uhr: Täter postete am Tag vor der Tat ein Bild seines Kindes - Polizei mit Großaufgebot bei Trauerfeier

Der Verdächtige hat am Tag vor der Tat von Frankfurt ein Bild seines eigenen Sohnes auf Facebook gepostet. Dies berichtet das Nachrichtenportal t-online.de. Demnach habe der 40-Jährige aus Eritrea am Sonntagnachmittag, 28. Juli 2019, ein Foto eines kleinen Jungen geteilt, das er vor eineinhalb Jahren bereits schon einmal gepostet hatte. Ein Mann mit afrikanischen Wurzeln habe den Post daraufhin mit der Feststellung kommentiert, dass der Junge groß geworden sei.

Seitdem der dreifache Vater am Montag am Frankfurter Hauptbahnhof zum mutmaßlichen Mörder wurde, ist unter dem Post eine Debatte über den Fall entbrannt: Mit "Mörder!" oder "Ich schmeiße dein Kind auch vor den Zug", hätten Nutzer laut t-online.de auf das Foto reagiert. Andere Nutzer weisen darauf hin, dass das Kind auf dem Foto nichts mit dem Vorfall in Frankfurt zu tun hat.

Am Dienstagabend hatte am Frankfurter Bahnhofsvorplatz eine von Kirchen organisierte Trauerfeier für den getöteten Achtjährigen stattgefunden. Neben dem improvisierten Altar mit einem Blumenstrauß und einer Kerze lag ein Kondolenzbuch aus. Viele Besucher schrieben dort ihre Gedanken nieder. Gegen Ende der Andacht beteten alle Besucher gemeinsam das Vaterunser und fassten sich an den Händen. Den ganzen Abend lang legten Bahnreisende weiterhin Blumen und Kuscheltiere für den toten Jungen am Gleis sieben nieder.

Vor dem offiziellen Beginn der Andacht war die Stimmung auf dem Bahnhofsvorplatz aufgeheizt. Bündnisse wie "Aufstehen gegen Rassismus" waren mit Transparenten und Fahnen zum Bahnhof gekommen. Darauf stand unter anderem "Flüchtlinge willkommen". Einige Passanten lieferten sich mit ihnen lautstarke Diskussionen über Zuwanderung. Die Polizei war mit einem Großaufgebot angerückt. Während der Andacht waren im Hintergrund immer wieder Sirenen zu hören.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte am Mittwochmorgen auf Facebook, er nehme innerlich Anteil an dem öffentlichen Gebet am Frankfurter Hauptbahnhof. "Wie kann ein Mensch so etwas tun?", fragte der bayerische Landesbischof. Der mutmaßliche Täter habe offensichtlich psychische Probleme gehabt. "Aber die Tat bleibt unfassbar." Laut Bedford-Strohm gibt es Berichte, wonach der Verdächtige Mitglied einer christlich-orthodoxen Glaubensgemeinschaft gewesen ist. "Umso rätselhafter ist die Tat."

Carsten Baumann, Leiter der ökumenisch geführten Frankfurter Bahnhofsmission, kritisierte, die Tat werde von einigen Menschen nun in den sozialen Medien genutzt, um die Spaltung der Gesellschaft weiter voranzutreiben. Der Junge sei tot. Ob der Täter Zuwanderer sei oder nicht, spiele keine Rolle, betonte Baumann. Es bleibe eine "sinnlose Katastrophe".

 

 

Update vom Dienstag, 31. Juli 2019: Haftbefehl - Mord und versuchter Mord in zwei Fällen

Gegen den mutmaßlichen Täter vom Frankfurter Hauptbahnhof ist Haftbefehl erlassen worden. Der 40-jährige Eritreer wurde am Dienstagnachmittag, 30. Juli 2019, dem Haftrichter vorgeführt und muss nun in Untersuchungshaft, wie die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ihm wird Mord und versuchter Mord in zwei Fällen vorgeworfen.

Update vom Dienstag, 30. Juli 2019: Täter war in psychologischer Behandlung

Der mutmaßliche Täter von Frankfurt war in diesem Jahr in psychiatrischer Behandlung. Das teilte die Kantonspolizei Zürich am Dienstag mit. Bei einer Hausdurchsuchung seien Dokumente gefunden worden, die auf eine psychische Erkrankung und eine entsprechende Behandlung deuten würden. Hinweise auf eine Radikalisierung oder ideologische Motive des Täters seien bei den Ermittlungen und der Hausdurchsuchung nicht gefunden worden.

Der Tatverdächtige hatte demnach am vergangenen Donnerstag seine Ehefrau und die drei gemeinsamen Kleinkinder im Alter von ein, drei und vier Jahren sowie eine Nachbarin in ihren Wohnungen in Wädenswil eingesperrt. Zuvor hatte er demnach die Nachbarin tätlich angegriffen und sie verbal sowie mit einem Messer bedroht.

