Berlin

Entrüstung: Erika Steinbach und ihr Helmut-Schmidt-Tweet

Am Todestag von Altkanzler Helmut Schmidt sind die Reaktionen einhellig voller Trauer und Respekt für einen Staatsmann von großer Bedeutung. Alle Reaktionen? Nicht ganz. Erika Steinbach (CDU) sorgt mit einem geschmacklosen Tweet für Empörung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: Steffen Kugler dpa/lbn
Foto: Steffen Kugler dpa/lbn
Die CDU-Politikerin und ehemalige Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) Erika Steinbach ist immer wieder für einen provokanten Tweet gut. Schon oft hat sie auf Twitter für Kopfschütteln gesorgt. So hatte sie 2012 in einem Tweet behauptet, die Nazis seien "eine linke Partei" gewesen. Auch in der aktuellen Flüchtlingsdebatte lehnt sich Erika Steinbach immer wieder argumentativ aus dem Fenster.

Am Todestag von Altkanzler Helmut Schmidt ist sie für viele allerdings einen etwas zu großen Schritt zu weit gegangen: In einem Tweet schreibt sie, die Fraktion habe des Verstorbenen heute in Respekt gedacht. So weit, so gut.
Darunter postet sie allerdings ein Bild, auf dem ein Zitat von Helmut Schmidt zu sehen ist: "Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag." Helmut Schmidt hatte dies auf einer DGB-Veranstaltung im Jahr 1981 geäußert.



Die Instrumentalisierung des Todes von Helmut Schmidt für die Haltung von Erika Steinbach in der Flüchtlingsdebatte stieß auf nur wenig Gegenliebe. Ein altes Zitat zu verwenden, zu dem sich der Altkanzler nun auch nicht mehr einordnend äußern kann, stößt vielen sauer auf.

Nicht nur aus dem Lager des politischen Gegners schlägt der Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion starker Gegenwind entgegen. Den Tod eines Menschen für die Propagierung eigener Ansichten zu missbrauchen sei pietätlos, so etwa Thorsten Schäfer-Gümbel, Landesvorsitzender der hessischen SPD.

Das Bild mit dem Zitat von Helmut Schmidt wird übrigens zwar gerne gerade außer von Erika Steinbach auch von rechtspoplustischen Seiten verwendet, um den Altkanzler für die Stimmungsmache gegen Flüchtlinge zu vereinnahmen. Allerdings ist der Satz aus dem Zusammenhang gerissen: Schmidt hatte 1981 die ablehnende Haltung vieler Deutscher gegenüber der Zuwanderung von Türken vorausgahnt und gefürchtet, dass diesen die Schuld für alles gegeben würde - wie einst den Juden. Schmidt hatte damals in Bezug auf die Angstmache vor Zuwanderung gewarnt: "Lasst uns das um Gottes Willen nicht mitmachen."
 

Verwandte Artikel