Erlangen
Oberbürgermeister

Florian Janik: Erst 34 und schon Chef von 2300 Mitarbeitern

Seit 1.Mai lenkt Florian Janik als neuer Oberbürgermeister die Geschicke der fränkischen Großstadt Erlangen. Seine Ziele: Neue Strukturen für die Verwaltung und eine Stadt-Umland-Bahn.
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Florian Janik (rechts) begrüßt den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann auf "seiner" Bergkirchweih. Foto: Barbara Herbst
Florian Janik (rechts) begrüßt den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann auf "seiner" Bergkirchweih. Foto: Barbara Herbst
Auch das ist für Florian Janik neu: Ein Termin nach dem anderen steht an. Der junge Oberbürgermeister der 100 000-Einwohnerstadt Erlangen muss Präsenz zeigen. Gestern hieß das: um 11 Uhr Frühschoppen mit Journalisten aus der Region auf der Bergkirchweih in Dinkel's Frankendorf. Trotz früh erreichter 30 Grad im Schatten kommt eine erkleckliche Schar zusammen. Janik begrüßt die meisten Medienvertreter artig mit Handschlag. Ein an sich angenehmer Termin für den Kommunalpolitiker, der den Kontakt zu den Meinungs-Machern in der Region braucht. Sollte man meinen. Aber was heißt schon "angenehmer Termin"? Die Redakteure sind neugierig auf den Neuen, stellen Fragen, führen Interviews. Janik spielt mit, schnappt sich in Anwesenheit seiner beiden Vorgänger Balleis und Hahlweg ein Weißbier und stellt sich den Fragen. Die letzten vier Wochen hätten sein Leben schon grundlegend verändert, bekennt er.

Der junge Familienvater bezeichnet das, was sich beim täglichen Gerangel um die Einsatzzeiten für Kinder und Familie abspielt, als positiven Dauerkonflikt. Nicht unbedingt gewollt, aber vorhersehbar. Schließlich hätte auch seine Frau vor der Wahl gewusst, worauf man sich als Oberbürgermeister einlassen muss. Janiks Rezept nach vier Wochen Einsatzzeit als OB: Einmal in der Woche um 18 Uhr daheim sein. Und: Früh etwas später ins Rathaus fahren, um die Kinder noch in die Kita bringen zu können. Die Frau arbeitet als Lehrerin, kann nicht immer selbst fahren.

Janik erweckt den Eindruck, als habe er das im Griff. Hat er ja vielleicht auch, wenn er anmerkt, eine funktionierende Verwaltung müsse es verkraften können, dass der Chef einmal kurz den OB-Sessel räumt, um im Notfall sein erkranktes Kind abzuholen. Janik lacht, nimmt einen Schluck aus dem Weißbierglas. Er wirkt zufrieden mit der Situation, so wie sie ist. Und erzählt, dass er mit dem Jobwechsel natürlich gewachsene Strukturen übernehmen musste. Die und deren Abläufe lernt er derzeit noch kennen.

Erste Personalentscheidungen gibt es allerdings schon. Der langjährige Leiter der Pressestelle muss das Feld für einen Neuen räumen. Und politische Ziele? Janik will die Stadt-Umland-Bahn, eine Sanierung des Kulturzentrums Frankenhof und der Bäder der Stadt. Und sich selbst und die eigene Arbeit immer wieder kritisch hinterfragen. Auch im Hinblick auf das Anzapfen bei der Bergkirchweih. Heuer verzichtete er adrenalingetrieben auf Begrüßungsworte, zapfte wortlos einfach das erste Faß an. Insider sagen, einen solchen Ausrutscher darf er sich nur einmal leisten.

Info zu Florian Janik

Der am 6.März 1980 in Erlangen geborene Florian Janik besuchte das Ohm-Gymnasium seiner Heimatstadt und machte hier 1999 sein Abitur. Von Oktober 2000 bis August 2005 absolvierte er ein Studium der Sozialwissenschaften der Universität Erlangen-Nürnberg. Im Februar 2010 erfolgte die Promotion. Von Oktober 2005 bis April 2014 war Janik wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. Seit 1. Mai 2914 ist Janik Oberbürgermeister der Stadt Erlangen.

1998 trat Janik in die SPD ein. Mit 23 Jahren wurde er als Juso-Vorsitzender 2002 in den Stadtrat gewählt. Im Jahr 2008 übernahm er den Fraktionsvorsitz seiner Partei. Janik ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von zwei und vier Jahren.