Köln
Interview

"Die Höhle der Löwen": Jury-Mitglied Dagmar Wöhrl über die neue Staffel, Alphatiere und Geld

Auf der Suche nach einem Investor, treffen Kandidaten auf ein neues Gesicht: Dagmar Wöhrl. Im Interview spricht die CSU-Politikerin über die neue Staffel.
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Neu im Löwenrudel: Dagmar Wöhrl (Zweite v.r.)schließt die Lücke in der Jury die Jochen Schweizer hinterlassen hat. Foto: Caroline Seidel / dpa
Neu im Löwenrudel: Dagmar Wöhrl (Zweite v.r.)schließt die Lücke in der Jury die Jochen Schweizer hinterlassen hat. Foto: Caroline Seidel / dpa
Dagmar Wöhrl (63) hat Show-Erfahrung - 1977 setzte sie sich bei der Wahl zur "Miss Germany" durch. Eine komplette Show-Staffel ist dann aber doch noch ein ganz anderes Parkett. Die Juristin, langjährige CSU-Bundestagsabgeordnete und Ehefrau des Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl ist neue Jurorin bei der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen", in der Menschen mit Start-up-Ideen um Investoren-Geld buhlen.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht sie über den Wechsel ins TV-Fach, ihr Geld und warum es bei den Wöhrls am Essenstisch auch immer um Geschäfte geht.

Am Dienstag (5. September, 20.15 Uhr) beginnt eine neue Staffel "Die Höhle der Löwen", es ist mittlerweile die vierte. Der Ablauf ist dabei eigentlich immer gleich: Menschen mit einer Geschäftsidee kommen in das Studio und bieten den "Löwen" - den Investoren - Anteile an ihren Firmen an. Die "Löwen" heben die Augenbrauen, zücken ihre Notizbücher, stellen spitze Fragen und entscheiden, ob sie investieren wollen. Entweder es fließt Geld, oder der Kandidat wird wegen seiner Schnapsidee rundgemacht.
Die Show funktioniert dabei auch wie eine Seifenoper - jeder "Löwe" hat seine Rolle. Ralf Dümmel (50) ist der anpackende Hamburger "Handelsmogul", Judith Williams (45) steht für Teleshopping, Kosmetik und Schmuck. "Start-up Legende" Frank Thelen (41) nimmt die Planstelle des Internet-Nerds ein, bei dem alles immer "skalieren" muss. Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer (58) kam schon als eigene Marke in die Show.

Zur neuen Staffel ersetzt nun Dagmar Wöhrl (63) Ex-Juror Jochen Schweizer.

Wenn sich Politiker in der Wirtschaft versuchen, ist das nicht immer von Erfolg gekrönt. Warum ist das bei Ihnen anders?

Dagmar Wöhrl: Ich war schon immer ein wirtschaftlich engagierter Mensch - immerhin war ich auch vor meiner politischen Laufbahn Juristin und Unternehmerin. Eine Wirtschaftsfachfrau bin ich nicht erst durch die Politik geworden, sondern ich bin mit meinem unternehmerischen Wissen in die Politik gegangen und habe mich dort besonders für den Mittelstand eingebracht. Meine Praxiserfahrung hat mir dabei sehr geholfen. Heute habe ich neben dem unternehmerischen Blickwinkel auch noch den politischen.

Das heißt: Sie investieren bei "Die Höhle der Löwen" eigenes Geld?

Ja, genauer gesagt ist es unser Geld. Wir haben ein Familienunternehmen, die "Intro Invest GmbH". Wir sind nicht nur an vielen Start-ups beteiligt, sondern auch zum Beispiel im Airlinebereich, im Medienbereich, im Handel und der Hotellerie - wirklich sehr breitgefächert.

Gibt es Geschäftsideen, mit denen man bei Ihnen besonders landen kann?

Wir sind stark im Handels- und Hotelbereich. Wenn es etwas gibt, das dort funktioniert, ist das natürlich besonders interessant. Mein Mann begeistert sich immer für ausgefallene Ideen. Wir haben kein Ausschlusskriterium. Ich glaube allerdings, dass ich bei dieser Staffel den Nachteil hatte, dass viele Gründer nicht wussten, dass ich neben der Politik auch für ein Familienunternehmen stehe, das in Start-ups investiert. Ich habe deswegen auch Deals in der Show nicht bekommen.

