Helmbrechts
Weltblutkrebstag

Diagnose Leukämie: Wer rettet Emils Leben?

Der Weltblutkrebstag möchte für eine bösartige Erkrankung sensibilisieren: Den Patienten kann oft nur mit einer Stammzellspende geholfen werden. Auch Emil (2) und Leonard (6) aus Franken sind betroffen.
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Damit der zweijährige Emil aus Bayreuth spielen und in den Kindergarten gehen, mit anderen Worten: Damit Emil leben kann, ist er auf eine Stammzellspende angewiesen. Foto: privat
Damit der zweijährige Emil aus Bayreuth spielen und in den Kindergarten gehen, mit anderen Worten: Damit Emil leben kann, ist er auf eine Stammzellspende angewiesen. Foto: privat
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Emil ist zwei Jahre alt. Emil ist todkrank. Der kleine Junge aus Bayreuth hat Blutkrebs. Emil kann nur überleben, wenn es irgendwo auf der Welt einen Menschen mit den gleichen Gewebemerkmalen im Blut gibt, der zur Stammzellspende bereit ist. Leonard, sechs Jahre, hat dieses Glück: Für den ebenfalls an Blutkrebs erkrankten Jungen aus Helmbrechts (Kreis Hof) wurde ein Spender gefunden. Ende dieser Woche werden Leonard die gesunden Stammzellen seines Spenders übertragen.

Solche Erfolgsmeldungen kommen nicht allzu häufig vor. Alle 16 Minuten erhält in Deutschland ein Mensch die Diagnose Blutkrebs (Leukämie) - und jeder fünfte Patient findet keinen Spender. Deshalb hat der Weltblutkrebstag das Ziel, global Solidarität mit Patienten im Kampf gegen Blutkrebs zu demonstrieren. "Wir wollen geballt die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und noch mehr Unterstützer gewinnen", sagt Klaus Ludwiczak, Sprecher der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS).

Tag der Lebensspende
Weil der 28. Mai der Tag ihrer Gründung ist, hat die DKMS in Deutschland diesen Termin zum "Tag der Lebensspende" ausgerufen. Die gemeinnützige Gesellschaft mit Sitz in Tübingen will durch die Vermittlung von Knochenmark- oder Stammzellenspenden die Heilungschancen von Patienten verbessern, die an Leukämie oder anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen des blutbildenden Systems leiden.

"Wir arbeiten seit 1991 daran, für Patienten weltweit den passenden Spender zu finden", sagt DKMS-Sprecher Ludwiczak. 5,3 Millionen Stammzellspender sind weltweit registriert, davon allein knapp 4 Millionen in Deutschland. Ihnen stehen in Deutschland DKMS-Angaben zufolge 44 782 tatsächliche Entnahmen gegenüber. Bayern liegt mit 640 508 registrierten Spendern und 7354 Entnahmen an zweiter Stelle nach Nordrhein-Westfalen.

So funktioniert die Stammzellspende - hier lesen Sie mehr zu dem Thema!

Eine beeindruckende Zahl - doch sie reicht nicht aus. Für eine Stammzellspende müssen die Gewebemerkmale des Spenders mit denen des Patienten zu 100 Prozent übereinstimmen. Deshalb gilt für die DKMS die Devise: "Je mehr Menschen sich als Spender registrieren lassen, umso größer werden die Chancen auf passendes Knochenmark für die einzelnen Betroffenen", sagt Ludwiczak.

Eine gute Möglichkeit dazu sind Typisierungsaktionen, die oft von der Familie der Betroffenen oder von Freunden, Kindergärten, Schulen, Firmen und Vereinen organisiert werden. Für Emil aus Bayreuth führt der Elternbeirat der Kindertagesstätte Grashüpfer gemeinsam mit der DKMS am 7. Juni eine solche Aktion durch (siehe Infobox). Vielleicht hat der kleine Junge so viel Glück wie Leonard: "Acht Wochen nach der großen Typisierungsaktion in Leonards Heimatstadt Helmbrechts können alle Beteiligten endlich aufatmen", sagt Yvonne Renz, bei der DKMS zuständig für die Spenderneugewinnung.

Leonards Eltern: "überglücklich"
Die Wahrscheinlichkeit, einen geeigneten Stammzellspender zu finden, liegt bei etwa 1:20 000 und 1:mehreren Millionen. Nur logisch, dass die Eltern des Sechsjährigen überglücklich sind. "Wir sind so froh und erleichtert, dass für unseren Leonard ein Spender gefunden wurde", lassen sie über die DKMS ausrichten. "Dieses Gefühl ist für uns unbeschreiblich." Die Eltern sind überzeugt: "Hätten sich nicht schon viele Menschen typisieren lassen, wäre es nicht möglich gewesen, für Leonard den geeigneten Lebensspender zu finden".

