Nach Polizeiangaben gab der Verfasser des mehrseitigen Erpresserbriefes an, er habe Einfluss auf den Haftverlauf - egal in welchem bayerischen Gefängnis Hoeneß einsitzen müsse. Er werde im Gefängnis keine angenehme Zeit haben, soll der Erpresser nach Informationen der "Bild"-Zeitung geschrieben haben. Der Tatverdächtige, ein vorbestrafter 50-Jähriger, wurde bei der geplanten Geldübergabe am Samstag festgenommen.

Auch wenn der Fall, den die Polizei sehr ernst nimmt, für Hoeneß glimpflich ausging, könnte er dennoch Wasser auf die Mühlen von Hoeneß' Anwälten sein: Sie haben eine Unterbringung in einer anderen Justizvollzugsanstalt als der in Landsberg am Lech beantragt.

"Wir wollen uns dazu nicht äußern", sagte sein Anwalt Steffen Ufer zwar am Dienstag. Allerdings bestätigte er, dass es einen Antrag gibt. "Da läuft was." Über Details schwieg er. Ähnlich hält das weiterhin auch die Staatsanwaltschaft München II. "Kein Kommentar zum Vollstreckungsverfahren", heißt es dort.

Künftiger Tagesablauf bekannt

Hintergrund des Antrags, über den der "Focus" und die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatten, dürfte vor allem der Tag der offenen Tür sein, den die JVA Landsberg Ende März veranstaltet hatte. Damit wollte sie die Neugier von 150 Journalisten befriedigen, die wissen wollten, was auf den langjährigen Bayern-Präsidenten zukommt.
Wie seine karge Zelle aussehen wird, gegen die Hoeneß sein Anwesen am Tegernsee eintauschen muss, weiß seitdem ganz Deutschland. Auch sein künftiger Tagesablauf ist bekannt: Wecken um 5.50 Uhr, Arbeitsbeginn 70 Uhr, Mittagspause 11 bis 12 Uhr, dann wieder Arbeit, zwei Stunden Freigang am Nachmittag sind die Regel, "Generaleinschluss" in der Zelle ist um 19 Uhr. Sogar das, was er künftig essen und trinken wird, kann man nun nachlesen: Malzkaffee, Brot und Marmelade zum Frühstück, mittags Kartoffelsuppe, Schinkennudeln und Salat, abends Brot, Käse und Margarine.

Das habe Hoeneß' Privatsphäre verletzt, zitierten Medien seine Anwälte. Und das sieht beispielsweise auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) so, der kurz nach dem Spektakel im Gefängnis anordnete, die Türen der JVA Landsberg künftig für die Medien verschlossen zu halten. Hoeneß habe "das gleiche Anrecht auf Privatsphäre, und das soll auch sichergestellt werden", sagte die stellvertretende Regierungschefin Ilse Aigner (CSU).

Hoeneß befürchtet laut Medienberichten außerdem, dass Mitgefangene oder sogar Justizbeamte aus dem Nähkästchen plaudern und vom Knastalltag des ehemals vielleicht mächtigsten Mannes im deutschen Fußball erzählen. Da passt es ins Bild, dass mit der versuchten Erpressung auch noch eine konkrete Bedrohung publik wurde. dpa