Düsseldorf
Klimaschutz

"Warmer-Pulli-Tag" an Schule sorgt für Ärger: Todesdrohungen an Schulleitung

An einer Schule im Düsseldorfer Stadtteil Bilk sorgte zuletzt ein Brief für Ärger. Der "Warmer-Pulli-Tag" wurde in sozialen Netzwerken emotional diskutiert. Nun positioniert sich die Schulleiterin.
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Ein Brief zum "Warmer-Pulli-Tag an der Martin-Luther-Schule in Düsseldorf sorgte für wütende Kommentare auf Facebook. Symbolbild: NeONBRAND/unsplash.com
Ein Brief zum "Warmer-Pulli-Tag an der Martin-Luther-Schule in Düsseldorf sorgte für wütende Kommentare auf Facebook. Symbolbild: NeONBRAND/unsplash.com

Klima-Brief sorgt für Ärger an Schule: Vergangene Woche wurde an der Martin-Luther-Schule in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) ein Brief verteilt, der für den 8. Februar einen "Warmer-Pulli-Tag" ankündigte. Dieser Brief sorgte bei Eltern für Verärgerung - nun bezieht die Schulleitung Stellung.

"Warmer-Pulli-Tag" - was steckt hinter der Aktion?

Dem Brief zufolge solle am Freitag die Heizung in der Schule ausbleiben. Es sei wichtig, dass sich die Kinder warm anziehen, damit sie in den Klassenzimmern nicht frieren, heißt es weiter. Alles was warm halte, sei erlaubt. Der "Warmer-Pulli-Tag" sei dafür da, Kinder für Energiebewusstsein und Umweltschutz zu sensibilisieren. Die Martin-Luther-Schule ist Teil des Energiespar-Programms der Stadt Düsseldorf.

Der Brief im Wortlaut

"Liebe Eltern der Martin-Luther-Schule, unsere Schule nimmt am Energiespar-Programm der Stadt Düsseldorf teil: Je mehr Energie wir sparen (Strom, Müll, Wasser), desto mehr Geld erhalten wir von der Stadt für Dinge, die den Kindern zu Gute kommen. Zudem möchten wir durch die Teilnahme den Kindern mehr Energiebewusstsein und die Wichtigkeit einer nachhaltigen sowie umweltbewussten Lebensweise vermitteln. In diesem Rahmen wird am 8. Februar (Freitag) derWarmer-Pulli-Tageingeführt. An diesem Tag bleibt die Heizung ausgeschaltet, in der Schulzeit und im Nachmittagsbereich. Daher ist es wichtig, dass Ihr Kind sich warm anzieht, damit es auch in den Klassenräumen nicht friert. Es ist alles erlaubt (z.B. Schal, Mütze, lange Unterhose, Tee in Thermoflaschen...), was warm hält. Wir erhoffen uns an diesem Tag besonders im Bereich Heizen große Einsparungen zu erreichen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!"

Heftige Reaktionen im Vorfeld: "Links-grüne Gehirnwäsche schon an Grundschulen"

Wie die Rheinische Post berichtet, gingen im Vorfeld der Aktion rund 200 Mails bei der Schulleitung ein, die sich teils massiv über die Aktion beschwerten. Demnach habe die Schule beispielsweise eine Postkarte erreicht, in der von links-grüner Gehirnwäsche an Grundschulen die Rede war. Zudem sollen Eltern eingewendet haben, dass es schulfrei gebe, sobald die Heizung aus technischen Gründen ausfalle. In Deutschland gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle von "Kältefrei". Zahlreiche Schulleitungen sagten Unterrichtsstunden ab, da Heizungen komplett ausfielen. Im Fall der Düsseldorfer Schule werde jedoch bewusst am Thermostat gedreht.

"Man sollte Sie umbringen, bevor Sie so einen Scheiß mit den Kindern machen" - Facebook-Kommentar.

Im Gespräch mit dem Spiegel äußerte sich Schulleiterin Linda Hennemann: Demnach enthielt der Brief einen entscheidenden Fehler. Darin war zu lesen, dass die Heizung am Freitag komplett ausgeschaltet werden sollte - sie sollte jedoch lediglich reguliert werden, von 21 auf 18 Grad Celsius. Es bestehe keine "Kindeswohlgefährdung", was Teil der Vorwürfe war. Diese bestehe übrigens auch nicht, falls die Heizung ausfallen würde: Die Temperatur falle nicht unter 16 Grad Celsius im Gebäude. Die Schule sei zudem "gut isoliert", so Hennemann im Interview.

Eltern reagieren positiv auf Aktion

Dass es sich bei der Kritik vor allem um Facebook-Kommentare von Unbeteiligten handelte, stützt insbesondere den Zuspruch der Eltern. Es habe keine einzige Beschwerde von Seiten der Eltern gegeben, sagte die Schulleiterin. Die Aktion war durch eine Mutter ins Rollen geraten, die den Brief in einer relativ großen Facebook-Gruppe gepostet hatte, der Post wurde hundertfach kommentiert. Hennemann wirft der Mutter vor, nicht mit der Schule gesprochen zu haben: "Dann wäre das Ganze nie passiert."

"Warmer-Pulli-Tag": Schüler sind begeistert

Laut der Rheinischen Post war die Aktion am Freitag ein Erfolg. Durch die Körperwärme der Schüler sei es sogar wärmer als sonst im Klassenzimmer gewesen. Viele der Schüler fanden Gefallen an der Aktion. Einer der Schüler brachte es auf den Punkt: Es mache Spaß, weil "Decken und Kakao im Unterricht sonst nicht erlaubt" sind.

 

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