Nur ein Wangenabstrich
Bei der Typisierungsaktion für Leonard in Helmbrechts wurden fast 4000 Menschen in die DKMS aufgenommen. Ein anderer, kaum komplizierterer Weg ist die eigenständige Anmeldung bei der Spenderdatei. Dazu fordert man online das Registrierungs-Set an, erhält per Post Wattestäbchen und macht mit diesen einen Wangenabstrich. Die Wattestäbchen werden an die DKMS zurück geschickt. "Dann ist unser Labor dran", erklärt Ludwiczak. "Es bestimmt die Gewebemerkmale. Anhand dieser kann ermittelt werden, ob der Einsender der passende Spender für einen Blutkrebspatienten ist."

Blutkrebs ist der Oberbegriff für bösartige Erkrankungen des Knochenmarks bzw. des blutbildenden Systems, bei denen die normale Blutbildung durch die unkontrollierte Vermehrung von bösartigen Blutzellen gestört ist. Blutkrebspatienten können die Krankheit häufig nur mithilfe einer Stammzellspende eines passenden Spenders besiegen. Bei Leukämie und malignen Lymphomen ist die Übertragung gesunder Stammzellen sogar die einzige Aussicht auf Heilung. Da höchstens 30 Prozent der Patienten einen geeigneten Stammzellspender innerhalb der Familie finden, ist der Großteil auf einen Fremdspender angewiesen.

Gleichzeitig wird der Interessent in die Datei der DKMS aufgenommen und erhält eine Spendercard. "Für den Fall, dass man als passender Spender in Frage kommt, meldet sich die DKMS umgehend", sagt Ludwiczak. Obwohl die DKMS die weltweit größte Datei ist, kann immer noch für viele Patienten kein "genetischer Zwilling" gefunden werden. "Die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen geht für viele weiter", sagt Ludwiczak.
Für Leonard aus Helmbrechts ist die Suche erst einmal vorbei. Sein Spender kommt aus Amerika und ist männlich, teilt Yvonne Renz von der DKMS mit. Doch nach der Transplantation ist vor der Transplantation: "Vor uns liegt nun ein steiniger Weg", sagt Leonards Vater Matthias. "Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Wir hoffen und beten, dass alles gut geht und Leonard bald wieder gesund nach Hause darf."

Emils Familie hofft auf den 7. Juni
Davon ist Emils Familie noch weit entfernt. Ihre Hoffnung liegt in der Typisierungsaktion am 7. Juni. Vielleicht gibt es dann auch für Emil einen Spender, der dem kleinen Jungen ein neues Leben schenken kann.




So können Sie helfen

Spenderdateien In Deutschland gibt es 30 Dateien für Knochenmarkspenden. Sie sind untereinander vernetzt, ihre Daten laufen in einem zentralen Register in Ulm zusammen. Eine Liste mit allen Spenderdateien gibt es auf der Internetseite des Zentralen Knochenmarkspender-Registers Deutschland unter www.zkrd.de.

DKMS Sie ist die weltweit größte Datei mit über 5,3 Millionen registrierten Stammzellspendern und fünf Standorten in Deutschland, USA, Polen, England und Spanien. Unter www.dkms.de gibt es alle Infos zum Thema.

Voraussetzung Stammzellspender kann jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren werden. Interessenten können sich online bei der DKMS unter www.dkms.de registrieren oder die Unterlagen für den Wangenabstrich telefonisch unter 0221/940582-3551 bestellen.

Typisierungsaktionen Die DKMS unterstützt Privatleute und Schulen, Vereine, Firmen und Ärzte bei der Organisation und Durchführung von Regis-trierungs- und Benefizaktionen und stellt ihnen "Aktionsbetreuer" zur Seite. Interessenten erhalten per E-Mail an aktion@dkms.de oder unter Tel. 0221/940582-3712 weitere Informationen.

Aktion für Emil Die Typisierungsaktion für Emil findet am Sonntag, 7. Juni, von 11 bis 16 Uhr in der Graser-Grundschule Bayreuth, Schulstraße 4, statt. Den Spendern werden fünf Milliliter Blut abgenommen, damit die Gewebemerkmale bestimmt (typisiert) werden können.

Franken helfen Franken Als gemeinnützige Gesellschaft ist die DKMS auf Geldspenden angewiesen. Die Registrierung und Typisierung eines Spenders kostet die DKMS 50 Euro. Für die Aktion Emil wurde ein Spendenkonto bei der Sparkasse Bayreuth unter dem Stichwort "Emil" eingerichtet: IBAN DE42 7735 0110 0038 0763 78, BIC BYLADEM1SBT. Wer spenden möchte, kann dies auch über die Aktion "Franken helfen Franken" tun: Einzahlungen unter dem Stichwort "Emil" auf folgendes Konto: Sparkasse Bamberg - BLZ: 77050000, Konto: 302194501.












































 


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