Die Ermittlungen gegen Formel 1-Boss Bernie Ecclestone unter anderem wegen Verdachts auf Bestechung sind abgeschlossen. Ob es zu einer Anklage kommt, wollte Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft München am Dienstag nicht mitteilen. "Angaben über den weiteren Verfahrensablauf werden zu diesem Zeitpunkt nicht gemacht." Er bestätigte entsprechende Medienberichte. Seit 2011 ermittelt die Anklagebehörde gegen den 82-jährigen Briten.

Ecclestone wird vorgeworfen, dem früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 2006 beim Verkauf der Formel-1-Anteile der Bank rund 44 Millionen US-Dollar Schmiergeld gezahlt zu haben. Gribkowsky war im vergangenen Juni vom Landgericht München wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte zugegeben, das Schmiergeld von Ecclestone erhalten und nicht versteuert zu haben. Die Gefängnisstrafe ist inzwischen rechtskräftig.
Ecclestone war in diesem Verfahren als Zeuge gehört worden, durfte danach aber wieder abfliegen. Einen Haftgrund sahen die Ermittler nicht.

Sollte es nun zu einer Anklage und einem Prozess in München gegen den steinreichen Ecclestone kommen, könnte dies das Ende der fast vier Jahrzehnte andauernden Herrschaft des 82-Jährigen bei der Formel 1 bedeuten. Der Brite hatte bereits vor Monaten dem "Sunday Telegraph" gesagt, die Besitzergesellschaft CVC, die Ecclestone nach der Übernahme als Geschäftsführer der Königsklasse angestellt hatte, "wird wahrscheinlich gezwungen sein, mich loszuwerden, wenn die Deutschen mich holen. Es ist ziemlich klar, wenn ich eingesperrt würde."

Auch Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hatte Ecclestone einen Rücktritt nahegelegt, sollte es zur Anklage kommen. Weil er die Formel 1 liebe, werde Ecclestone der erste sein, der einen Schritt zurücktrete, "im Interesse der Formel 1". Der ganze Vorgang könne "die Formel 1 beschädigen", hatte der Italiener gesagt. Ecclestone hatte mit seinem nicht unumstrittenen Führungsstil aus der Königsklasse ein weltumspannendes Unternehmen gemacht. Die Formel 1 ist längst ein Milliardengeschäft.

Der Formel 1-Boss hatte die Bestechungs-Vorwürfe stets bestritten und die Millionenzahlung an Gribkowsky als eine Art Schweigegeld dargestellt, damit dieser ihn nicht bei den britischen Steuerbehörden anschwärzt. dpa