Vatertagswanderungen mitsamt gemeinschaftlichem Besäufnis haben keine Berechtigung. Während am Muttertag die Kinder die Zeit mit ihrer Mama verbringen, Blumen pflücken und zu Kaffee und Kuchen am Tisch sitzen, wird am Vatertag in vielen Familien auf die Anwesenheit des Oberhaupts verzichtet.

In Scharen ziehen junge Männer und alte Herren durch die Städte oder wandern von Keller zu Keller. Besonders unpassend ist es, dass junge Kerle, die überhaupt keine Väter sind, Christi Himmelfahrt nutzen, um sich im Kollektiv zu betrinken. Mit einem Bollerwagen voll Bier verbringen sie genauso wie die Herren mit Nachwuchs den Tag ohne die Kleinen.

Das ist ein Unding, denn schließlich wären Väter ohne ihre Kinder doch gar keine Väter. Und es ist leider traurige Wahrheit, dass viele Eltern auch an den anderen 364 Tagen im Jahr zu wenig Zeit für ihren Nachwuchs haben.
Unverständlich, dass ihre Sprösslinge gerade an diesem Tag im Jahr, an dem der Papa doch eigentlich endlich mal Zeit hat, um etwas mit den Kindern zu unternehmen, wieder auf ihn verzichten müssen.

Es gibt doch Alternativen! Es schließt sich nicht aus Vatertag zu feiern und mit den Liebsten gemeinsam etwas zu unternehmen. Und die Liebsten sollten dabei nicht die Bierflaschen sein.

Auch mit der Familie kann man wandern! Manchmal aber ist es auch das zu Hause bleiben, was einen Vater ausmacht.

Genau an dem Tag, an dem die Kinder ihre Väter besonders ehren sollen, bieten die Papas keinen Grund auf sie stolz zu sein: Ein Vater, der besoffen von der Bierbank kippt oder grölend durch die Straßen zieht, ist kein Vorbild und nicht im Geringsten jemand, zu dem ein Kind aufschauen kann.

Oder kennen Sie ein Kind, das im Kindergarten ein Bild von seinem Vater malt, auf dem der sein T-Shirt vollsabbert? Dieses Bild sollte kein Kind von seinem Vater haben. Und deshalb müssen sich Väter auch die Frage gefallen lassen, ob es denn der Sinn des Vatertags ist, sich einfach nur gemeinschaftlich zu besaufen und einen Tag "Auszeit" von der Familie zu nehmen. Es bedarf nämlich mehr als die Zeugung, um Vater zu sein, besonders auch am Vatertag.