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Gesundheit

Diagnose per Video-Chat? Video-Sprechstunde wird immer mehr zur Normalität

Die technischen Möglichkeiten, damit Ärzte Patienten auch ohne persönlichen Kontakt behandeln können, haben sich in den letzen Jahren rasant entwickelt.
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Die medizinische Assistentin Aida Forotanian sitzt am 11.01.2018 an ihrem Arbeitsplatz in der Firma Teleclinic in München (Bayern). Sie begutachtet die Hauterkrankung eines Patienten.   Foto: Lisa Forster/dpa
Die medizinische Assistentin Aida Forotanian sitzt am 11.01.2018 an ihrem Arbeitsplatz in der Firma Teleclinic in München (Bayern). Sie begutachtet die Hauterkrankung eines Patienten. Foto: Lisa Forster/dpa
Patienten in Deutschland werden sich bald leichter behandeln lassen können - davon ist zumindest Katharina Jünger überzeugt. Sie ist Geschäftsführerin der Münchner Firma Teleclinic, die Video- und Telefonsprechstunden mit organisiert, bei denen Ärzte ohne direkten Kontakt zu Patienten Diagnosen stellen und Therapien empfehlen. Ein Pilotprojekt in Baden-Württemberg soll das Ganze vorantreiben. Jünger ist überzeugt, dass sich die Idee schnell ausbreiten wird: "Wir brauchen nicht diskutieren, ob es das geben soll, sondern das wird es einfach geben, das ist der Lauf der Dinge."


Kein persönlicher Kontakt mehr nötig

Dass Ärzte per Telefon oder auch per Videokonferenz Patienten beraten, ist nichts Neues. Aber bislang mussten die Mediziner laut den Berufsordnungen der Ärztekammern vor oder nach einer solchen Fernbehandlung persönlichen Kontakt zu ihren Patienten haben, wenn sie ihre Leistungen abrechnen wollten. Diese Einschränkung hat die Landesärztekammer Baden-Württemberg aufgehoben. Seit dem Jahreswechsel können zunächst Privatpatienten über ein Pilotprojekt, an dem Teleclinic beteiligt ist, Behandlungen abwickeln, ohne mit einem Patienten je in einem Raum gewesen zu sein. Im Frühjahr soll das Projekt auf Kassenpatienten ausgeweitet werden.


Nicht alles per Videochat behandelbar

Teleclinic-Geschäftsführerin Jünger räumt ein, dass sich nicht alle Krankheiten aus der Ferne behandeln lassen. Aber viele Gesundheitsprobleme ließen sich gut per Telefon und Videokonferenz besprechen. Ein Arzt könne auch aus der Ferne ein Rezept ausstellen; im Rahmen des Pilotprojekts soll dieser Service erprobt werden. Patienten können dann am Smartphone oder Computer eine Apotheke in ihrer Nähe auswählen, an die der Arzt das Rezept schickt. Der Patient kann noch am selben Tag das Medikament abholen.

Bei den Ärztekammern will man sich der Entwicklung nicht mehr in den Weg stellen. "Das ist der Realität geschuldet, aber auch der Erwartungshaltung gerade unserer jungen Patienten", sagt Bayerns Kammerpräsident Max Kaplan, der auch Vizepräsident der Bundesärztekammer ist. Er erwartet, dass die Delegierten beim Deutschen Ärztetag im Mai in Erfurt die berufsrechtlichen Regeln so ändern, dass Fernbehandlungen bald wesentlich leichter möglich sein werden.

Kaplan warnt allerdings davor, die Bedeutung von Online-Sprechstunden zu überschätzen: "Man darf nicht glauben, dass eine solche Behandlung den persönlichen Kontakt komplett ersetzt."
d
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