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Ex-Agentin will Twitter kaufen und Trumps Account verbieten

Der Plan klingt gut: Eine ehemalige CIA-Agentin will Geld sammeln, davon Twitter kaufen und Donald Trump mundtot machen.
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Die Agentin hat ein ungewöhnliches Crowdfunding gestartet. Mit einer Milliarde Dollar (849 Millionen Euro) will sie sich in den Kurznachrichtendienst Twitter einkaufen. Ihr Ziel: Als Großaktionärin den US-Präsidenten Trump auf Twitter sperren. Foto: Jonathan Short/AP/dpa
Die Agentin hat ein ungewöhnliches Crowdfunding gestartet. Mit einer Milliarde Dollar (849 Millionen Euro) will sie sich in den Kurznachrichtendienst Twitter einkaufen. Ihr Ziel: Als Großaktionärin den US-Präsidenten Trump auf Twitter sperren. Foto: Jonathan Short/AP/dpa
Valerie Plame ist es gewohnt, weite Wege zu gehen. Die frühere CIA-Agentin kämpft seit 14 Jahren gegen die größte politische Machtzentrale der Welt - das Weiße Haus. Jetzt will sie den Kurznachrichtendienst Twitter unterwandern - und so dem US-Präsidenten Donald Trump sein Sprachrohr aus der Hand schlagen. Eine Milliarde Dollar sollen nach ihrem Willen über eine weltweit angelegte Spendenaktion zusammenkommen. Mit dem Geld möchte die 54-jährige Ex-Spionin einen Mehrheitsanteil an dem wirtschaftlich vor sich hin krebsenden Dienst erwerben. Um dann Trumps Konten sperren zu lassen - schließlich werbe der US-Präsident dort öffentlich für einen Atomkrieg mit Nordkorea.


Spendenaufruf gegen Trump

"Trump hat eine Menge furchtbarer Dinge getan auf Twitter", heißt es in dem Spendenaufruf. "Die Androhung eines Nuklearkriegs mit Nordkorea hebt es aber auf ein gefährliches Niveau." Weil Twitter seine eigenen Regeln gegen Trump nicht durchsetze, will die Ex-Agentin das nun in die Hand nehmen - und Trump seine wichtigste Social-Media-Waffe nehmen. Mehr als 36.000 Tweets hat der Präsidenten allein auf einem seiner Accounts abgesetzt, über 36 Millionen und damit mehr als jeder zehnte Twitternutzer weltweit folgen ihm. Hätte Plames Kampagne Erfolg, würde Twitter nicht nur einen neuen Großaktionär gewinnen, sondern auch einen seiner Superstars im täglichen Nachrichtenfluss verlieren.

Valerie Plame ist für das Weiße Haus seit mehr als zehn Jahren ein rotes Tuch. Ihr Ehemann Joseph Wilson, ein früherer Karrierediplomat mit großer Irak- und Afrika-Erfahrung, hatte auf einer CIA-Mission herausgefunden, dass der Irak nicht - wie unter anderem von europäischen Geheimdiensten in die Welt gesetzt - uranhaltiges Pulver, sogenannte Yellowcakes, in Niger kaufen wollte. Damit war ein Teil der Rechtfertigung für den Krieg von Präsident George W. Bush im Irak dahin. Das Weiße Haus, angeblich unter Anleitung des damaligen Vizepräsidenten Dick Cheney, enttarnte daraufhin Wilsons in heikler Geheimmission tätige Ehefrau - Innendienst war angesagt für Agentin Valerie Plame.

Sie verließ die CIA und begann einen juristischen Kleinkrieg gegen das Weiße Haus - er hielt weit über die Amtszeit Bushs hinaus an und beschäftigte noch zahlreiche Juristen in der Administration Barack Obamas. Die Verurteilung von Cheneys Stabschef Lewis Libby war Plames größter juristischer Erfolg, auch wenn die Haftstrafe später zur Bewährung ausgesetzt wurde und offiziell nichts mit der Enttarnung an sich zu tun hatte. Plames Fall wurde 2010 in dem Hollywoodstreifen "Fair Game" verfilmt - mit Naomi Watts in der Hauptrolle.


Agentin hat Kampfeslust

Die Kampfeslust von damals scheint bei Valerie Plame zurückgekehrt. Allerdings könnte ihre Absicht, Twitter zu übernehmen, mindestens genauso ambitioniert sein, wie die, gegen das Weiße Haus vorzugehen. Selbst wenn es gelänge, eine Milliarde Dollar einzusammeln, würde dies in der Hauptversammlung des börsennotierten Unternehmens Twitter noch keine Mehrheit bedeuten. Dazu wären nach derzeitigem Stand mindestens sechs Milliarden nötig. Allerdings würden Aktien im Wert von einer Milliarde deutliche Einflussmöglichkeiten und Perspektiven für denkbare Allianzen mit anderen Großaktionären bieten.

Das Weiße Haus gab sich zunächst gelassen. Der Versuch, auf diese Weise die Meinungsfreiheit zu untergraben, sei "lächerlich", hieß es in einem Statement von Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Der zunächst zögerliche Spendenfluss sei Indiz dafür, dass die Amerikaner mit Trumps Twittertätigkeit sehr zufrieden seien. Als wenn der Präsident seine Sprecherin bestätigen wollte, lud er am Donnerstag gleich wieder sein Handy durch und feuerte salvenweise seine Ansichten in die Öffentlichkeit. Bevor sich in Washington die meisten Bürotüren öffneten, hatte er schon wieder sechs Nachrichten auf dem Twitter-Sender.

Tatsächlich hatte Valerie Plame am Donnerstagmorgen (Ortszeit) nach sieben Tagen laut offizieller Zählung bei der Spendenplattform "GoFundMe" rund 41 000 Dollar an Zusagen zusammen. Dass es am Ende reichen könnte, bezweifelt sie selbst. Wenn das Milliardenziel nicht erreicht werde, gehe das Geld an die Organisation Global Zero, heißt es in ihrem Spendenaufruf. Die setzt sich für die weltweite Abschaffung von Atomwaffen ein. "Hoffentlich werden wir diese Macht nie nutzen müssen", hatte Trump über die Anwendung von Atomwaffen philosophiert. Auf Twitter, versteht sich.
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