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Neue Staffeln

Die dritte Staffel - irgendwie anders

Auch mit der mittlerweile dritten Staffel der Fernsehserie "Sherlock" feierte die BBC Zuschauerrekorde. Bei uns laufen die Folgen über Pfingsten in der ARD. Vorher gibt's zur Einstimmung Staffel eins und zwei.
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Benedict Cumberbatch als Sherlock. Foto: Hartswood Films/BBC
Benedict Cumberbatch als Sherlock. Foto: Hartswood Films/BBC
Nur drei Folgen pro Staffel, jeweils 90 Minuten lang und das alle zwei Jahre. Das ist das Erfolgsrezept, nach dem die Drehbuchautoren Steven Moffat und Mark Gatiss ihre Neuinterpretation von Sherlock Holmes zubereiten. Zur Freude der britischen BBC, die auch mit der dritten Staffel Zuschauerrekorde verzeichnete. Alleine die bisher letzte Folge sahen im Januar fast neun Millionen - nicht eingerechnet sind dabei diejenigen, die "Sherlock" übers Internet streamten oder zeitversetzt anschauten.

Kein Wunder, denn Fans konnten es kaum erwarten zu erfahren, wie Sherlock seinen Sprung vom Dach des St.-Bart's-Krankenhaus überleben und offenbar quietschfidel beobachten konnte, wie John Watson am Grab um seinen vermeintlich toten Freund trauert. Diese letzte Szene am Ende der zweiten Staffel war denn auch ein genialer Cliffhanger, der unter Fans für nicht enden wollende Diskussionen und Spekulationen sorgte - und die zweijährige Wartezeit nicht gerade verkürzte. Wie konnte Sherlock seinen eigenen Tod überleben, wer half ihm dabei, lag er selbst oder ein anderer blutüberströmt auf dem Asphalt?
Und: wie würde John auf die Nachricht reagieren, dass Sherlock lebt? Dass er nicht wie bei Arthur Conan Doyle kurz ohnmächtig werden und hernach einfach so mit dem Meisterdetektiv ins nächste Abenteuer starten, sondern austicken, seine Trauer und Frust Sherlock ins Gesicht schleudern würde, war vorhersehbar. Jedenfalls dann, wenn man Johns Charakter in den ersten beiden Staffeln kennengelernt hat. "John ist gewissermaßen Sherlocks moralischer Kompass", sagt Martin Freeman über seine Interpretation des Mannes, der so viel normaler ist als der genialer Geist, mit dem er sich bisher eine Wohnung geteilt hat und der so reagiert wie Menschen eben reagieren - überreagieren wie Sherlock findet.

Überraschende Begegnung

Wie die erste Begegnung ausfallen würde, ist ebenso überraschend wie die gesamte neue Staffel. Denn Sherlock, der nach zwei Jahren nach London zurückkommt (die gleiche Zeitspanne, die seit der letzten Folge vergangen ist), hat sich verändert. Zwar ist er immer noch der überragende Kombinierer und Beobachter, der exzentrische und leicht autistische Denker, doch er ist viel mehr in seine Umgebung integriert. "Ich bin das schlimmste, unangenehmste und unhöflichste Arschloch, das man sich nur vorstellen kann", sagt Sherlock ohne den Anflug von Selbstironie und erkennt, dass er nur deshalb menschliche Züge hat, weil John sein Freund ist und sich um ihn kümmert. Der wiederum hat - ganz konform zur literarischen Vorlage - sein Leben weitergelebt, hat in den vergangenen zwei Jahren die Liebe seines Lebens, Mary Morstan, getroffen, ist aus der Junggesellenwohnung in der 221B Baker Street ausgezogen und plant seine Hochzeit. Das Ganze ist für Sherlock völlig unverständlich, geht er doch allen Ernstes davon aus, dass sich seine Umgebung nicht verändert hat und die Zeit stehengeblieben ist. "Sherlock kann sich nur schlecht an neue Situationen anpassen", sagt Steven Moffat in einem Interview zur neuen Staffel, die Tatsache, dass John eben nicht mehr wie bisher in seinem roten Sessel sitzt und mit ihm gemeinsam über mysteriöse Fälle grübelt, verändert nicht nur die Beziehung zwischen ihm und John. Sie verändert die Figur Sherlock, macht ihn menschlicher und führt die gesamte Serie in eine neue Richtung. "Wir überlegen uns, wie sich Sherlock in einer bestimmten Situation verhalten würde", sagt Mark Gatiss in einem der Extras, das auf den Original-DVDs enthalten ist, lachend zu seinem Mitautor Steven Moffat. "Wie verhält sich Sherlock als Trauzeuge des Bräutigams auf einer Hochzeit? Das ist immer wieder spannend zu sehen."
Spannend sind die drei 90-Minüter auf jeden Fall, aber sie sind anders als die ersten beiden Staffeln. Aber anders - das war Sherlock schon immer. Irgendwie.

Die Zitate stammen aus englischsprachigen Interviews, die als Extras auf den Original-DVDs der jeweiligen Staffel zu finden sind. Alle Übersetzungen: pb



Sherlock


Serie Die ersten beiden Staffeln sind auch bei uns unter anderem auf DVD erschienen. Ab 18. April wiederholt die ARD die ersten beiden Staffeln. Die neue Staffel folgt ab dem 29. Mai.

Benedict Cumberbatch wurde außerhalb Großbritanniens durch seine Rolle als "Sherlock" bekannt. Zuletzt war er bei uns in "12 Years A Slave" und "Im August in Osage County" im Kino zu sehen.

Martin Freeman war nach seiner Rolle als John Watson zuletzt in "World's End" auf der Leinwand. Im Dezember kommt der dritte Teil von "Der Hobbit" ins Kino.

Amanda Abbington spielt Mary Morstan und ist die Lebensgefährtin von Martin Freeman. Sie war bei uns in "Case Histories" zu sehen.

Mark Gatiss ist verkörpert auch in der dritten Staffel Sherlocks Bruder My croft. Er produziert und schreibt mit Steven Moffat "Sherlock" und die TV-Serie "Dr. Who". In Großbritannien tritt er auch im Theater auf.

Wanda Ventham und Timothy Carlton Cumberbatch sind Benedicts Eltern - und spielen die Eltern von Sherlock und Mycroft. pb