Das Leben auf dem Jura ist härter als anderswo. Vielleicht suchen die Bewohner von Königsfeld und Umgebung deshalb am Faschingsdienstag ein Ventil und lassen es besonders krachen. Dieses Jahr mussten sie dem Wetter wieder einmal trotzen, denn mit dem Umzugsbeginn fing es auch zu nieseln an. Trotzdem kamen 14 Wagen und drei Fußgruppen nach Königsfeld, und die Straßen waren gut gefüllt.

Wie immer zeigte auch heuer der Gemeinderat, dass er den Faschingsumzug gut findet. Angeführt wurde er von seiner feschen Bürgermeisterin Gisela Hofmann mit gelbem Friesennerz und gelbem Bauhelm, der es die "Rät vo Künsfeld" zumindest farblich nachmachten: "Endlich gibt's ein Baugebiet, damit die Jugend nicht verzieht", steht auf ihrem Wagen.

Musikalisch heizten die Aufseßtaler den Fosenochtsjecken kräftig ein. Auf den großen Wänden der Königsfelder Feuerwehr wurde gefordert, die Hütte komplett abzureißen, sonst hätten sie wieder keinen Platz.

Der Pfarrer als Zauberer

Nach einigen Jahren der Enthaltsamkeit hatten es die Ministranten wieder geschafft, ihren Pfarrer Michael Herrmann mitzunehmen. Monsignore "Zauberer Gagamehl" mit schwarzem Mantel und roten Strümpfen inmitten seiner Schlümpfe wurde zum viel umjubelten Star des Zuges. Er schirmte seine Schützlinge auch ab vor den Kulisäufern aus Königsfeld, die dahinter zogen. Auch gegen die feschen Bienen der Weidnergruppe aus Poxdorf und der Montagslumpen aus Königsfeld verteidigte er, lieber ließ er sich selber stechen von den Bienen, Wespen und Hummeln.

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" hatten die Kotzendorfer, Hohenhäuslinger und die Steinfelder auf den Wagen. Sie wollten aber nicht nur die Bauern in der Verantwortung sehen, sondern auch die Hausgartenbesitzer mit ihren Steingärten: "Wenn euer Garten ruht, geht's den Bienen gut".

Der Wolf muss warten

Ihrem alten Milchhäusla trauerten die Laibaröser nach, da es die Informationsquelle für neue Nachrichten war. Auf dem großen Wagen waren sie die Superhelden. In Poxdorf ging es um den Bieber, obwohl der Wolf brandaktueller gewesen wäre, aber so schnell im Umsetzen von Nachrichten sind sie nun halt doch nicht. Das wird aber sicher nächstes Jahr der Fall sein - die Wette gilt. Eine solche hatten auch die Minis mit dem BDKJ abgeschlossen. Mal sehen, was rauskommt.

Der Bürgerbus mit dem Nachfolger "Mitfahrbänkla" schaffte es bei der Jugend Steinfeld zum Thema. Auch der niedrige Wasserstand der Wiesent störte sie.

Cordula grün, eine vollbusige Nixe am Wagen der Burgellerer, fand viele bewundernde Blicke.

Die Feuerwehr Tiefenellern und die Opelfreunde Königsfeld machten Reklame für ihre Feste.

Mit ihrem neuen Trainer hatten es die Sportler der DJK zu tun und der Hofmanns Udo ließ ABBA wieder auf die Bühne. Der Elternbeirat des Kindergartens trotzte dem Wetter mit dicken Bärenfellen.

Den krönenden Abschluss bildete der Wagen der Hubertusschützen Königsfeld. Die Fahrverbote für Dieselautos, die Fußball-WM-Niederlage letzten Jahres und die Landtagswahl mit der starken AfD waren ihre Themen.

Mit der Verlosung eines geschlachteten Schweines von ihrem Wagen aus aber hatte das alles nichts zu tun. Die hohe Politik war den Narren vom Jura keinen Deut wert, sie verbannten sie vollkommen von ihrem Fasching.