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München
Krawalle

Englischer Garten: Mix aus Langeweile und Bedürfnis nach Action - angespannte Lage in München

Teils aus Langeweile rufen sie die Polizei oder Rettungskräfte. Sind die dann da, werden sie belästigt, provoziert und mit Flaschen beworfen. Am Wochenende droht neuer Ärger.
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Am Monopteros-Bauwerk im Englischen Garten ist immer viel los. Aktuell übertreiben es viele Jugendliche, gerade am Wochenende. Foto: Felix Hörhager/dpa
Am Monopteros-Bauwerk im Englischen Garten ist immer viel los. Aktuell übertreiben es viele Jugendliche, gerade am Wochenende. Foto: Felix Hörhager/dpa


Betrunkene Jugendliche, fliegende Flaschen und ein Angriff auf einen Rettungswagen: Im Englischen Garten, Münchens weitläufigem Parkidyll, spielten sich an den vergangenen beiden Wochenenden chaotische Szenen ab. Rund um das Monopteros-Bauwerk, wo bei schönem Wetter tagsüber Familien grillen und Freunde Fußball spielen, hatten sich Hunderte junger Leute versammelt. Sie feierten, tranken, und eine kleine Gruppe bekam irgendwann Lust auf mehr. Auf Ärger. Auf Krawall.


Zu vermeintlicher Reanimation gerufen


Am vergangenen Samstag führte das so weit, dass Jugendliche bei der Polizei anriefen und Schlägereien meldeten, die gar nicht stattfanden - nur um die Beamten auf den Plan zu rufen.
Feuerwehrmann Stefan Kießkalt war in jener Nacht vor Ort. Sein Team war gegen 22 Uhr zu einer vermeintlichen Reanimation im Englischen Garten alarmiert worden. "Da waren wahnsinnig viele Leute, aber keiner hat uns herangewunken und keiner wirkte aufgeregt", berichtet Kießkalt.

 


Weil kein Patient zu finden war, wollte die Mannschaft schon wieder abfahren - als Jugendliche die Rettungskräfte auf einen Menschen aufmerksam machten, der Hilfe brauche. Eine junge Frau lag mit einer Alkoholvergiftung am Boden und musste versorgt werden.

 

 


Flaschen flogen auf Krankenwagen


Als der Krankenwagen mit der Patientin abfahren wollte, eskalierte die Situation. Jugendliche rüttelten an dem Fahrzeug, beleidigten die Feuerwehrleute, schubsten sie. "Die wollten uns provozieren", schildert Kießkalt. Als Flaschen flogen, griff die Polizei ein. Etwa 100 Beamte konnten die Lage schließlich beruhigen. "Sowas habe ich noch nie erlebt. Wir sind alle nur mit Kopfschütteln dagestanden", sagt der Feuerwehrmann. Er könne nicht nachvollziehen, warum man Rettungskräfte so angehe. "Wir wollen doch helfen!".

Auch an diesem Wochenende soll es wieder sonnig und mild werden - ideale Bedingungen für einen Besuch im Park. Damit die Ereignisse nicht noch einmal derart aus dem Ruder laufen, hat die Münchner Polizei Vorkehrungen getroffen. Die Beamten seien verstärkt an bestimmten Stellen im Englischen Garten unterwegs, sagt Sprecher Marcus da Gloria Martins. Zum Einsatz kämen vor allem Polizisten in Zivil und Reiterstaffeln. "Wir sind vorbereitet", sagt er.

 

 


"Bedürfnis nach Action"


Generell, betont da Gloria Martins, gebe es im Englischen Garten kein Gewaltproblem. "Es geht uns auch nicht darum, Besucher, die dort grillen und trinken, pauschal zu kriminalisieren." Was sich dort abgespielt habe, sei eine Gemengelage aus Alkohol, Langeweile und dem Bedürfnis nach Action gewesen.

Im Mittelpunkt standen demnach mehrere Dutzend Stimmungsmacher im Alter zwischen 15 und 25 Jahren - "lose Zusammenschlüsse von Jugendlichen aus dem Großraum München, die sich dort verabreden", erklärt der Pressesprecher. "Den engeren Kern kennen wir, einige sind schon mehrfach auffällig geworden."

Es gelinge ihnen, Stimmung gegen Polizei und Rettungskräfte zu machen und damit einen "Solidarisierungseffekt" unter den durch Alkohol enthemmten Umstehenden zu bewirken. Eine bestimmte Ideologie spiele dabei keine Rolle. "Es geht um das Thema Event- und Erlebnisorientierung."

 

 


Schaukämpfe ausgetragen


So prügelten sich die Jugendlichen vergangene Woche nicht wirklich, sondern trugen Schaukämpfe untereinander aus - um sich miteinander zu messen und den Umstehenden zu imponieren, wie da Gloria Martins erklärt. Diese Dynamik sei immer wieder auch an anderen beliebten Freizeitplätzen in München zu beobachten - dort nämlich, wo im Sommer viele Leute zusammenkommen und reichlich Alkohol fließt.

Bayerns Heimatminister Albert Füracker (CSU) hatte zuletzt eine Parkordnung verbunden mit Bußgeld als mögliche Maßnahme gegen die "Exzesse" ins Spiel gebracht. Mit einer solchen habe die Bayerische Schlösserverwaltung in Bayreuth gute Erfahrung gemacht. Man werde jedenfalls die Zustände nicht länger dulden, die den friedlichen Charakter der Parkanlage stören, teilte er mit.

Damit sich die Krawalle nicht wiederholen, setzt die Polizei auch auf die Arbeit sogenannter Jugendbeamter. Die besuchen Jugendzentren und andere Treffpunkte, um die jungen Leute anzusprechen und ihnen bewusst zu machen, dass ihr Verhalten Konsequenzen haben kann. "Wir prüfen derzeit, ob ein Anfangsverdacht des Landfriedensbruchs vorliegt", sagte da Gloria Martins mit Blick auf die Wochenenden zuvor. Dafür müsste es aber zur Gewaltanwendung gegen Menschen oder der Drohung mit Gewalt gekommen sein. "Beides hinterfragen wir aktuell."