Heute, am 27. Januar vor 75 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee eingenommen. Vor 15 Jahren haben die Vereinten Nationen beschlossen, diesen Tag gemeinsam als den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust zu begehen.

Auch 75 Jahre nach der Befreiung: Holocaust wird geleugnet

Im Dezember letzten Jahres hat das Landgericht Bielefeld entschieden, dass die 91-jährige Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck nicht, wie es nach dem Gesetz möglich ist, das restliche Drittel ihrer Haftstrafe auf Bewährung verbüßt, sondern regulär bis November diesen Jahres im Gefängnis bleiben muss. Am letzten Donnerstag wurde eine Frau aus Schauenstein vom Amtsgericht Hof wegen Volksverhetzung zu anderthalb Jahren auf Bewährung verurteilt.

So bitter es sein mag, aber die Zeit des Nationalsozialismus liegt nur zeitlich weit zurück, in den Köpfen, das Zeigen Anschläge und Angriffe auf Juden, ist sie noch immer präsent. Eine besonders perfide Art, diese Zeit zu verharmlosen und das Gedenken daran zu verhindert, ist überhaupt die Leugnung des Holocaust.

Mann darf nicht nach Deutschland einreisen

Das ist in Deutschland nach Paragraf 130, Absatz 3 verboten. Demnach sind Leugnung oder Verharmlosung des Holocaust unter Strafe gestellt. Deswegen darf etwa David Irving nicht nach Deutschland einreisen und Vorträge halten, weil ihm vor Gericht bewiesen wurde, dass es den Holocaust tatsächlich gab und er diese Tatsache bestreitet. Nachzulesen in "Der Holocaust vor Gericht" von Eva Menasse. Wie aber sehen die Argumente aus, mit denen das Verbrechen in Frage gestellt wird?

Infrage gestellt wird einmal die Machbarkeit. Die Öfen etwa im Konzentrationslage Auschwitz-Birkenau, wo über eine Million Menschen vergast und verbrannt worden sind, seien viel zu klein gewesen, als dass man den systematisch geplanten Massenmord logistisch hätte umsetzen können. Der Aufzug, mit dem die Leichen zum Krematorium gebracht worden sind, sei viel zu eng gewesen. Das ist, kurz gesagt, widerlegte Pseudowissenschaft.

Leugner fordern beweise für den Massenmord

Dennoch fordern die Leugner gerne Beweise, die die Gaskammern belegen sollen - etwa nachgewiesenes Zyklon B oder die Löcher, durch die das Gas in die Kammern gelassen wurde. Und liefert man diese nicht, etwa weil Auschwitz weitestgehend zerstört wurde, bevor es eingenommen wurde, wird dieses singuläre Fehlen als Beweis für eine generelle Nichtexistenz des Holocaust genommen.

Das ist absurd, weil es die Praxis der Geschichtswissenschaft vernachlässigt, die alle Quellen heranzieht, um vom Geschehenen zu erzählen. Die anderen, den Holocaust beweisenden Quellen werden von den Leugnern einfach nicht erwähnt. Gesagt wird stattdessen, das nachgewiesene Zyklon B reiche nicht aus, um die systematische Ermordung von Menschen in Gaskammern zu beweisen.

Dabei muss gar nicht viel Zyklon B nachgewiesen werden, denn zum Töten von Menschen bedarf es davon wesentlich weniger als zum Abtöten von Läusen. Auch sind die Zwecke der Gaskammern hinreichend durch Pläne, Befehle und auch historische Arbeit vor Ort ausreichend belegt. Ganz abgesehen von den Augenzeugenberichten.

Juden wollen Geld mit dem Holocaust machen

Die werden aber gerne abgetan. Schließlich steckt dahinter eine große jüdische Weltverschwörung, die einfach nur Geld mit dem Holocaust machen will und sich die Sache deswegen ausgedacht hat. Das ist zum einen ein antisemitisches Argument - Geld, Weltverschwörung - und zum anderen der Versuch, Opfer und Täter zu vertauschen. Denn auf einmal wären die Deutschen heute Opfer der bösen Juden, weil sie die Deutschen für etwas verantwortlich machen, das es nicht gab.

Und wenn Leugner doch zugeben, dass es Erschießungen gab, so behaupten sie, dass es keine planmäßige Vernichtung der Juden gegeben haben soll. Der Volkszorn habe sich hier und da erhoben - was den Juden wiederum die Schuld gibt und reine NS-Propaganda ist -, manches Mal grassierte der Typhus im Lager, aber geplant und geordnet wurde nichts - als ob es keinen Eichmann-Prozess gegeben hätte, der das alles gezeigt hat.

Um dem noch eine Krone aufzusetzen, wird gerne behauptet, Hitler habe von all dem nichts gewusst. Überhaupt wird die Größe des Völkermordes in Zweifel gezogen. Es waren keine sechs Millionen ermordete Menschen. So viele Juden hätten damals gar nicht im Deutschen Reich gelebt und weil die Meldelisten der Konzentrationslager weitestgehend vernichtet worden sind, nimmt man deren Fehlen als Widerleg für die Anzahl der Ermordeten Menschen.

Überhaupt ist eine beliebte Strategie die Toten in ein Verhältnis zu setzen. Hier die Ermordeten Juden, dort die Toten Deutschen durch Luftkrieg und Alliierte. Niemand leugnet etwa den verheerenden Angriff auf Dresden. Aber daraus ableiten zu wollen, dass die geplante Vernichtung der Juden, die sechs Millionen Opfer gefordert hat, weniger schlimm war, ist dann doch absurd.

So ist es, allgemein gesagt, gerne so, dass Holocaust-Leugner, die Verantwortung von den Tätern auf die Opfer verschieben. Die Juden seien selbst schuld gewesen und auch jetzt noch schuld, dass man immer über den Holocaust reden müsse. Auch Hitler, der Gröfaz, soll von nichts gewusst haben, ihm könne man die Verantwortung für einzelne Erschießungen nicht geben. Überhaupt wird versucht, die Zahl der Toten zu relativieren, zu verkleinern und in ein Verhältnis zu den deutschen Toten zu setzen - was einerseits Quatsch ist, weil die Zahl der Toten nachgewiesen ist und andererseits zynisch, weil man Menschenleben nicht gegeneinander aufrechnet.

Die pseudowissenschaftlichen Vorstellungen vom Nachweis des Gases und der logistischen Planbarkeit des Holocaust wurden durch seriöse Wissenschaftler ausreichend widerlegt. Es gibt keinen Grund am Holocaust zu zweifeln, außer man ist Antisemit, Nationalsozialist oder hat nachgewiesen kognitive Probleme.