• Debatte um Genesenenstatus: Karl Lauterbach verteidigt Drei-Monat-Frist 
  • Markus Söder kritisiert den Bundesgesundheitsminister scharf: "höchst widersprüchlich" und "nicht verständlich"
  • Lauterbach räumt Fehler in der Kommunikation ein 
  • Drei-Monats-Frist: Lauterbach bemüht sich um Umsetzung auf europäischer Ebene
  • Was sagt der Gesundheitsminister zur allgemeinen Impfpflicht?

Der Streit um die Verkürzung des Genesenenstatus nach Corona-Infektionen in Deutschland geht weiter: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Drei-Monats-Frist zuletzt verteidigt und will sich nun um Umsetzung auf europäischer Ebene bemühen. "Wir werden in Kürze erneut versuchen, die drei Monate auch auf europäischer Ebene umzusetzen", sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend im ZDF-"heute journal".

Nach Debatte um Genesenenstatus: Karl Lauterbach räumt Kommunikationsprobleme ein

Inzwischen gesteht der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach jedoch Kommunikationsprobleme mit dem Robert Koch-Institut ein. Er sei in die neue Festlegung des RKI zum Genesenenstatus "nicht einbezogen" gewesen, erklärte Lauterbach. In Zukunft werde man sich vorher "gemeinsam Gedanken machen", wie eine solche Status-Änderung kommuniziert werden könne. "Wir haben die Kommunikationswege jetzt einvernehmlich verbessert."

"Dass der Genesenenstatus jenseits der Quarantäneregeln quasi über Nacht auf drei Monate verkürzt wurde - davon war ich nicht unterrichtet", meinte der SPD-Politiker gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Jedoch betonte Lauterbach: "Nach drei Monaten kann sich derjenige, der schon mit der Delta-Variante infiziert war, erneut mit der Omikron-Variante infizieren. Somit sind die drei Monate wissenschaftlich richtig".  

Der Genesenenstatus für sechs Monate sei mit Blick auf die nicht gebannte Infektions- und Ansteckungsgefahr "nicht sicher", sagte Lauterbach. Es habe zu dieser Entscheidung auch "keinen Dissens" zwischen seinem Ministerium und dem Robert Koch-Institut gegeben, bekräftigte Lauterbach als Reaktion auf mehrere Nachfragen von Journalisten zu der umstrittenen Herabstufung des Genesenenstatus auf drei Monate. 

Lauterbach hält weiter an Genesenenstatus von drei Monaten fest

Inhaltlich sei die Entscheidung aber richtig, so Lauterbach. Deswegen setze sich auch Deutschland dafür ein, dass der Genesenenstatus auf EU-Ebene auf drei Monate verkürzt werde. Der Bund könne es natürlich "nicht kontrollieren", wenn in den Bundesländern zum Teil am Genesenenstatus von sechs Monaten festgehalten werde, erklärte Lauterbach. Er halte dieses Vorgehen aber für "falsch" und werde "natürlich mit den Ländern über die Umsetzung sprechen".

Bestseller: Corona-Selbsttests bei Amazon ansehen

In anderen EU-Staaten gelten Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, für einen Zeitraum von sechs Monaten als genesen. Die Regel betrifft auch Menschen, die beispielsweise von einem EU-Land in ein anderes reisen wollen. In Deutschland war der Genesenenstatus Mitte Januar auf Basis neuer RKI-Vorgaben überraschend auf eine Zeitspanne von 28 bis 90 Tagen nach einem positiven PCR-Test verkürzt worden. Zuvor hatten sechs Monate gegolten. Die Entscheidung löste teils heftige Kritik aus.

"Um das klar zu sagen: Entscheidungen wie diese würde ich auch in Zukunft nicht stoppen, die Wissenschaft muss unabhängig bleiben und ist Grundlage meiner Arbeit", so Lauterbach. Das Timing von solchen Entscheidungen und die Vorbereitung müsse aber besser werden. Zuletzt hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder den Bundesgesundheitsminister scharf kritisiert: Er bezeichnet das Ausscheren von Deutschlandes als "nicht verständlich" und "höchst widersprüchlich" - und richtet eine klare Forderung an Lauterbach.

Lauterbach: Eine generelle Impfpflicht ist eine ethische und keine wissenschaftliche Debatte

Lauterbach warnte davor, in der Corona-Pandemie nicht mehr mit einer Verschlechterung der Lage zu rechnen. "Im besten Fall wird das Virus harmloser und löst nur noch kleine und lokal begrenzte Ausbrüche aus." Ob das so komme, wisse aber niemand. "Wir müssen auf alles vorbereitet sein", meinte der Gesundheitsminister. Expertinnen und Experten hatten zuletzt einen baldigen Übergang von der Pandemie zur Endemie des Coronavirus vorausgesagt. 

"Endemie kann viel bedeuten", betonte Lauterbach. "Wir können auch in eine Endemie geraten, in der eine sehr gefährliche Variante dominant ist, gegen die wir die Schwachen weiter mit großem Aufwand schützen müssen." Wie sich das Virus weiterentwickele, könne niemand vorhersagen. Die Frage einer möglichen generellen Impfpflicht sei allerdings eine ethische und keine wissenschaftliche, betonte Lauterbach nach der Debatte im Bundestag über das Thema. Im Parlament sprach sich der SPD-Politiker für eine allgemeine Impfpflicht aus, allerdings nicht als Minister, sondern als Bundestagsabgeordneter.

Ein Impfregister hält Lauterbach für nicht nötig und auch hinderlich, da eine Einführung zu lange dauern würde. Die Kontrolle eines Impfnachweises könnte Lauterbach zufolge am Arbeitsplatz oder bei der Nutzung bestimmter Verkehrsmittel erbracht werden oder auch bei Arztbesuchen. Es könnte auch einfach sporadische Kontrollen geben wie in Österreich.

Artikel enthält Affiliate Links

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn du auf einen dieser Links klickst bzw. darüber einkaufst, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für dich ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.

mit dpa