Münchner Ermittler kamen kürzlich einer großen Einbrecherbande auf die Spur. Die Truppe schickte unter anderem Mädchen und junge Frauen auf Diebestour - die Polizei sprach von "Arbeitsbienen". Etwa 500 Leute sollen der weit bis ins Ausland verzweigten Gruppe angehört haben - und eine große Zahl an Einbrüchen in Deutschland soll auf ihr Konto gehen. Die Ermittler berichteten von professionellen Strukturen wie bei einer großen Firma. In der Tat ist Wohnungseinbruch ein großes Geschäft in Deutschland. Nun sollen härtere Strafen für Einbrecher Besserung bringen.

Was genau ist geplant?

Für den Einbruch in eine "dauerhaft genutzte Privatwohnung" soll künftig eine Mindeststrafe von einem Jahr gelten. Bislang greift hier ein Strafrahmen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren - und in "minder schweren Fällen" eine Strafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Künftig sollen es immer ein bis zehn Jahre sein. Das Delikt wird damit als Verbrechen eingestuft. Minder schwere Fälle soll es beim Einbruch in Privatwohnungen künftig nicht mehr geben. Nach dem Bundestagsbeschluss am Donnerstag muss das Gesetzesvorhaben noch in den Bundesrat - vermutlich am 7. Juli, bevor es in Kraft treten kann.

Wie groß ist das Problem Wohnungseinbruch in Deutschland?

Es ist seit Jahren ein Dauerbrenner in der Kriminalitätsstatistik. Seit 2008 gingen die Fallzahlen jedes Jahr nach oben - bis rauf auf mehr als 167 000 angezeigte Fälle 2015. Im vergangenen Jahr sank die Zahl erstmals wieder: Gut 151 000 Wohnungseinbrüche wurden da gemeldet. Die Lage ist je nach Bundesland unterschiedlich. In einigen Ländern, etwa in Hamburg oder dem Saarland, gingen die Einbruchzahlen zuletzt runter. In Sachsen und Sachsen-Anhalt stiegen sie.

Wie viele Fälle werden aufgeklärt?

Nur eine relative kleine Zahl. In den vergangenen Jahren lag die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen immer zwischen 15 und 17 Prozent. 2016 waren es 16,9 Prozent. In 55 Prozent der aufgeklärten Fälle im vergangenen Jahr handelten die Täter allein, oft sind Einbrecher aber eben auch in Banden organisiert. Bei der großen Mehrheit der aufgeklärten Fälle 2016 waren die Tatverdächtigen keine Unbekannten für die Polizei, sondern vorher kriminell aufgefallen. Die Zahl derer, die am Ende verurteilt würden, sei noch viel niedriger - im einstelligen Bereich, klagt der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. "Es gibt eine mehr als 90 prozentige Chance für Täter, ungestraft davon zu kommen."

Warum ist das so?

Wendt meint, es fehle an Personal und Ermittlungsinstrumenten. Es gebe nicht genug Polizisten, um Spuren zu sichern, Zeugen zu befragen, Kontrollen und Streifen zu machen. Die Polizei brauche auch mehr Befugnisse, um Täter nachzuverfolgen und Netzwerke aufzuklären.

Wie soll nun die Gesetzesänderung helfen?

Zum einen geht es um ein Signal. Durch die Strafverschärfung können Ermittler aber auch häufiger zur Telekommunikationsüberwachung greifen, etwa zur Funkzellenabfrage. Das ist nur bei schweren Straftaten möglich. Außerdem ist vorgesehen, dass Ermittler bei Wohnungseinbrüchen künftig in bestimmten Fällen die umstrittene Vorratsdatenspeicherung nutzen dürfen - etwa um Hintermänner oder Komplizen aufzuspüren. Das heißt, sie sollen unter Bedingungen auf Daten zurückgreifen dürfen, die Telekommunikationsanbieter für bis zu zehn Wochen speichern müssen. Es geht hier unter anderem um Daten, wer wann mit wem wie lange telefoniert oder simst, und wie sich jemand im Internet bewegt. Bislang ist der Zugriff nur bei bestimmten Straftaten vorgesehen, wie der Bildung von Terror-Gruppen oder Mord.

Aber kommt die Vorratsdatenspeicherung überhaupt?

Eigentlich sollten Telekommunikationsanbieter ab dem 1. Juli mit der Speicherung beginnen. Weil noch Klagen dagegen laufen, ist die Speicherpflicht aber vorerst ausgesetzt, bis die Gerichte entschieden haben. Derzeit ist also unklar, was aus der Vorratsdatenspeicherung wird - und damit auch, ob sie bei Einbrüchen genutzt werden kann.

Führen schärfere Gesetze und neue Ermittlungsinstrumente denn automatisch zu einer höheren Aufklärungsquote?

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) räumt selbst ein, dass härtere Gesetze alleine nicht reichten. Nötig seien mehr Polizisten. Auch Wendt findet, das Gesetz sei ein guter Schritt. "Aber man darf keine Wunder erwarten." Ohne mehr Polizisten und Ermittlungsbefugnisse werde der gewünschte Effekt ausbleiben.