Lichtenberg
Justiz

Fall Peggy: Ulvi-Unterstützer verklagen Gutachter

Wegen Mordes wurde Ulvi K. 2004 erst verurteilt, 2014 wieder freigesprochen. Seine Unterstützer fordern 350 000 Euro Schadensersatz - und den Rücktritt von Innenminister Herrmann.
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David-Wolfgang Ebener, dpa
David-Wolfgang Ebener, dpa
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Der auch nach fast 18 Jahren nicht aufgeklärte Tod der neunjährigen Peggy aus Lichtenberg (Landkreis Hof) ist um eine weitere Facette reicher. Am Freitag gab der Lichtenberger Unterstützerverein auf einer Pressekonferenz bekannt, den Gutachter Hans-Ludwig Kröber auf Schadensersatz in Höhe von 350 000 Euro zu verklagen. Ob das Landgericht Berlin die von der Anwältin Hanna Henning aufgesetzte Klage zulässt, ist noch offen.

Laut Klageschrift trug das Gutachten Kröbers "ausschlaggebend" dazu bei, dass Ulvi K. 2004 vom Landgericht wegen Mordes an Peggy verurteilt worden ist. In seinem Gutachten hatte Kröber das Mordgeständnis des geistig Behinderten als glaubwürdig eingestuft. "Die Ermittler haben Ulvi ihre eigene Version von der Tat aufgeschwatzt", glaubt dagegen Dirk Lauer. Der ehemalige Polizist aus dem pfälzischen Rüsselsheim dient dem Unterstützerkreis als Pressesprecher. Lauer engagiert sich in eigenen Worten überall dort, wo er einen Justizskandal wittere: "Und der Fall Peggy stinkt zum Himmel."

Neu ist die Kritik an Kröbers Gutachten nicht. Bereits das Landgericht Bayreuth hatte es in Zweifel gezogen. Nicht zuletzt diese Zweifel bewogen das Gericht 2014, im Wiederaufnahmeverfahren den Schuldspruch gegen Ulvi K. aufzuheben.

"Vertuschte Hintergründe"

Heute lebt Ulvi K. als freier Mann in einer Einrichtung für Behinderte. Der Unterstützerverein und sein Pressesprecher Lauer könnten die Angelegenheit damit auf sich beruhen lassen. Das wollen sie aber nicht: "Vor allem wegen Kröber ist Ulvi K. bis heute stigmatisiert", sagte Lauer.

Neben Lauer und Henning saßen auf dem Lichtenberger Podium am Freitag auch Gudrun Rödel und Norbert Rank vom Unterstützerverein. Ihm gehören etwa 15 Lichtenberger an, die noch nie an die Schuld Ulvi K.s geglaubt haben.

Nach Ansicht des Vereins missbrauchten Ermittler und Justiz Ulvi K. als "perfekten Sündenbock" in einem ungeheuerlichen Kriminalfall. "Um die wahren Hintergründe zu vertuschen", sagte Lauer. Der ehemalige Polizist hat seine eigenen Theorien, warum Peggy sterben musste. Beweisen kann er sie nicht. Norbert Rank brachte am Freitag das familiäre Umfeld Peggys mit dem Tod der Neunjährigen in Verbindung. Er halte einen Auftragsmord für zumindest nicht ausgeschlossen.

Den Behörden hält der Unterstützerverein vor, nicht in alle Richtungen zu ermitteln. In einem Schreiben an Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) fordern die Lichtenberger deshalb die Entlassung des Bayreuther Oberstaatsanwalts Herbert Potzel und den Rücktritt des bayerischen Innenministers Herrmann (CSU).

Einen Zusammenhang zwischen der Schadensersatzklage und den jüngsten Entwicklungen im Mordfall verneint Lauer. Im September 2018 hatte der 41-jährige Manuel S. aus dem Landkreis Wunsiedel eingeräumt, Peggys Leiche von einem Dritten übernommen und in einem Wald vergraben zu haben. Inzwischen hat S. sein Geständnis allerdings widerrufen.

Wem Manuel S. die Leiche abgenommen haben will, behalten die Ermittler bislang für sich. Allerdings schließen es auch Mitglieder des Unterstützervereins nicht aus, dass er Ulvi K. belastet haben könnte. Beide Männer kannten sich. Dass sie befreundet waren, bestritt Rank am Freitag aber ausdrücklich.

Anders als von den Ermittlern behauptet, sei Peggy am 7. Mai 2001 nicht zwischen 13 und 15 Uhr verschwunden. Mehrere Lichtenberger hätten das Mädchen noch gegen 19 Uhr gesehen. Für die Abendstunden jenen Tages aber habe Ulvi K. ein Alibi.