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Köln
Alkoholsucht

Ex-Fußballprofi Borowka: Wenn der Vollrausch alltäglich wird - verharmlosen wir den Alkohol?

Mindestens 74.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an den Folgen des Alkoholmissbrauchs. Die ständige Konfrontation in der Werbung oder im Supermarkt sei ein großes Problem, sagt Ex-Fußballprofi und Alkoholiker Borowka. Muss uns der Staat besser vor Alkohol schützen?
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Sollten wir alle deutlich weniger trinken? Sollte uns der Staat besser vor Alkohol schützen? Oder gehört der Genuss einfach zu unserer Gesellschaft? Jedes Jahr sterben in Deutschland mindestens 74.000 Menschen an den Folgen des Alkoholmissbrauchs. "Verharmlosen wir den Alkohol?", fragte Sandra Maischberger ihre Gäste in ihrer Talkshow am Mittwochabend. Die haben alle extreme Geschichten zu erzählen.


Eine Badewanne pro Jahr

Rund 95 Prozent der Deutschen trinken Alkohol. Im Schnitt jeder eine gut gefüllte Badewanne von alkoholischen Getränken pro Jahr. Eine neue Studie veröffentlichte kürzlich neue Erkenntnisse darüber, wie viel Alkohol man überhaupt trinken kann: Bereits mehr als fünf Gläser Wein oder acht kleine Bier pro Woche seien zu viel. Jeder Schluck mehr verkürze die Lebenserwartung.

"Alkohol ist so gefährlich, weil man glaubt, er wäre nicht gefährlich", sagt der Mediziner und Alkoholforscher in der Maischberger Talkshow. "Die ständige Verfügbarkeit von Alkohol ist ein Problem." Auch geringe Mengen Alkohol könnten bereits Darm- und Brustkrebs auslösen, erklärt der Direktor des Alkoholforschungszentrums der Universität Heidelberg.


Tägliche eine Kiste Bier, eine Flasche Wodka und eine Flasche Whisky

Der ehemalige Abwehrspieler von Werder Bremen, Uli Borowka, kritisiert in der Talkshow den gedankenlosen Umgang mit Alkohol im Alltag und die alltägliche Konfrontation damit - in der Werbung, direkt neben der Supermarktkasse bei der Schokolade, versteckt in Lebensmitteln. Er war selber 16 Jahre lang alkoholkrank, erzählt der 55-Jährige: "Ich muss Obacht geben, mein Leben lang". Zu der Zeit, als er mit Werder Bremen Deutscher Meister wurde, trank er jeden Tag eine Kiste Bier, eine Flasche Wodka und eine Flasche Whisky. Von seinem Trainer, Otto Rehagel, wurde er gedeckt. Wenn Borowka einen Filmriss hatte, stand in der Zeitung: Borowka fehlt wegen Magen-Darm-Grippe.


Borowka macht Politik verantwortlich

"Politiker reden immer viel über die Gefahren der Sucht. Aber am Ende greifen sie nicht durch", macht der Ex-Fußballprofi die Politik dafür verantwortlich, dass nicht mehr gegen die Alkoholindustrie vorgegangen wird. "Wer Leistung bringt, der kann sich in unserer Gesellschaft viel rausnehmen, auch einmal am Tag besoffen vom Stuhl fallen."


Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen fordert nun von der Politik: Deutlich höhere Preise für Alkohol, eine geringere Verfügbarkeit und keine Werbung mehr. Andere EU-Länder würden durch solche Maßnahmen bereits stärker gegen den Alkoholkonsum vorgehen.