Erzhausen
Unglück

Nach Flugzeugunglück in Erzhausen: Obduktion der drei Leichen, Absturzursache noch unklar

Nach wie vor arbeiten Experten das Flugzeugunglück bei Egelsbach auf. Wie konnte es passieren, dass die Maschine in ein Feld krachte und in Flammen aufging?
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ussische und deutsche Experten für Flugunfälle untersuchen das ausgebrannte Wrack eines Geschäftsflugzeuges in der Nähe des Flugplatzes Egelsbach. Foto: Boris Roessler/dpa
ussische und deutsche Experten für Flugunfälle untersuchen das ausgebrannte Wrack eines Geschäftsflugzeuges in der Nähe des Flugplatzes Egelsbach. Foto: Boris Roessler/dpa

Update vom 02.04.2019: Unfallursache noch immer unklar

Nach dem Absturz eines Kleinflugzeuges in Südhessen hat am Dienstag die Obduktion der Leichen der drei Todesopfer begonnen. Mit ersten Ergebnissen sei voraussichtlich erst an diesem Mittwoch (3. April) zu rechnen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Robert Hartmann. Bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung soll unter anderem die Identität der Toten zweifelsfrei geklärt werden. Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) untersuchten zusammen mit russischen Kollegen zwei Tage nach dem Unglück weiter das Flugzeugwrack in einem Spargelfeld nahe des Flugplatzes Egelsbach.

Die russischen Behörden haben wegen des Absturzes ein eigenes Untersuchungsverfahren eingeleitet. Ermittelt werde wegen Verstoßes gegen Sicherheitsvorschriften im Luftverkehr und des Todes von drei russischen Staatsbürgern, teilte das staatliche Ermittlungskomitee in Moskau mit. Nach Angaben der Ermittler starben die Geschäftsfrau Natalija Filjowa, ihr Vater Waleri Karatschjow und der russische Pilot.

Russische Zeitungen veröffentlichten am Dienstag Traueranzeigen mit Würdigungen der verunglückten Unternehmerin. Die Miteigentümerin der russischen Fluggesellschaft S7 habe mit professioneller Hingabe das Luftfahrtunternehmen zu einem der führenden Namen in Russland gemacht, hieß es in der ganzseitigen Anzeige der Wirtschaftszeitung "Wedomosti".

Die Ursache für das Unglück ist nach wie vor unklar. Die BFU will am 25. Mai einen ersten Zwischenbericht zu dem Absturz veröffentlichen. Ein Abschlussbericht kann den Experten zufolge Monate dauern.

Was genau ist am Sonntag in Südhessen passiert?

Die Insassen des Kleinflugzeugs hatten keine Überlebenschance. Als die Maschine an dem frühlingshaften Sonntagnachmittag auf einem folienbedeckten Spargelfeld bei Erzhausen in Südhessen aufschlägt, geht sie sofort in Flammen auf. Die vielen Helfer, die sofort zur Unfallstelle eilen, können nichts mehr tun. Drei Menschen sterben nach Erkenntnissen der Polizei in dem Trümmerfeld.

Doppelte Tragik: Auf dem Weg zur Unglücksstelle wird ein Streifenwagen in einen Unfall verwickelt, in dem anderen Auto sterben zwei Menschen. Die drei Polizeibeamten, die auf dem Weg zur Absturzstelle waren, überleben schwer verletzt.

Flugzeug war von Cannes auf dem Weg nach Egelsbach

Das sechssitzige Kleinflugzeug des US-amerikanischen Herstellers Epic vom Typ "E 1000" war am Sonntagmittag im französischen Cannes gestartet und unterwegs zum Flugplatz Egelsbach, der sich nicht weit entfernt von der Absturzstelle befindet. Um 15.22 Uhr, so berichtet es ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS), habe sich der Pilot abgemeldet, um sich beim Tower des Flugplatzes Egelsbach anzumelden. Er sei vom Instrumenten- auf Sichtflug übergegangen - was aber kurz vor der Landung eines Kleinflugzeugs nichts Ungewöhnliches ist.

Wenige Minuten später, gegen 15.30 Uhr, stürzte die Maschine aus bislang ungeklärten Gründen ab. Zeugen berichteten der Polizei zufolge, dass sie ein Flugzeug mit stotternden Motorgeräuschen gehört hätten. Neben der Kriminalpolizei wurde auch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in die Ermittlungen zur Unfallursache eingeschaltet.

Russische Geschäftsfrau bei Flugzeugabsturz gestorben

An Bord nach Angaben des Unternehmens auch die prominente russische Geschäftsfrau Natalija Filjowa. Die Miteigentümerin der S7-Fluggesellschaft sei im Alter von 55 Jahren bei dem Unglück gestorben, teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur in Moskau mit. "Das ist ein unwiederbringlicher Verlust", sagte eine Sprecherin. Filjowa sei eine inspirierende Managerin und wunderbare Frau gewesen. Auch russische Experten sollten bei den Untersuchungen zur Unfallursache helfen, sagte die S7-Sprecherin. Filjowa galt als eine der reichsten Frauen Russlands. Sie war russischen Medien zufolge mit ihrem Vater an Bord gewesen.

Ein Polizeisprecher in Südhessen bestätigte die russischen Angaben zunächst nicht, bei den Toten handle es sich aber nach bisherigen Erkenntnissen um den Piloten und zwei russische Staatsangehörige. Nähere Erkenntnisse dazu erwartet die Polizei erst in den nächsten Tagen. "Die Maschine ist komplett ausgebrannt, dementsprechend schwierig gestalten sich die Identifizierungsmaßnahmen", sagte Polizeisprecher Bernd Hochstädter. Die Leichen waren am Sonntagabend noch nicht geborgen, da die Unfallstelle weiter von der Feuerwehr abgesichert wurde.

Für die Rettungskräfte waren die Bergungsarbeiten zusätzlich erschwert. Nach Angaben einer Polizeisprecherin mussten sie besondere Vorsicht walten lassen an der Absturzstelle, da durch den Absturz und die Löscharbeiten Schadstoffe wie etwa Kerosin freigesetzt wurden. Die Trümmer lagen in einem Radius von rund 20 Metern auf dem Spargelfeld verstreut. Das Feld, in das die Maschine stürzte, war mit einer Folie bedeckt, damit der Spargel mehr Wärme bekommt und schneller reifen kann - ein derzeit typisches Bild in Südhessen.

Weiteres tödliches Unglück der Polizei auf Weg zum Unglücksort

Nur wenige Kilometer von der Absturzstelle entfernt starben am Sonntagnachmittag zwei weitere Menschen. Ein Streifenwagen der Polizei war nach bisherigen Erkenntnissen auf der B486 unterwegs zum Unglücksort, als er frontal mit einem entgegenkommenden Wagen zusammenstieß. In dem anderen Auto starben ein 24-Jähriger und eine 22-jährige Frau. Nach ersten Ermittlungen hatte ihr Wagen bei einem Überholmanöver ein Auto touchiert, war ins Schleudern geraten und gegen den Polizeiwagen geprallt. Die drei Polizisten wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Auch in Franken kam es am Wochenende zu einem tödlichen Unfall eines Motorradfahrers.