Laut Polizei gaben sowohl die Nachbarin als auch seine Ehefrau an, dass dieser Gewaltausbruch des Mannes für sie überraschend gewesen sei. "Sie sagten übereinstimmend aus, dass sie ihn noch nie so erlebt hätten", sagte ein Polizeisprecher. Der 40-Jährige arbeitete den Angaben zufolge seit Januar 2019 nicht mehr. Er war wegen psychischer Probleme krankgeschrieben.

Die Hausdurchsuchung fand erst nach der Attacke in Frankfurt statt. Vor dem Vorfall vom 25. Juli war der Tatverdächtige der Polizei nur wegen einem geringfügigem Verkehrsdelikt bekannt geworden.

Update vom Dienstag, 30. Juli 2019: Kind vor Zug gestoßen: Erste Erkenntnisse zum Täter

Nach der tödlichen Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof haben die Ermittler nach eigenen Angaben noch keine Erkenntnisse zu den Tatmotiven. Der festgenommene 40 Jahre alte Verdächtige habe bislang keine Einlassungen gemacht, sagte eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft am Dienstag. Er soll im Laufe des Tages dem Haftrichter vorgeführt werden.

Der mutmaßliche Täter vom Frankfurter Hauptbahnhof hat bis zuletzt im Kanton Zürich in der Schweiz gelebt. Wie die Schweizer Polizei am Dienstag via Twitter mitteilte, war der Mann mit eritreischer Staatsbürgerschaft im Besitz einer sogenannten Niederlassungsbewilligung. Diese wird Ausländern in der Schweiz nach einem Aufenthalt von fünf oder zehn Jahren im Land ausgestellt. Niedergelassene haben damit laut dem Staatssekretariat für Migration ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht.

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen verheirateten Familienvater. "Er soll seit 2006 in der Schweiz leben, er soll verheiratet sein und Vater von drei Kindern sein", sagte die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen, am Dienstag. "Er hat angegeben, er sei vor wenigen Tage von Basel mit dem Zug nach Frankfurt gefahren." In Deutschland sei er bislang nicht polizeibekannt.

Die ersten Meldungen vom Montag:Seehofer unterbricht Urlaub für Sicherheitskonferenz

Die abstoßende Tat sorgte bundesweit für große Empörung. Bundesinnenminister Horst Seehofer, der aufgrund des Vorfalls extra seinen Urlaub pausierte, warnt vor vorschnellen Bewertungen. "Ich nehme zur Kenntnis, dass in Teilen der Öffentlichkeit bereits jetzt eine Bewertung des Sachverhalts vorgenommen wird", erklärte Seehofer am Montag, 29. Juli 2019. Das sei seriös aber erst möglich, wenn die Hintergründe aufgeklärt sind, betonte der Minister. Das meldet die Deutsche Presse-Agentur am Tag des Vorfalls.

Sohn und Mutter landen im Gleisbett

Mittlerweile teilte die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mit, dass der achtjährige Junge zusammen mit seiner Mutter (40) auf ins Gleisbett gestoßen wurde. Die 40-Jährige, so schreibt es die dpa, konnte sich aber retten.

Der Tatverdächtige flüchtete zunächst, wurde später außerhalb des Bahnhofs mithilfe von Passanten festgenommen. Am Hauptbahnhof sei es zu einem "massiven Polizeieinsatz" gekommen, sagte eine Polizeisprecherin gegenüber der dpa.

Täter wollte weitere Person stürzen

Die Polizei ermittelt aktuell gegen einen 40-Jährigen wegen eines vollendeten Tötungsdelikts sowie zweier versuchter Tötungsdelikte. Wie die Polizei berichtet, habe der Mann Zeugenaussagen zufolge versucht, eine weitere Person vor den ICE zustoßen. Diese konnte sich aber in Sicherheit bringen. Der mutmaßliche Täter, der aus Eritrea stammen soll, und seine Opfer kannten sich ersten Ermittlungen zufolge nicht, wie eine Polizeisprecherin sagte.

Die Feuerwehr Frankfurt twitterte um kurz vor halb 10.30 Uhr, dass am Hauptbahnhof Frankfurt eine Rettungsaktion läuft. Sie sei mit einem Großaufgebot an Einsatzfahrzeugen vor Ort.

 

 

Auf hessenschau.de-Nachfrage sagte ein Polizeisprecher zunächst, der genaue Gesundheitszustand des Kindes sei unklar. Das Kind wurde offenbar von dem ICE, der auf Gleis sieben des Bahnhofes eingefahren war, überrollt. Wenig später verstarb es an seinen schweren Verletzungen.

Zeugen hätten berichtet, dass ein Mann das Kind gestoßen haben soll. Der Mann, der dunkle Kleidung getragen haben soll, wurde laut hessenschau.de kurz darauf festgenommen.

In Nürnberg sind vor wenigen Monaten zwei Jugendliche bei einem Streit am S-Bahn-Halt "Frankenstadion" ums Leben gekommen.