Am Eingang des Flensburger Bahnhofs türmen sich mehrere große Haufen aus Kleidungsstücken, Wasserflaschen und Essensspenden. Dahinter liegt dicht gedrängt Flüchtling an Flüchtling. Knapp 100 Menschen verteilen sich am frühen Donnerstagmorgen auf den Fluren, einige von ihnen schlafen fest.

Mogfaba ist dagegen schon früh wach. Der Afghane will weiter nach Finnland. "Dort habe ich Familie", sagt der 16-Jährige. Bereits am Abend hofft er in Kopenhagen zu sein. Dort sei bereits ein Freund angekommen. Mit seinem Smartphone ist Mogfaba in regem Austausch mit Freunden, zeigt ihnen ihm Video-Chat die volle Bahnhofshalle.

Die meisten der Flüchtlinge sind bereits am Mittwoch aus Hamburg gekommen. Sie wollen weiter nach Schweden, Finnland oder Norwegen. Doch weil die dänische Bahn den Zugverkehr mit Deutschland wegen des Flüchtlingsandrangs zeitweilig einstellte, war für die Menschen im hohen Norden der Republik vorläufig Endstation.
In Flensburg löst das große Hilfsbereitschaft aus: Menschen bringen Wasser, Decken, Windeln, Kekse und zahlreiche weitere Lebensmittel. Auf einem Tisch stapeln sich Pizzaschachteln. "Die Leute meinen das alle zu gut", sagt eine Polizistin am Morgen mit Blick auf die großen Mengen.
"Es ist traurig, dass in Europa so etwas passieren kann. Wie weit muss man kommen, das man aus dem eigenen Land flieht", fragt sich der Flensburger Michael Nissen. Die Pendlerin Anne Wiegboldt ist positiv überrascht von den vielen Spenden: "Man sieht ja an dem Berg, dass alle helfen wollen." Gleichwohl gibt sie umgehend zu bedenken: "Es sind ja nicht alle mittellos, die kommen." Die Flüchtlinge, die auf dem Bahnhof campieren, haben ihre wenigen Habseligkeiten gleich neben ihrer Decke oder dem Schlafsack liegen.

Bereits am Mittwochabend brachte die Polizei etwa 100 Menschen nach Boostedt in eine der Erstaufnahmeeinrichtungen Schleswig-Holsteins. "Dieses Angebot gilt auch für diejenigen, die noch in Flensburg sind", sagt Polizeisprecher Jürgen Börner. Die Flüchtlinge werden aber auch nicht an einer Weiterreise nach Dänemark gehindert. Am Bahnhof herrscht am Donnerstagmorgen nur wenig Polizeipräsenz. 

Dann kommt Bewegung in die Sache. Um kurz vor 7.00 Uhr rollt ein erster Zug mit Ziel Kolding in Dänemark an den Bahnsteig. Etwa 50 Flüchtlinge steigen ein. Wer einen gültigen Fahrausweis hat, darf mit. Dazu gehört auch Abdullah aus Somalia. "Ich will nach Schweden", erzählt der 19-Jährige. Dort lebe seine Mutter. Wie lange er schon unterwegs ist? "Vielleicht zwei Monate", sagt er, die Hände in den Taschen seiner Wildlederjacke. Es ist frisch auf dem Bahnsteig.

Mit einigen Minuten Verspätung fährt der Zug dann schließlich los. Dänemark lässt den Zug die Grenze passieren. An der ersten Station in Padborg kontrollieren Dutzende Beamte die Flüchtlinge, befragen sie nach ihren Reisezielen. Anschließend geht es weiter in Richtung Kopenhagen. Viele andere Flüchtlinge warten derweil noch am Flensburger Bahnhof auf ihre Weiterreise.