Genf
Fettleibigkeit

Weniger Werbung: Junk-Food, Süßkram und Co. sind ein fettes Problem - vor allem für Kinder

Immer mehr Erwachsene, aber vor allem auch Kinder, sind viel zu dick. Laut WHO muss die Werbung für Junk-Food, Süßwaren und Co. massiv eingeschränkt werden.
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Immer mehr Erwachsene, aber vor allem auch Kinder, sind viel zu dick. Laut WHO muss die Werbung für Junk-Food, Süßwaren und Co. massiv eingeschränkt werden. Symbolfoto: pixabay.com/Joenomias
Immer mehr Erwachsene, aber vor allem auch Kinder, sind viel zu dick. Laut WHO muss die Werbung für Junk-Food, Süßwaren und Co. massiv eingeschränkt werden. Symbolfoto: pixabay.com/Joenomias

In Deutschland hat die Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen alarmierende Ausmaße angenommen. Das Problem muss nach Auffassung einer Expertin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rigoroser bekämpft werden.


Vor allem die Werbung für Süßwaren, Junk-Food oder Bier müsse stärker eingeschränkt werden. "Es reicht nicht, bei Werbung auf eine freiwillige Selbstkontrolle durch die Hersteller von Junk Food zu setzen", sagt Ernährungswissenschaftlerin Juana Willumsen, WHO-Expertin für Fettleibigkeit bei Kindern, der Deutschen Presse-Agentur. "Die Werbung muss klar reguliert sein, die Einhaltung muss überwacht werden und es muss Strafen bei Verstößen geben."

Bier mache besonders dick und Werbung dafür sei in Deutschland nicht verboten, so Willumsen. Das trage womöglich zum steigenden Gewicht vieler Erwachsener, aber auch vieler Jugendlicher bei. Die WHO empfiehlt mehr Schulsport sowie eine Stadt- und Transportplanung, die Laufen, Fahrradfahren und sportliche Freizeitbeschäftigung fördert. Schulkinder hätten laut Statistik in Deutschland 2014 weniger Obst- und Gemüse gegessen als 2002. Der Softdrink-Konsum sei zwischen 2002 und 2006 gesunken, steige aber wieder.

 


Lebensmittelindustrie trägt Mitschuld

Auch nach Ansicht der Verbraucherorganisation Foodwatch trägt die Lebensmittelindustrie eine Mitverantwortung für Übergewicht und Fehlernährung bei Kindern, da sie fast ausschließlich unausgewogene Produkte für Kinder vermarkte, etwa Süßigkeiten oder salzig-fettige Snacks.

"Damit muss Schluss sein", sagte Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler. "Es geht nicht darum, Süßigkeiten zu verbieten, sondern darum, Kinder vor den Übergriffen der Industrie zu schützen." Die Politik müsse endlich handeln.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie sowie der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde waren am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

 

 


Erschreckende Statistik

Nach der von der WHO genutzten Statistik des Wissenschaftler-Netzwerks NCD-RisC waren 2016 in Deutschland 6,9 Prozent der Mädchen und 11,2 Prozent der Jungen zwischen 5 und 19 Jahren fettleibig. 1980 waren es bei den Jungen nur vier Prozent, im Jahr 2000 waren es 8,1 Prozent. Ab welchem Gewicht ein Kind als fettleibig gilt, wird weltweit einheitlich berechnet. Dabei werden Alter und Größe berücksichtigt. 2016 fielen in Österreich 11,3 Prozent der Jungen in die Kategorie, in der Schweiz sieben Prozent.

Mehr fettleibige Jungen als in Deutschland gibt es unter anderem in Spanien (12,9 Prozent), Italien (14,5 Prozent), China (15,4 Prozent) und den USA (23,3 Prozent). Weniger sind es dagegen in Großbritannien mit 10,9 Prozent oder in Frankreich mit 8,9 Prozent. In Indien lag der Anteil erst bei 2,4 Prozent.

Zur Effizienz freiwilliger Selbstkontrollen legten vorläufige Ergebnisse zahlreicher Studien vor allem eines nahe, so Willumsen: "Es funktioniert nicht." Hersteller von Süßwaren und -getränken und anderem Junk Food verpflichteten sich oft nur zu sehr begrenzten Einschränkungen. Dann werde etwa auf Werbung in Zeichentricksendungen oder Programmen nur für unter Fünfjährige verzichtet. "Junge Leute sind aber bis 16 sehr anfällig für Werbung, und die sehen auch andere Programme", meinte Willumsen.