3-2-1 und dann erscheint das grüne Ampelmännchen: Der Countdown-Zähler direkt über den Ampelmännchen am Hamburger Jungfernstieg zählt kontinuierlich und für alle sichtbar herunter. Knapp eine Minute steht die Ampel hier auf Rot und lässt die Autos an den Fußgängern vorbeirauschen. Countdown-Ampeln stehen momentan im Fokus politischer Diskussionen. Verkehrspolitiker von Union und FDP hatten in der "Saarbrücker Zeitung" (Freitag) für Ampeln geworben, die den Fußgängern anzeigen, wie viele Sekunden die Rotphase noch dauert. Das soll die Verkehrssicherheit erhöhen. Doch kann das klappen?

Lässig und mit einem Smartphone in der Hand wartet Christian Buhl, ein Geschäftsmann aus Hamburg, beim Fußgängerübergang.
Für den 45-Jährigen führen solche Zähler dazu, nicht genervt auf das Grün-Signal warten zu müssen: "Wenn man sieht, wann es grün wird, dann denke ich, hilft es einem doch noch zu warten und die Geduld aufzubringen, statt einfach mal schnell über Rot zu rennen." Kerstin Schmidt aus der Hansestadt sieht es als einen großen Vorteil für ungeduldige Menschen an. Über sich selbst aber sagt sie: "Wenn ich es dann wirklich eilig habe und kein Auto kommt, werde ich trotzdem über die rote Ampel gehen."

Wie viele Menschen jährlich an Ampeln verletzt oder getötet werden, ist unklar. Klar scheint jedoch: Als Fußgänger in Städten ist man besonders gefährdet. Laut Statistischem Bundesamt verunglückten 2012 rund 31 830 Fußgänger auf Deutschlands Straßen - 30 252 davon innerorts. 388 Fußgänger kamen dabei ums Leben, 7450 wurden schwer verletzt. Sicher auch ein Problem sind Menschen, die bei Rot über die Straße laufen, auch wenn es keine verlässlichen Zahlen gibt.

"Die Erfahrung mit Countdown-Ampeln für Fußgänger sind positiv", sagt der Hamburger ADAC-Sprecher Christian Hieff. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Rotlicht-Verstöße von Fußgängern sich um ein Drittel reduziert hätten.

Der Preis für den Umbau der Ampeln ist jedoch beachtlich: Im Durchschnitt kostet es laut der Hamburger Verkehrsbehörde rund 20.000 Euro, eine herkömmliche einzelne Ampel mit einer Countdown-Anzeige nachzurüsten.
Bei anderen Verkehrsexperten gehen die Meinungen zu diesen Ampeln auseinander: "Wenn man in Eile ist, weil man zum Beispiel seinen Zug erreichen muss, hat man oft den Eindruck, dass Ampeln ewig lang rot sind", sagt Professor Egon Stephan, Verkehrspsychologe an der Universität Köln und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie. Eine Anzeige, wie lange die Ampel noch rot ist, könne da den Stress reduzieren. "Ohne diese Info sind viele Menschen zu ungeduldig und rennen einfach trotz roter Ampel über die Straße."

Gerhard Laub, Verkehrspsychologe des Tüv Süd, sieht dies kritischer: "Wenn man von vornherein weiß, dass eine Ampel noch 70 Sekunden rot bleibt, kann das auch eine Sogwirkung entfalten: Man rennt eventuell erst recht bei Rot über die Straße, weil man nicht so lange warten möchte." Man sollte sich zudem gut überlegen, ob man noch mehr Informationen im Verkehr einführen möchte, sagt er. Vor allem für Kinder könnten zusätzliche Signale schwer verständlich sein.

"Fußgänger sind oft ohnehin abgelenkt, telefonieren, unterhalten sich und konzentrieren sich wenig auf den Verkehr. Sie wären dann eventuell mit Informationen überflutet", sagt Laub.

Verkehrspsychologe Stephan warnt: Egal was für ein Ampelsystem installiert ist, völlig blind solle man ihm nie vertrauen. "Man sollte immer auch selbst den Verkehr im Auge behalten." Es könne nämlich immer ein Autofahrer die eigene rote Ampel missachten. "Und zu Fuß oder auf dem Fahrrad ist man einfach verwundbarer." dpa