Berlin
Handy-Spiele im Test

Naziparolen und versteckte Abzocke: Stiftung Warentest hält fast alle Spiele-Apps für inakzeptabel

Ob auf dem Handy oder Tablet - Kinder lieben Spiele Apps. Doch wie kindgerecht sind Handyspiele? Die Stiftung Warentest und Jugendschutz.net haben 14 beliebte Spiele-Apps getestet.
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Früher waren Handys eine echte Seltenheit auf dem Pausenhof. Mobiltelefone waren noch bei weitem nicht so etabliert wie heute und Kinder bekamen von ihren Eltern hauptsächlich ein Handy geschenkt, mit dem Hintergedanken, dass dieses in Notsituationen verwenden konnten, um zuhause anrufen.

Doch die Zeiten haben sich geändert und so findet man heutzutage in so gut wie jeder Schultasche ein Smartphone. Diese werden jedoch von den Kids nicht mehr nur zum Telefonieren verwendet, sondern dienen vor allem dem Unterhaltungszweck. Gerade Spiele sind besonders beliebt bei den jungen Handynutzern.

Stiftung Warentesthat einen genauen Blick auf die riesige Auswahl an Apps geworfen und 14 verscheiden Spiele auf ihre Kinder- und Jugendtauglichkeit getestet. Das Ergebnis ist alarmierend.

Stiftung Warentest: 14 Handy-Spiele getestet - fast alle Spiele kostenlos

Für den Test untersuchten die Multimedia-Experten des Verbraucherinstituts 14 beliebte Handy-Spiele für die Betriebssysteme iOS und Android. Eingenommen wurde dabei die Perspektive eines zehnjährigen Kindes. Die Altersbeschränkungen schwankten zwischen null und zwölf Jahren. Überall wo eine Altersangabe gefordert wurde, gaben die Prüfenden zehn Jahre an.

Von den 14 getesteten Spielen stehen den Nutzern 13 Stück kostenlos zur Verfügung. Lediglich das Spiel "Minecraft" kostet einmalig 7,99 Euro.

Folgende 14 Spiele wurden geprüft:

  • Angry Birds 2
  • Brawl Stars
  • Candy Crush Soda Saga
  • Clash of Clans
  • Clash Royale
  • Empires & Puzzles
  • Fortnite
  • Helix Jump
  • Homescapes
  • Minecraft
  • Pokémon Go
  • Roblox
  • Subway Surfers
  • Temple Run 2

Spiele-Apps: "Alles andere als kindgerecht"

Dem Testbericht zufolge wurden die Spiele in Kooperation mit Jugendschutz.net , dem gemeinsamen Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für Kinder- und Jugendschutz im Internet, untersucht. Getestet wurde unter dem Gesichtspunkt, wie kindgerecht die Spiele sind und ob eine sichere Nutzung für jüngere Spieler gewährt ist.

Die Jugendschutz Experten stießen bei der Verwendung der Apps immer wieder auf andere Spieler mit rechtsextremen Namen wie beispielsweise "SiegHeil" oder "Judentöter". Andere Mitspieler benannten sich nach Pornoseiten.

Das Melden von Verstößen solcher Nutzer funktionierte nur mäßig und wäre häufiger nötig gewesen, so der Testbericht. Demzufolge war "Bedenklich" noch das beste Urteil, welches in der Kategorie "Kindgerechte Inhalte" vergeben werden konnten.

Schlechter Datenschutz und versteckte Abzocke

Den Multimedia-Experten vielen außerdem die oftmals sehr verlockenden In-App-Käufe auf. Immer wieder werden Spieler aufgefordert weiter Inhalte hinzuzukaufen. Dieses Geschäftsmodell tritt vor allem bei "scheinbar" kostenlosen Apps auf. Hinzu kommt, dass die Käufe oftmals intransparent sind und somit ein falscher Klick genügt, um etwas kostenpflichtig zu erwerben. Laut Stiftung Warentest tappen immer wieder Kinder in die Kostenfalle und geben schnell mehrere hundert Euro aus.

Beim Datenschutz gab es, laut Stiftung Warentest, keinen einzigen Gewinner. Die AGBs waren bei jedem getesteten Spiel so formuliert, dass sie in keinster Weise von Kinder verstanden werden könnten. Dies spricht gegen die Datenschutz-Grundverordnung und wurde deshalb von Stiftung Warentest mit bestenfalls inakzeptabel bewertet.

Neben der schwierigen Verklausulierung der allgemeinen Geschäftsbedingungen fanden die Fachjuristen auch einige unzulässige Klauseln. In zehn von 14 Apps konnten deutliche Mängel festgestellt werden, wie beispielsweise eine Überwachungsklausen: "Du stimmst dieser Überwachung und Aufzeichnung unwiderruflich zu. Entsprechend willigst du ein, dass du keine Privatsphäre ... erwartest, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Chattexte oder Sprachnachrichten."

Das Stiftung Warentest-Fazit: Keine App ist weiterzuempfehlen

Das Endergebnis der Studie fällt vernichtend aus. Das Verbraucherinstitut schreibt: "Keines der 14 geprüften Handyspiele für Kinder können wir empfehlen. Eines ist im Kinderschutz bedenklich, 13 stufen wir sogar als inakzeptabel ein. In 7 stießen wir auf heikle Inhalte wie Verweise auf Pornoseiten."

Die genauen Testergebnisse zu allen Spielen finden Sie hier!

Symbolbild: pixabay.com/Andi_Graf