Die Investoren in der Show sind ganz schöne Alphatiere. Fühlen Sie sich da wohl? Kennen Sie das aus der Politik?

Ich kenne es aus der Politik, ich kenne es aber auch aus der Familie. Bei uns zu Hause sind alle Alphatiere. Es gibt kein Abendessen der Familie, bei dem nicht über das Geschäft geredet wird. Die Firma wird nicht an der Haustür abgegeben.

Würden Sie anderen Politikern raten, sich als "Löwe" zu probieren?

Du brauchst natürlich jemanden, der sich nicht nur in Talkshows verbal gut schlägt - das könnten sicherlich viele. Sondern sie müssten auch bereit sein, mit eigenem Geld ein Risiko einzugehen. Dazu sind aber die wenigsten bereit. Zudem endet die Geschichte nicht mit dem Ende der Sendung. Die Arbeit geht nach der Show erst richtig los. Man muss die Gründer betreuen und ihnen beim Aufbau ihres Unternehmens helfen.

Sind Gründer unkomplizierte Leute?

Es gibt tolle Gründer, aber es ist oft auch ganz schwierig, ihnen verständlich zu machen, was es heißt, ein Unternehmen zu führen. Denn ein guter Unternehmer sein, heißt alles andere zu Priorität "B" zu machen, was vielen nicht bewusst ist. Die anderen Löwen können davon sicher auch berichten. Viele Gründer verwechseln eine Idee mit einem Geschäftsmodell, sind davon aber total überzeugt. Sie denken, sie seien die großen Stars, haben aber noch keine Markterkundung gemacht. Manchmal habe ich auch das Gefühl, die fragen sich überhaupt nicht, wer der Kunde sein soll und wo der Mehrwert für diesen liegt.

Zur Person: Dagmar Wöhrl (63) ist Juristin und saß lange für die CSU im Bundestag. In dieser Zeit war sie unter anderem wirtschaftspolitische Sprecherin der Unionsfraktion und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium. Oft wurde die frühere "Miss Germany" aus Nürnberg auch "Miss Bundestag" genannt. Von Herbst 2017 an muss das Parlament ohne sie auskommen, Wöhrl tritt nicht mehr zur Wahl an. Verheiratet ist sie mit dem Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der zuletzt mit seinem Interesse an der Übernahme von Air Berlin Schlagzeilen machte.

Zur Show: "Die Höhle der Löwen" hat - obwohl das Original aus Japan stammt - oft etwas ziemlich Deutsches.
Stichwörter: Teleshopping, Familienunternehmen, hanseatische Händler-Könige. In dem neuen "Pop-Up-Store" in Köln, in dem man die Produkte aus der Show kaufen kann, findet man einen ganz guten Querschnitt der Ideen, denen die "Löwen" zum Durchbruch verholfen haben.
Auffällig oft hat es mit Essen, Kochen und dem Haushalt zu tun - von der Bügelhilfe "für knitterfreie Ärmel" über die "Abfluss Fee" gegen verstopfte Abflüsse. Diese recht bodenständige Melange ist auch eine mögliche Erklärung für den großen Erfolg, den Vox mit der Show hat. Die beste Idee an der "Höhle der Löwen" ist vielleicht die Sendung selbst.

Zwölf neue Folgen wird es nun geben. Einige neue Gründer-Ideen hat der Sender bereits verraten. Ein Indiz für leichte Veränderungen an der Erfolgsformel ist die Geschichte einer Mutter, die ohne technische Vorkenntnisse ein Gerät erfindet, um ihrer halbseitig gelähmten Tochter mehr Körperkontrolle zu geben. "Die Höhle der Löwen" kann also auch emotional. Eine weitere Idee: Ein Paar, das den britischen Kult-Schleim Porridge in Deutschland groß machen will. Klingt nach zähen Verhandlungen.