In den Hochwassergebieten Niederbayerns haben die Menschen am Mittwoch weiter gegen die Flut gekämpft - oft vergeblich: Mehrere Ortschaften an der Donau wurden überschwemmt, teilweise ragten nur noch die Dächer der Anwesen aus der riesigen Wasserfläche. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen, manche mussten mit Hubschraubern gerettet werden. Es kam zu dramatischen Szenen: Einige Menschen wollten bleiben, obwohl das Wasser bereits das Erdgeschoss geflutet hatte, wie Thomas Linddörfer, von der Wasserrettung in Deggendorf berichtete.

Die Staatsregierung versprach,schnell Geld zur Linderung der gröbsten Schäden zu Verfügung zu stellen. Richtwert sind 1500 Euro - in besonderen Fällen kann es auch mehr sein, wie Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nach einer Kabinettssitzung sagte. Die Auszahlungen sollen noch in dieser Woche beginnen. In Passau und Regensburg entspannte sich die Lage am Mittwoch.
In Wasser bekommen die Einwohner seit Mittwoch wieder Trinkwasser aus der Leitung - sie müssen es aber vorsorglich noch abkochen. Auch die Stromversorgung werde nach und nach wieder hergestellt, sagte Stadt-Sprecher Herbert Zillinger.

Am Mittwoch hatte der Scheitelpunkt der Hochwasserwelle an der Donau Deggendorf erreicht. "Dieser Stand wird wohl ein bis zwei Tage andauern", sagte ein Sprecher des Landratsamts. Tausende Menschen hatten in der Region Straubing und Deggendorf ihre Wohnungen bereits am Dienstag verlassen müssen, am Mittwoch folgten weitere Evakuierungen. Mehrere Dörfer sind komplett überflutet. "Die Hochwasserlage an der Donau ist weiterhin sehr ernst", sagte Markus Mühlbauer, Sprecher des Landkreises Straubing-Bogen.

Noch hielten die Dämme in Straubing den Wassermassen stand, sagte ein Sprecher des Einsatzzentrums. "Aber die Dämme sind schon sehr stark beansprucht und aufgeweicht." Ein Sprecher des Polizeipräsdiums Niederbayern sagte: "Die Dämme halten. Aber es kann jederzeit zu einem Dammbruch kommen. Und dann wird es kritisch." Bei Deggendorf hatten schon am Dienstag zwei Dämme den Fluten nicht mehr standhalten können.
Wegen Sperrungen der Autobahnen 3 und 92 war Deggendorf weitgehend vom Umland abgeschnitten. Scharfe Kritik übten die Einsatzkräfte und die Behörden an Schaulustigen: Nach Angaben der Polizei behinderten sie zunehmend die Helfer beim Kampf gegen das Hochwasser. "Die Einsatzkräfte vor Ort haben derzeit wahrlich anderes zu tun, als Touristen, die sich selber in Gefahr bringen, zu retten", sagte der Vizepräsident der niederbayerischen Polizei, Anton Scherl.

Ein Sprecher des Landkreises Deggendorf betonte: "Die Hochwassertouristen sind ein Problem." Wer aus Neugierde auf den Dämmen umherlaufe, begebe sich in Lebensgefahr und behindere die Arbeit der Rettungskräfte.
In Passau sank der Donau-Pegel am Mittwoch weiter auf 10 Meter - nach 12,90 Meter am Montagabend. Ein neuerlicher Anstieg ist in Passau nicht zu befürchten, da auch der Inn-Pegel stark sinkt. Am Mittwoch waren mehr als 1200 Hilfskräfte in Passau aktiv, um der Folgen der Hochwasserkatastrophe Herr zu werden. In den Straßen türmten sich Schmutz, Schlamm, unbrauchbar gewordene Möbelstücke und Elektrogeräte. Schätzungen zur Schadenshöhe gab es noch nicht.

Im Kampf gegen das Hochwasser und seine Folgen sind im Freistaat derzeit 2000 Bundeswehrsoldaten, 1300 Helfer des Roten Kreuzes und 25.000 Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr im Einsatz.

In Regensburg zeichnete sich eine Entspannung der Lage ab. "Die Pegelstände sinken - zwar langsam, aber sie sinken", sagte eine Sprecherin der Kommune. Auch in Oberbayern und in anderen betroffenen Gebieten Bayerns - etwa im Landkreis Kelheim - haben die Aufräumarbeiten begonnen. dpa